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Rheinpegel: Niedrigster Stand seit 1880 wird zur Bedrohung

Der Rheinpegel fällt auf den niedrigsten Stand seit 1880 und bedroht damit den europäischen Handel. Das könnte Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit und das BIP-Wachstum haben.

Noch ist es beim Rhein nicht so weit, aber die Wassermenge sinkt von Tag zu Tag und stellt die Schifffahrt vor große Probleme. 
Noch ist es beim Rhein nicht so weit, aber die Wassermenge sinkt von Tag zu Tag und stellt die Schifffahrt vor große Probleme. © sawitreelyaon / stock.adobe.com

Eckpunkte:

  • Der Rheinpegel fällt auf den niedrigsten Stand seit 1880
  • Viele Güter und Rohstoffe sind bald nicht mehr transportierbar
  • Ausweichrouten sind teurer und führen zu höheren Preisen
  • Europäische Wettebewerbsfähigkeit sinkt damit nochmals

Der Wasserstand des Rheins ist infolge der anhaltenden Hitze und Trockenheit in Europa auf den niedrigsten Stand seit fast 150 Jahren gefallen. Damit drohen erhebliche Störungen auf einer der wichtigsten Transportrouten für Kohle, Kraftstoffe und Industriegüter in weiten Teilen des Kontinents. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.

Der Pegel in Kaub, einem entscheidenden Engpass für Schiffe auf dem Weg nach Süddeutschland und in die Schweiz, sank am Montag auf 24 Zentimeter. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880, wie aus Daten der deutschen Bundesbehörden hervorgeht, die von der ETH Zürich zusammengestellt wurden.

Engpässe bei den Lieferungen
Während die vierte Hitzewelle dieses Sommers in Westeuropa bis Anfang dieser Woche anhält, wächst das Risiko logistischer Engpässe auf dem rund 1.290 Kilometer langen Fluss, der von den Schweizer Alpen bis zur Nordsee verläuft.

Die sinkenden Pegelstände des Rheins haben die Frachtraten bereits deutlich steigen lassen, da Binnenschiffe ihre Ladung verringern müssen, um die flachen Fahrrinnen passieren zu können. Die Kosten für den Transport von Diesel von Rotterdam nach Karlsruhe – weiter flussaufwärts hinter dem viel beachteten Engpass bei Kaub – sind auf den höchsten Stand gestiegen, seit Bloomberg 2009 mit der Erhebung dieser Daten begonnen hat.

Der Rhein ist eine zentrale Transportader für Mineralölprodukte, Chemikalien, Kohle, Eisenerz, Getreide und Containerfracht. Ein Teil der Güter kann auf die Schiene verlagert werden. Ein Sprecher von DB Cargo erklärte vergangene Woche, das Unternehmen stehe in ständigem Austausch mit Kunden, die von den niedrigen Wasserständen betroffen seien.

Höhere Kosten = geringere Wettbewerbsfähigkeit
Doch selbst wenn Unternehmen alternative Transportwege finden, drohen die höheren Kosten die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie gegenüber Konkurrenten in Asien und Nordamerika weiter zu schwächen.

Das extreme Wetter lässt auch andere wichtige europäische Wasserstraßen austrocknen, darunter die Donau. Dadurch geraten Energiesysteme unter Druck und es kommt zu schweren Waldbränden.

Wird Strom zu Mangelware?
Die fortschreitend sinkenden Wasserstände führen auch zu einem Mangel an Kühlwasser für das ungarische Kernkraftwerk Paks. Wegen des niedrigen Pegels musste die Anlage erstmals in ihrer 44-jährigen Geschichte vollständig abgeschaltet werden. Dadurch fallen 40% der Stromerzeugungskapazität des Landes weg, sodass die Regierung ihre Stromimporte erhöhen muss.

Historische Pegeldaten zeigen, dass die Donau ihren jährlichen Tiefstand gewöhnlich im August oder September erreicht, sagte Laszlo Nagy, stellvertretender Direktor des Kernkraftwerks Paks. Er ergänzte, dass nach einer Erholung der Wasserstände etwa eine weitere Woche benötigt werde, um die Reaktoren wieder hochzufahren. Damit dürfte Ungarn für mehrere Monate auf seine wichtigste einzelne Energieanlage verzichten müssen.

In Rumänien ergriff die Marine eine beispiellose Maßnahme, um den Wasserzufluss zum einzigen Kernkraftwerk des Landes zu erhöhen: Sie sprengte eine Felsformation in der Donau. (aa)

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