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So wehrt der Bosch-Pensionsfonds einen Run-off ab

Eben hat die Bafin den größten Run-off eines Lebensversicherers genehmigt. Das kann sinnvoll sein, auch in der bAV. Bei Bosch entschied man sich jedoch für einen anderen Weg. Dabei spielte auch der Umstieg auf Fondsrenten eine wichtige Rolle.

Dirk Jargstorff, Leiter Betriebliche Versorgungsleistungen, Robert Bosch GmbH
Dirk Jargstorff, Leiter Betriebliche Versorgungsleistungen, Robert Bosch: "Einen Run-off in der bAV sehe ich kritisch, weil es nicht nur um die Abwicklung eines x-beliebigen Versicherungsvertragsverhältnisses für Einzelne geht, sondern um das kollektive Leistungsversprechen."
© Bosch Media Services

In der Woche vor Ostern gab die Aufsichtsbehörde Bafin grünes Licht für den Run-off von über 4.000 Lebensversicherungsverträgen der Generali Lebensversicherung an den Abwickler Viridium. Solche Transaktionen seien kein Sündenfall, sondern eine geeignete Möglichkeit, der anhaltenden Niedrigzinsphase zu begegnen, hieß es von der Bafin. Ähnliche Verkäufe gab es mit kleineren Beständen schon früher. Beispiele: Delta Lloyd, Basler, Arag und Skandia.

"Wir werden in Zukunft vermehrt solche Transaktionen sehen, weil effizientere Strategien für das Bestands-Management nötig sind", betont Michael Klüttgens, Leiter Versicherungsberatung beim Risikoberater Willis Towers Watson. Es gibt sie auch schon in der betrieblichen Altersversorgung (bAV), auch als Teil des jetzigen Generali-Deals. Noch zwei Beispiele aus dem Vorjahr: Die Pro bAV Pensionskasse AG wurde von Axa verkauft, und die Prudentia Pensionskasse von der Cofra-Gruppe Deutschland abgegeben. Beide Kassen gingen zur Frankfurter Leben-Gruppe, mehrheitlich im Besitz des chinesischen Finanzinvestors Fosun.

Anlagestrategie langfristig ändern und Reserven aufstocken
Eine alternative Strategie zum Run-off hat jüngst Dirk Jargstorff, Senior Vice President Pensions and Related Benefits der Robert Bosch GmbH, auf der Handelsblatt-bAV-Tagung in Berlin erläutert. Hier wurde nicht der Risikoträger der Garantiebestände gewechselt, sondern wegen der Niedrigzinsen die Anlagestrategien sehr langfristig ausgerichtet und die Reserven frühzeitig gestärkt.

Hintergrund: Die Robert Bosch GmbH betreibt schon seit 1929 Versorgungswerke für Mitarbeiter. Aktuell fließt die bAV im "Bosch Vorsorge-Plan". Bosch zahlt Firmenbeiträge, die sich aus einem prozentualen Anteil an den Jahresbezügen ergeben, sowie altersvorsorgewirksame Leistungen. Dazu können Mitarbeiter eigenes Entgelt umwandeln. Bosch bezuschusst diese Mitarbeiterbeiträge mit zusätzlich zehn Prozent bei Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung.

Wenn Zinsen nicht mehr für versicherungsförmiger Bestand ausreichen
Als Durchführungsweg dient dazu der firmeneigene Bosch Pensionsfonds mit derzeit über 184.000 Begünstigten, den Jargstorff ebenfalls leitet. Geboten wird eine Beitragszusage mit Mindestleistung. Für jeden Mitarbeiter bis zum 55. Lebensjahr wird chancenorientiert investiert, danach sukzessive auf sichere Rententitel umgeschichtet. Damit sei man bisher gut gefahren und habe im Schnitt 6,0 Prozent pro Jahr erwirtschaftet. "Doch auch Pensionsfonds kennen bei der versicherungsförmigen Verrentung die enormen Herausforderungen an die Absicherung in einer langanhaltenden Niedrigzinsphase", betont Jargstorff, der zugleich Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba) ist.

