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Münchner Start-Up könnte "historische Chance" bieten

Die Gelder von Google, RWE, KfW und anderen Investoren heben die Marktbewertung der Münchner Kernfusions-Firma Proxima Fusion auf mehr als zwei Milliarden Euro. Falls dieses Unternehmen reüssieren sollte, könnte dies die Energieversorgung Deutschlands und Europas stark verbessern.

© Kittiphat / stock.adobe.com

Eckpunkte:

  • Die Gelder mehrere Großanleger heben die Kernfusions-Firma Proxima Fusion auf eine Bewertung von mehr als zwei Milliarden Euro
  • Das wird als "historische Chance für Deutschland und für Europa" gesehen
  • Investoren könnte damit eine neue Gelegenheit erwachsen

Das Münchener Kernfusions-Startup Proxima Fusion hat 411 Millionen Euro von Investoren wie RWE, Google und zwei Quant Tradern eingesammelt. Mit dem Geld will das Unternehmen ein Kernfusionskraftwerk entwickeln, das in den 2030er-Jahren in Betrieb gehen soll. Die Finanzierungsrunde bewerte das drei Jahre alte Unternehmen mit 2,4 Milliarden Euro, teilte Proxima Fusion am Dienstag mit. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.

"Alpha" soll zwei Milliarden Euro kosten
Die Finanzierung ist ein zentraler Baustein der Pläne des Startups, eine Energieanlage auf dem Gelände eines stillgelegten Atomkraftwerks von RWE in Bayern zu errichten. Im Februar hatte Proxima Fusion angekündigt, dass der ”Demonstrator” für diese Anlage mit dem Namen Alpha rund 2 Milliarden Euro kosten werde. Das Unternehmen will ein Fünftel der Kosten übernehmen, der Freistaat Bayern hat einen gleich hohen Beitrag zugesagt.

"...historische Chance für Deutschland und für Europa"
Francesco Sciortino, Vorstandschef von Proxima Fusion, sagte, das Münchner Startup rechne damit, dass der verbleibende Finanzierungsbedarf von der Bundesregierung und der Europäischen Union gedeckt werde. “Wir haben getan, was wir versprochen haben”, sagte er in einem Interview. “Offensichtlich halten wir das für eine historische Chance für Deutschland und für Europa.”

Deutschlands hatte 2011 in Folge der Fukushima-Katastrophe entschieden, aus der Kernenergie auszusteigen. Im Jahr 2023 wurden die letzten deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet.

Diese Entscheidung ist zuletzt verstärkt von europäischen Entscheidungsträgern kritisiert worden. Hintergrund sind die Bemühungen des Kontinents, Klimaneutralität zu erreichen und die Abhängigkeit von fossilen russischen Brennstoffen zu beenden.

Experimentelle Technologie
Kernfusion soll ähnliche Prozesse wie die in der Sonne ablaufenden nutzen, um emissionsfrei große Mengen an Strom zu produzieren. Allerdings ist die Kernfusion noch eine experimentelle Technologie, es gibt zur Zeit keine kommerziell betriebenen Kernfusionskraftwerke.

Proxima Fusion gehört zu mehreren Unternehmen, die sich auf die Entwicklung von Kernfusionsenergie fokussieren, die im Gegensatz zur Kernspaltung keine Gefahren wie radioaktive Verschmutzung der Umwelt durch Störfälle oder Abfälle birgt.

Nächste Investmentstory voraus
Das Interesse an der Kernfusion nimmt sowohl bei Investoren als auch bei börsennotierten Unternehmen zu, insbesondere da Technologiekonzerne weltweit nach zusätzlicher Energie für den Betrieb ihrer Infrastruktur für künstliche Intelligenz Ausschau halten. Im Jahr 2025 vereinbarte Google den Bezug von 200 Megawatt an Strom von Commonwealth Fusion Systems, einem US-Startup für Kernfusion, das Google finanziell unterstützt hat.

Prominente Investoren
Der Internetkonzern beteiligte sich auch als strategischer Investor an Proxima Fusion. Konkrete Pläne im Zusammenhang mit Rechenzentren gebe es jedoch nicht, sagte Sciortino. Zur Höhe der Investitionen von Google machte er keine Angaben. RWE investierte 25 Millionen Euro, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung am Dienstag erklärte.

Rund 150 Millionen Euro der jüngsten Finanzierungsrunde stammten nach seinen Angaben von den beiden Hauptinvestoren XTX Ventures, dem Investmentarm des algorithmischen Handelsunternehmens XTX Markets, sowie dem Londoner Investor East X Ventures. Bestehende Investoren steuerten einen ähnlich hohen Betrag bei.

Zuletzt hatte Proxima Fusion 2025 in einer Finanzierungsrunde 130 Millionen Euro eingenommen. Nach Angaben des Unternehmens beläuft sich das bislang eingeworbene Kapital einschließlich 95 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln auf mehr als 650 Millionen Euro. An der neuen Finanzierungsrunde beteiligten sich außerdem die staatliche Förderbank KfW und der EIC Fund der Europäischen Union. Mehr als 90 Prozent der Investoren stammen nach Unternehmensangaben aus Europa.

Über die Strategie von Proxima Fusion
Die Technologie von Proxima Fusion basiert auf einem sogenannten Stellarator, einer verdrehten torusförmigen Kammer. In dem ähnlich einem Donut geformten Raum wird mithilfe starker Magnetfelder ein extrem heißes Gas - das Plasma - eingeschlossen, um Kernfusionsreaktionen zu ermöglichen. Damit verfolgt das Unternehmen einen anderen Ansatz als das seit der Sowjetzeit entwickelte so genannte Tokamak-Konzept oder neuere Verfahren auf Laserbasis. Sciortino zufolge sorgt der Proxima-Ansatz für eine stabilere und disruptionsfreiere Energieversorgung.

Mit der jüngsten Finanzierungsrunde bezeichnet sich Proxima Fusion, das Standorte in München, Zürich und Oxford unterhält, als das “bestfinanzierte” Kernfusionsunternehmen Europas. Das Unternehmen verfügt jedoch über weniger Kapital als US-Wettbewerber wie Commonwealth Fusion Systems, das von Investoren einschließlich Google fast drei Milliarden Dollar eingeworben hat, oder Helion Energy, ein von Sam Altman unterstütztes Startup.

Sciortino verwies jedoch darauf, dass diese Unternehmen viele Jahre vor Proxima Fusion gegründet worden seien. “Wir sind schneller als alle anderen”, sagte er. “Und die Europäer sollten das ausnahmsweise einmal feiern.” (aa)

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