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Milliardenschweres Versorgungswerk unter Druck

Ein bekanntes Versorgungswerk für Zahnärzte im Norden Deutschlands hat rund die Hälfte seines Anlagevermögens aufgrund nicht aufgegangener Investments verloren. Dessen Mitglieder sind alarmiert, denn es drohen Kürzungen bei den Leistungen. Im Worst Case verliert diese Region ihre jungen Zahnärzte.

© canbedone / stock.adobe.com

Das VZB, das Versorgungswerk der Zahnärzte aus Berlin, Brandenburg und Bremen, hat bei vielen seiner Kapitalanlagen der vergangenen Jahre kein gutes Händchen gehabt. Die mittlerweile nicht mehr in der Verantwortung stehenden Ex-Manager investierten aufgrund nicht mehr auskömmlicher Renditen am Rentenmarkt in der Niedrigzinsära in diverse Unternehmen, die sich leider nicht wie erhofft entwickelten und zum Teil mittlerweile Pleite gingen.

Nach aktuellen Berichten droht dem Werk ein Verlust von bis zu 1,4 Milliarden Euro. Dies entspricht mehr als der Hälfte des ursprünglichen Anlagevermögens von 2,2 Milliarden Euro. Betroffen sind rund 11.000 aktive Beitragszahler sowie 3.500 Rentner, denen bereits jetzt Kürzungen ihrer Bezüge um 10 bis 20 Prozent in Aussicht gestellt wurden, wie diversen Fachmedien zu entnehmen ist.

Die Ursache des Desasters liegt in einer über Jahre praktizierten, hochriskanten Anlagestrategie, die laut Angaben des neuen VZB-Vorstands, der das Versorgungswerk nun wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen will, massiv gegen gesetzliche und interne Richtlinien verstieß. So sollen in der Vergangenheit viele Investments nicht korrekt bewertet und damit Verluste verschleiert worden sein. Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft ermittelt Medienberichten zufolge seit Ende 2024/Anfang 2025 gegen ehemalige Gremienmitglieder wegen des Verdachts der Vorteilsnahme, Bestechlichkeit und Untreue.

Wagniskapital wurde seinem Namen gereicht
Das VZB investierte in diverse Start-up-Beteilungen respektive in Venture Capital, die zum Teil Konkurs anmelden mussten. Erst im Nachhinein wurde erkannt, dass viele der Technologie-Start-ups nicht für die Risikostruktur eines Altersversorgungswerks geeignet sind.
Beispiele dafür sind die Unternehmen Element Insurance oder Planet Earth (Kalifornien), wie des Weiteren eine gescheiterte Garnelenzucht in Deutschland.

Aber auch im Immobiliensegment kam es zu Verlusten. Medien nannten exemplarisch Luxus-Resorts und Hotels auf Ibiza und Sardinien, die enttäuschten. Allein ein Hotel auf Ibiza musste innerhalb kurzer Zeit um mehr als 60 Millionen Euro abgewertet werden.

Kostspielig wurde dem VZB auch die Beteiligung an EV Digital Invest (Engel & Völkers Ableger): Das VZB hielt große Anteile an Ablegern wie EV Venture Management und EV Work Edition. Nachdem das VZB im Sommer 2025 weitere Zahlungen einstellen musste, meldeten diese Firmen Insolvenz an.

Teuer kam dem VZB des Weiteren die Signa-Gruppe: Das VZB war Medienberichten zufolge als Projektpartner in das inzwischen kollabierte Imperium von René Benko involviert.

Rufe nach der Politik und öffentlichen Geldern
Angesichts des drohenden „Systemkollapses“ fordert die Ärzte-Initiative „WEU. WirEngagierenUns“ ein Eingreifen des Bundes und die Einrichtung eines Sondervermögens. Denn im Worst Case könnten junge Zahnärzte Berlin und die benachbarten Bundesländer verlassen, wenn ihr Versorgungswerk nicht genug Gelder für einen guten Lebensabend erwirtschaften sollte.

Die Berliner Senatsverwaltung als Aufsichtsbehörde steht massiv in der Kritik, die Fehlentwicklungen jahrelang übersehen zu haben. Der Fall dürfte die Debatte um eine verschärfte Aufsicht und strengere Anlagerichtlinien für Versorgungswerke bundesweit neu entfachen.

Unter Experten gilt dieser Fall bereits jetzt als eines der größten Aufsichts- und Managementversagen in der Geschichte der deutschen Versorgungswerke. (aa)

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