Einen Run-off in der bAV sieht Jargstorff kritisch, weil es "nicht nur um die Abwicklung eines x-beliebigen Versicherungsvertragsverhältnisses für Einzelne geht, sondern um das kollektive Leistungsversprechen, für das der Arbeitgeber bei seinen Beschäftigten geworben hat und das man - insbesondere im Falle der Entgeltumwandlung – nicht einfach an Dritte weiterleiten sollte", so der bAV-Chef. Für betriebliche Einrichtungen, die häufig von Arbeitgebern und Beschäftigtenvertretern gemeinsam verantwortet werden, sei ein solches Vorgehen kaum vorstellbar.

Langfristprognose als Ausweg aus Niedrigzinsphase
Daher musste man sich bei Bosch etwas einfallen lassen, um die langfristige Entwicklung des mittlerweile geschlossenen, versicherungsförmigen Rentnerbestandes (7.000 Rentner; rund 200 Millionen Euro Deckungsrückstellungen) aus eigener Kraft abzusichern. Die Beitragszusage mit Mindestleistung in Verbindung mit einer versicherungsförmigen Verrentung bringt gerade bei anhaltendem Niedrigzins von Jahr zu Jahr mehr Probleme.

Ausweg: Es wurde eine umfangreiche Langfristprognose über 20 Jahre mit drei Szenarien erstellt:

  • Welche durchschnittliche Verzinsung ist erforderlich, um geschäftsplanmäßige Garantieleistungen und etwaige Zinszusatzreserve-Fehlbeträge zu finanzieren (Basis-Szenario)?
  • Welche Fehlbeträge ergeben sich, falls das genutzte Kapitalisierungsprodukt ab 2018 nur Erträge in Höhe der Garantieverzinsung erbringt (Worst-Case-Szenario)?
  • Wie sieht das Ergebnis aus bei Annahme einer realistischen Verzinsung (Best-Case-Szenario)?

Auf dieser Basis wurde die Wirkung des vorab sehr langfristigen Kapitalisierungsproduktes getestet. "Dieses Produkt im Sicherungsvermögen sichert innerhalb des Anlagemixes durch eine garantierte Mindestverzinsung und Überschussbeteiligungen kontinuierlich ein Zielmaß an Basiserträgen ab", erklärt der Pensionsfonds-Chef.

Ruhigeres Fahrwasser für Bestand angestrebt
Selbst im Worst-Case-Szenario kalkuliere man im nun geschlossenen versicherungsförmigen Bestand 2019 noch mit 1,15 Prozent. "Im Moment gehen wir aber eher vom Best-Estimate-Szenario aus, wonach sogar langfristig Zinsen oberhalb von 2,0 Prozent angenommen werden", so Jargstorff weiter. So könnten Rentenanpassungen ohne Unterbrechungen vorgenommen werden. Und das zusätzlich von Trägerunternehmen der Bosch-Gruppe einbehaltene Kapital von etwa 3,0 Millionen Euro zur neu aufgestellten Absicherung der versicherungsförmigen Bestände wäre überschaubar. Aufgrund einer fehlenden Rechtsgrundlage für eine raschere Rückzahlung bliebe es allerdings selbst bis 2036 bei einer Rückzahlung – sie muss rückwirkend 20 Jahre erfolgen. "Bis dahin haben sich die Kapitalmärkte hoffentlich wieder normalisiert", so Jargstorff.

Ohne Wechsel auf die Fondsrente bei den Zahlbetragsrenten (Überschussrente bleibt versicherungsförmig) wäre das versicherungsförmige Segment von 7.000 auf 30.000 Bezugsberechtigte im Jahr 2024 angestiegen. Durch die Fondsrente könnten nun nicht nur attraktivere Renten gestaltet werden, sie stoppe durch den Verzicht auf versicherungsförmige Garantien auch das Erfordernis, weiterer Finanzierungsreserven für Sicherheitsmechanismen finanzieren zu müssen. "Erleichternd ist auch, dass durch die modifizierte Zinszusatzreserve nun bei uns nur noch die Hälfte der bisherigen Sicherheitsmittel aufgebracht werden muss", so Jargstorff. (dpo)

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