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Platin abgezweigt? Edelmetallverarbeiter unter Betrugsverdacht

Bei der deutschen Heraeus wird dieser Tage an der Aufklärung von verschwundenem Edelmetall gearbeitet. Die geschädigte Gegenpartei wird jedenfalls entschädigt, die verantwortlichen Mitarbeiter wurden sanktioniert.

© Olivier Le Moal / stock.adobe.com

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main ermittelt gegen den Edelmetallverarbeiter Heraeus wegen mutmaßlicher Unterschlagung und gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs. Um Risiken abzudecken, stellte das Unternehmen knapp 458 Millionen Euro zurück. Darüber berichtet Bloomberg News.

Wie die Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte, wird gegen 16 Beschuldigte ermittelt. Es bestehe der Verdacht, dass aus Material, das Kunden angeliefert hatten, in der Edelmetallrecyclingsparte unrechtmäßig Substanzen entnommen worden seien. Die mutmaßlichen Taten sollen sich zwischen 2015 und 2025 ereignet haben. Heraeus habe den Sachverhalt selbst gegenüber der Staatsanwaltschaft offengelegt, die im Juni mit den Ermittlungen begann, schreibt Bloomberg des Weiteren.

Zur Einordnung: Heraeus zählt zu den größten deutschen Unternehmen im Privatbesitz und ist einer der weltweit größten Edelmetallverarbeiter. Der Konzern ist global tätig, unter anderem mit einem Handels-Drehkreuz in New York, einer Raffinerie in der Schweiz sowie einer Recyclinganlage für Platin, Palladium und Rhodium im hessischen Hanau.

Die familiengeführte Heraeus-Gruppe ist in mehreren Geschäftsfeldern aktiv und beschäftigt rund 15.000 Mitarbeiter in mehr als 40 Ländern. Im Jahr 2024 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 29,4 Milliarden Euro.

"Unregelmäßigkeiten" beim Platin-Recycling?
Am Hanauer Recyclingstandort für Metalle der Platingruppe seien “Unregelmäßigkeiten” festgestellt worden, erklärte das Unternehmen in seinem Geschäftsbericht 2024.

Eine von Heraeus beauftragte externe Kanzlei habe Abweichungen in den Edelmetallbeständen festgestellt. Der Konzern gehe davon aus, dass ein signifikanter Teil der dabei festgestellten Mehrbestände den Kunden gehöre.

Heraeus buchte zum Jahresende 2024 Rückstellungen in Höhe von 457,7 Millionen Euro für damit verbundene Risiken und erklärte, es seien bereits “umfangreiche Veränderungen auf Personal- und Organisationsebene” umgesetzt worden. Zudem habe man die betroffenen Kunden kontaktiert.

Professionelle Aufarbeitung
Der südafrikanische Bergbaukonzern Northam Platinum erklärte im August, er habe sich mit Heraeus gütlich geeinigt, um Raffinationsergebnisse über einen Zeitraum von rund zehn Jahren zu bereinigen. Heraeus zahlte daraufhin 66 Millionen Dollar an Northam.

“Während des gesamten Prozesses haben wir transparent gehandelt und die zuständigen Behörden proaktiv informiert. Wir kooperieren vollumfänglich mit ihnen und begrüßen eine weitere Klärung des Sachverhalts”, sagte ein Sprecher von Heraeus. “Personelle Konsequenzen wurden gezogen, und weitere Maßnahmen zur Vermeidung einer Wiederholung wurden eingeleitet.” (aa)

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