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Niedrigzinsumfeld fordert Tribut: AXA verkauft Pensionskasse

Der Versicherungsriese richtet seinen Geschäftsbereich Betriebliche Altersversorgung (bAV) neu aus und veräußert die Pro bAV Pensionskasse an die Frankfurter Leben-Gruppe. In Summe werden damit rund drei Milliarden Euro ausgelagert. Davon betroffen sind rund 260.000 Verträge.

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Dr. Patrick Dahmen, AXA: „Die Frankfurter Leben-Gruppe hat aufgrund ihres grundsätzlich anders gelagerten Geschäftsmodells die Möglichkeit, ein niedrigeres Kostenniveau für ihre Kunden zu erzielen.“
© AXA

In Deutschland findet erneut eine Art „Run off“ statt: Die AXA hat eine Vereinbarung geschlossen, mit der ein Teil des betrieblichen Vorsorge-Bestandes – konkret die Pro bAV Pensionskasse AG – an die Frankfurter Leben-Gruppe veräußert wird. Mit diesem Schritt will die Assekuranz ihren Geschäftsbereich Betriebliche Altersversorgung (bAV) neu ausrichten und sich fortan auf das Direkt- und Rückdeckungsversicherungsgeschäft konzentrieren.

Die Übertragung umfasst in Summe etwa sechs Prozent des gesamten Bestands im Vorsorgebereich beziehungsweise rund 260.000 Einzelverträge und Kapitalanlagen in Höhe von knapp drei Milliarden Euro.

In den vergangenen Jahren hat die Frankfurter Leben-Gruppe bereits mehrere vergleichbare Bestände anderer Versicherer übernommen und verwaltet sie laut AXA „seither erfolgreich und professionell“. Die Frankfurter Leben gehört zur chinesischen Fosun-Gruppe und hat bereits einige Bestände migriert.

Laut AXA soll die Frankfurter Leben-Gruppe alle Versicherungsverträge der Pro bAV Pensionskasse 1:1 mit unveränderten Garantien, Konditionen und Bedingungen fortführen. Die Frankfurter Leben habe hat verbindlich zugesagt, die Kosten der Pro bAV pro Vertrag und Jahr dauerhaft um mehr als 15 Prozent gegenüber dem Jahr 2016 zu senken. Die Veräußerung steht noch unter dem Vorbehalt der Prüfung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Mitarbeiter, die aktuell mit Aufgaben rund um die Pro bAV Pensionskasse betraut sind, würden auch künftig im AXA Konzern weiterbeschäftigt. Sie werden die Pro bAV-Bestände vorerst fortführen und nach erfolgter Migration andere Aufgaben übernehmen.

Niedrige Zinsen sind Gift
Veränderungen im Markt und im regulatorischen Umfeld führten laut AXA zu stark schrumpfendem Neugeschäft und abnehmenden Beständen bei der Pro bAV Pensionskasse. Ohne die Kostenbegrenzung der Frankfurter Leben-Gruppe bestünde die Gefahr, dass die Stückkosten pro Vertrag ansteigen und damit die Rendite für die Kunden sinkt. Als vergleichsweise „junge“ Gesellschaft musste die Pro bAV ihre Überschussbeteiligung im anhaltenden Niedrigzinsumfeld schon deutlich reduzieren. Gegenüber anderen Produkten hat die Pensionskasse insbesondere im Neugeschäft so deutlich an Attraktivität verloren.

„Für Kunden sind zwei Faktoren ausschlaggebend: die Rendite ihrer Anlage und die Sicherheit ihrer Altersversorgung. Wir haben dafür Sorge getragen, dass beides gewährleistet ist und sind daher davon überzeugt, dass dieser Schritt auch zum Wohle unserer Kunden ist“, erklärt Dr. Patrick Dahmen, im Vorstand der AXA Konzern AG verantwortlich für das Vorsorgegeschäft. „Die Frankfurter Leben-Gruppe hat aufgrund ihres grundsätzlich anders gelagerten Geschäftsmodells die Möglichkeit, ein niedrigeres Kostenniveau für ihre Kunden zu erzielen.“

AXA ist nur Ballast losgeworden
Wie die Gesellschaft in betont, bleibe in allen anderen Durchführungswegen die betriebliche Altersversorgung ein wesentlicher strategischer Schwerpunkt. Die Gesellschaft reduziere durch die Übertragung maßgeblich Komplexität und optimiere den Einsatz von Managementkapazitäten sowie Kapital.

„AXA steht hundertprozentig zur privaten und betrieblichen Altersversorgung. Wir sind von den Marktchancen in diesem Bereich überzeugt und haben noch viel vor. Die Pro bAV Pensionskasse ist ein Sonderfall. Mit ihrer Veräußerung an die Frankfurter Leben-Gruppe können wir uns stärker fokussieren und uns operativ auch so aufstellen, dass wir unser Vorsorgegeschäft mit Nachdruck vorantreiben und noch stärker wachsen“, erläutert Dr. Alexander Vollert (Bild links), Vorsitzender des Vorstands der AXA Konzern AG, den strategischen Hintergrund.

Handlungsbedarf bei kleinem Sonderbestand
Für einen kleinen weiteren Bestand – die Größenordnung bewegt sich im Promillebereich gemessen am Vorsorge-Gesamtbestand – hat der externe Partner, der diesen Bestand bislang verwaltet, den Dienstleistungsvertrag mit Wirkung zum 31.12.2018 gekündigt. Bei dem Bestand handelt es sich im Wesentlichen um ehemals von der DBV-Winterthur Lebensversicherung abgeschlossene, fondsgebundene Versicherungsprodukte. Eine in diesem Fall hochkomplexe IT-Migration wäre im eigenen Haus aus Kapazitätsgründen bis zum Ablauf der Kündigungsfrist nicht abzuschließen. AXA strebt daher für diesen Sonderbestand eine Vereinbarung zur Übernahme durch einen externen Partner an. Eine finale Vereinbarung liegt noch nicht vor. (aa)


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