Logo von Institutional Money
| Vermischtes

Parodoxon: Banken erwarten trotz KI höheren Personalbedarf

Manager aus der europäischen Finanzindustrie rechnen trotz Künstlicher Intelligenz - und deren Einsparpotenzial auf Personalebene - mit einem höheren Personalbedarf.

© Papisut / stock.adobe.com/KI-generiert

Eckpunkte:

  • Europas Finanzbranche wird personell wachsen
  • Die Zusammensetzung der Belegschaft wird sich dabei strukturell ändern

Mehr Personal
Der Aufstieg der Künstlichen Intelligenz (KI) schürt Ängste vor massiven Stellenstreichungen in der Finanzbranche, doch Führungskräfte europäischer Banken rechnen in naher Zukunft nicht mit einer solchen Entwicklung. Das berichtet Bloomberg News.

Der KI-Ausbau europäischer Banken könnte in den kommenden drei Jahren zu einem Anstieg der Netto-Mitarbeiterzahl um durchschnittlich vier Prozent führen. Dies geht aus einer Umfrage von Bloomberg Intelligence unter Führungskräften von 57 globalen Banken hervor. Der Zuwachs spiegelt die Bemühungen der Institute wider, IT- und Daten-Fachkräfte einzustellen, um die Technologie flächendeckend einzusetzen.

Jobs mit repetitiven Tätigkeiten haben wenig Zukunft
Stellenstreichungen dürften sich laut dem Bericht “auf routinemäßige, operativ geprägte Aufgaben konzentrieren”, wobei Positionen in Callcentern und im Middle-Office dem unmittelbarsten Risiko ausgesetzt sind. Rollen im Handel, in der Risikomodellierung oder in der Analyse gelten vorerst als sicherer.

Die Ergebnisse der Umfrage dienen als Realitätscheck für diejenigen, die auf schnelle und umfassende Kosteneinsparungen durch KI-gestützte Umstrukturierungen setzen. Sie deuten darauf hin, dass den 2,7 Millionen Beschäftigten im europäischen Finanzsektor Massenentlassungen zumindest vorerst erspart bleiben. Die Zusammensetzung der Belegschaft wird sich eher wandeln als schrumpfen, auch wenn Unternehmen wie HSBC und ABN Amro mehrjährige Anpassungen erwägen.

KI sorgt im Best Case für mehr Produktivität und höhere Gewinne
Trotz dieser pragmatischen Erwartungen gehen die befragten Führungskräfte davon aus, dass die Einführung von KI bis 2028 zu einer Ertragssteigerung von sechs Prozent und einem Gewinnplus von acht Prozent gegenüber den Konsensschätzungen für die 45 größten europäischen Banken führen wird.

Dies sei wahrscheinlich eher eine “Obergrenze als ein Basisszenario, angesichts der dünnen Beweislage, der ungleichmäßigen Einführung und der historisch schwachen Bilanz der Banken bei der Umwandlung von Technologieausgaben in Produktivitätsgewinne”, so Tomasz Noetzel, Senior Analyst bei Bloomberg Intelligence.

Für die Bloomberg Intelligence-Umfrage wurden im September und Oktober 2025 leitende Angestellte von Banken mit mehr als 5.000 Vollzeitbeschäftigten über einen Online-Fragebogen befragt. Die Teilnehmer gaben an, über fundierte Kenntnisse der Kostenbasis ihrer Banken sowie der aktuellen und künftigen KI-Pläne zu verfügen. (aa)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion