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Nächste Volksbank will unter Rettungsschirm, stellt Chef frei

Die Volksbank Brawo hat ihren Vorstandschef Jürgen Brinkmann mit sofortiger Wirkung freigestellt und wendet sich nun vorsorglich um Hilfe an den Genossenschaftssektor. Dieser Schritt soll die Neuausrichtung der Gruppe erleichtern.

© ra2 studio / stock.adobe.com

Eckpunkte:

  • Führungswechsel bei der Volksbank Brawo
  • Institut will sich neu ausrichten

Der Aufsichtsrat der Volksbank Brawo hat den Vorstandschef Jürgen Brinkmann mit sofortiger Wirkung freigestellt. Außerdem will das Institut unter den Rettungsschirm der deutschen Genobanken schlüpfen. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf Unternehmensangaben.

Grund für die Trennung von Brinkmann “sind unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung der Unternehmensgruppe”, hieß es in einer Mitteilung am Dienstagvormittag.

Ruf nach Hilfe
Der Vorstand plant darüber hinaus, dem Aufsichtsrat vorschlagen, vorsorglich bei der Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) einen Antrag auf Deckungsmaßnahmen zu stellen.

Zwar erfülle die Bank die harten Kapital- und Liquiditätsanforderungen. Der Vorstand halte den Antrag jedoch für hilfreich, um die Neuausrichtung der Gruppe zu erleichtern, hieß es. Es bestehe grundsätzliche Einigkeit mit der Sicherungseinrichtung über die erforderlichen Maßnahmen.

Über ihre gemeinsame Sicherungseinrichtung versprechen die deutschen Genobanken, sich in Krisen gegenseitig zu stützen. In Schieflage geratene Banken werden oft mit Nachbarinstituten fusioniert und problematische Kredite, Immobilien oder auch Beteiligungen wandern an die Bad Bank des Sektors.

In den vergangenen rund zwei Jahren musste mindestens eine Handvoll von Genobanken von der Sicherungseinrichtung gestützt werden, darunter die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden, die Volksbank Dortmund-Nordwest und die Raiffeisenbank im Hochtaunus. In vielen Fällen handelt es sich um relativ kleine Institute, die sich mit Immobilien verspekuliert hatten.

BVR-Präsidentin Marija Kolak hatte Anfang des Jahres in einem Bloomberg-Interview gesagt, kriselnde Banken sollen schneller und effektiver begleitet werden. Eingriffsrechte der Sicherungseinrichtung sollen gestärkt, bestimmte Banken unter Umständen mit höheren Beiträgen belegt und Institute zügiger aus der Geno-Solidargemeinschaft herausgelöst werden können.

Große Gruppe
Die Brawo-Gruppe ist laut Bloomberg eine komplexe Unternehmung, die unter ihrem Dach gleich 404 Tochter- und Enkelgesellschaften vereint. Immobiliengeschäft, Projektsteuerung, Private Banking und ökologisch wertvolle Energiegewinnung würden das klassische Bankgeschäft ergänzen, zeigt die Webseite der Brawo-Gruppe.

Bei der Volksbank Brawo wird vorerst Lars Berkefeld als Vorstandssprecher die Führung übernehmen, unterstützt von Carsten Ueberschär als Vorstand.

“Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir als Volksbank Brawo die aus Wertberichtigungen resultierenden Risiken aus eigener Kraft abbauen können“, sagte Berkefeld. “Als Vorstand haben wir uns in enger Abstimmung mit dem Aufsichtsrat und der Sicherungseinrichtung des BVR aber dazu entschieden, entschlossen zu handeln.” Die bisherige Geschäftsstrategie der Brawo-Gruppe solle einer kritischen Prüfung unterzogen werden. (aa)

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