So reagiert die Ergo auf den Siegeszug der KI
Die Munich-Re-Tochter nutzt das Potenzial von Künstlicher Intelligenz, um Personalkosten zu reduzieren. Neben Kündigungen setzt das Unternehmen aber auch auf Umschulungen, um Personallücken mit eigenen Mitarbeitern füllen zu können.

Eckpunkte:
- Dank Künstlicher Intelligenz kann Personal abgebaut werden
- Viele Mitarbeiter können bleiben, wenn sie sich umschulen lassen
Die Munich-Re-Tochter Ergo rüstet sich für den zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Unternehmen. Das hat Lena Lindemann, Arbeitsdirektorin und Mitglied des Vorstands, in einem Interview mit Bloomberg News deutlich gemacht. Neben dem Abbau von rund 1.000 Stellen über mehrere Jahre ist auch die Umschulung von etwa 700 Mitarbeitern ein zentraler Baustein der ausgearbeiteten Strategie, berichtet Bloomberg News.
KI ist der Managerin zufolge zwar nur eine Veränderung von vielen in den vergangenen Jahren. “Was sie aber radikal unterscheidet, ist die Geschwindigkeit der Veränderungen und die geringere Planbarkeit dazu, wie das Ganze sich weiterentwickelt”, so Lindemann bei dem Gespräch in Frankfurt.
KI-Einführung und Arbeitsplatzabbau weden synchronisiert
Ergo fahre etwa bei Stellenstreichungen auf Sicht, weil vieles noch unklar sei. Der Abbau von Arbeitsplätzen und der Einsatz von KI werden synchronisiert, wie Lindemann es nannte. “Wir wollen nicht in eine Situation kommen, in der wir Arbeitsplätze abgebaut haben und sich dann herausstellt, dass die Technologie noch nicht an einem Punkt ist, an dem sie das liefert, was man sich von ihr versprochen hat”, sagte Lindemann. Der Abbau wäre dann wohl nur schwer wieder umkehrbar.
Verlagerung von Arbeit in kostengünstigere Länder wie Polen oder Indien
Den derzeitigen Planungen zufolge sollen 200 Stellen pro Jahr in Deutschland bis 2030 wegfallen. Das hat Lindemann zufolge vor allem mit KI-Einsatz und der Hebung von Effizienzpotenzialen zu tun, aber zum Teil auch mit der Übernahme von Tätigkeiten durch andere Standorte in Polen und Indien. Zentrales Prinzip sei Freiwilligkeit. Es gehe vor allem um Regelungen wie etwa Altersteilzeit und Abfindungsprogramme.
“Stellen, die durch den KI-Einsatz wegfallen, betreffen vor allem einfache, repetitive Tätigkeiten. Beispielsweise in der Telefonie, im Management von eingehenden Kunden-Schreiben oder der Schadensachbearbeitung”, erklärte Lindemann.
KI ist ein Gamechanger
Viele Versicherer und Banken setzen derzeit auf KI, um Dienstleistungen zu beschleunigen und zu verbessern - und um Kosten zu senken. Ende vergangenen Jahres gab der niederländische Finanzriese ING Groep bekannt, dass wegen “Digitalisierung, KI und sich verändernder Kundenbedürfnisse” rund 1.000 Stellen gefährdet seien. Zudem machten Spekulationen um einen KI-getriebenen Personalabbau bei einer Allianz-Tochter die Runde. Das sorgte bei manchen Beschäftigten im Finanzsektor für Sorgen um den eigenen Job.
Umschulung angeboten
Mitarbeiter, die bei Ergo vom KI-Siegeszug betroffen sind, müssen aber nicht zwangsweise aus dem Unternehmen ausscheiden. Denn neben dem Stellenabbau setzt das Unternehmen, das zuletzt rund 15.000 Mitarbeiter in Deutschland beschäftigte, auch auf die sogenannte Reskilling-Academy, welche für die Transformation extra aufgebaut wurde.
“Die Reskilling-Academy soll dabei helfen, den eigenen Mitarbeitern neue Perspektiven innerhalb von Ergo zu bieten und qualifiziertes Personal angesichts des Fachkräftemangels im Unternehmen zu halten”, erklärte Lindemann.
Denn schon jetzt sei es in manchen Bereichen schwierig, Leute vom freien Markt zu bekommen. Das gelte beispielsweise für Versicherungsmathematiker. “Ich erwarte, dass sich das in Zukunft eher noch verstärkt als verbessert.“
In der Sachbearbeitung der Krankenversicherung wird Ergo laut Lindemann künftig wegen KI mit weniger Mitarbeitern auskommen, während die Automatisierungsmöglichkeiten im Wachstumsfeld Lebensversicherung eher geringer seien und Ergo hier mehr Mitarbeiter brauche. Genau hier soll die Reskilling-Academy mit Umschulungen ansetzen.
“Die Reskilling-Academy folgt konsequent unserem Geschäft. Wir identifizieren mit den Geschäftseinheiten sehr systematisch, wo veränderter Personalbedarf im Unternehmen entsteht, welche Fähigkeiten benötigt werden und schulen entsprechend um”, sagte Lindemann.
Eigener Campus für die Reskilling-Academy
Für die Academy wurde am Standort in Düsseldorf ein eigener Campus geschaffen. Es handelt sich um eine ganze Etage mit Schulungsräumen sowie Begegnungs- und Lernmöglichkeiten. Zusätzlich bietet das Unternehmen einen virtuellen Lerncampus im Metaverse.
Die Teilnahme an der Reskilling-Academy soll in der Regel zwischen sechs und zwölf Monaten dauern, je nach individuellem Kenntnisstand und Anforderungsprofil. Zu Beginn steht die Vermittlung von theoretischem Wissen im Vordergrund, später spielt die Praxis eine größere Rolle.
Bis Ende 2030 sollen bis zu 700 Mitarbeiter die Reskilling-Academy durchlaufen, derzeit sind schon gut 50 an Bord. “Mit den ersten Umschulungen haben wir bereits im März begonnen. Die Akzeptanz ist hoch und die Nachfrage von Seiten der Kollegen ist sogar größer, als ich das erwartet hätte”, erklärte Lindemann.
Spiel mit offenen Karten
Sie sagt, ihr sei es wichtig gewesen, beim Thema KI offen mit den Beschäftigten umzugehen. “Wir haben versucht, unsere Mitarbeiter früh beim Thema KI mitzunehmen und möglichst transparent bei unseren Plänen zu sein”, erklärte sie. “Geheimniskrämerei schürt nur Ängste unter den Beschäftigten.” (aa)
Wie halten es Profianleger mit Künstlicher Intelligenz?
In unserer neuesten Online-Umfrage wollen wir wissen, wie oft Sie als Profianleger KI in ihrem Arbeitsalltag einsetzen. Die genaue Fragestellung und die vier Antwortmöglichkeiten finden Sie auf der Startseite dieses Web-Portals - oder Sie kommen über diesen Direktlink zu Umfrage. Einfach HIER klicken. Die Umfrage benötigt nur einen Klick!



