Rockefeller-CEO über das größte Risiko für die USA
Rockefeller-Chef Greg Fleming hält die wachsende US-Staatsverschuldung für ein größeres Risiko als die Inflation. Steigende Zinskosten könnten den finanziellen Spielraum Washingtons einengen und zugleich die geldpolitische Flexibilität der US-Notenbank begrenzen

ECKPUNKTE:
• Greg Fleming sieht in der US-Staatsverschuldung ein größeres Risiko als in der Inflation.
• Die Schulden nähern sich 40 Billionen US-Dollar, die jährlichen Defizite liegen bei mehr als fünf Prozent des BIP.
• 2025 überstiegen die Zinsausgaben des Bundes die Verteidigungsausgaben.
• Einen Börsengang von Rockefeller Capital Management schließt Fleming vorerst aus.
Die steigende Verschuldung der USA und der fehlende politische Wille zu ihrer Begrenzung bereiten Greg Fleming, Vorstandschef von Rockefeller Capital Management, größere Sorgen als der Inflationsdruck. Die hohe Schuldenlast könne die Finanzierungskosten weiter nach oben treiben und den Handlungsspielraum der Federal Reserve bei der Festlegung der Geldpolitik einschränken, sagte Fleming gegenüber Bloomberg.
Die US-Staatsschulden nähern sich inzwischen der Marke von 40 Billionen US-Dollar. Zugleich weist der Bundeshaushalt regelmäßig Defizite von mehr als fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf.

Quelle: Bloomberg
Allein 2025 zahlte die Regierung nach Angaben des Congressional Budget Office 970 Milliarden Dollar an Zinsen. Damit lagen die Finanzierungskosten über den Verteidigungsausgaben von 893 Milliarden Dollar und nur knapp unter den Medicare-Ausgaben von 988 Milliarden Dollar.
Herausforderung für neuen Fed-Chef
Fleming sieht darin auch eine zusätzliche Herausforderung für den neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh. Die wachsende Verschuldung treffe auf mögliche Produktivitätsgewinne durch künstliche Intelligenz und einen anhaltenden Energieschock. Zusammen ergebe sich daraus ein komplexes geldpolitisches Umfeld.
Privat statt Börse
Rockefeller Capital Management verwaltet nach Angaben Flemings mehr als 200 Milliarden Dollar und betreut überwiegend Familien mit mindestens 20 Millionen Dollar Anlagevermögen. Einen Börsengang plant das Unternehmen vorerst nicht. Die Eigentümer seien mit der privaten Struktur zufrieden, sagte Fleming.
Künstliche Intelligenz dürfte wiederum nach Einschätzung Flemings vor allem die Arbeit der Berater effizienter machen und den Personalbedarf dämpfen. Einen Ersatz für die persönliche Betreuung sieht er darin jedoch nicht. Gerade bei komplexen Familienvermögen bleibe der direkte Austausch mit den Kunden entscheidend. (hw)