Machtkampf um PSD-Fusion: Neuer Player wirbelt alles durcheinander
Im Genossenschaftssektor bahnt sich ein Konflikt an: Während BBBank und PSD Bank Hessen-Thüringen an ihrer Fusion festhalten, bringt sich nun überraschend ein weiterer Player ins Spiel – und stellt das Vorhaben infrage.

Eckpunkte:
- Die Fusion von BBBank und PSD Bank Hessen-Thüringen könnte in Frage gestellt werden
- Die PSD Bank Nürnberg bringt sich ins Spiel
Im deutschen Genossenschaftssektor gibt es Streit um die PSD Bank Hessen-Thüringen. Diese befindet sich seit Monaten in Gesprächen über einen Zusammenschluss mit der BBBank. Doch jetzt grätscht die PSD Bank Nürnberg in das Vorhaben.
Die PSD Bank Nürnberg lade die PSD Bank Hessen-Thüringen "zu konkreten Gesprächen über eine mögliche gemeinsame Fusion ein", teilten die Bayern am Montag (23.3.) überraschend mit. Sie sehen nach eigenen Angaben bei einer Transaktion innerhalb der Gruppe an PSD Banken "erhebliche wirtschaftliche, strategische und kulturelle Vorteile".
BBBank und Hessen-Thüringen halten an Plänen fest
Im Oktober war bekannt geworden, dass die BBBank und die PSD Bank Hessen-Thüringen einen Zusammenschluss planen. Und daran wollen die beiden Institute weiter festhalten.
"Die BBBank und die PSD Bank Hessen-Thüringen stellen gemeinsam klar: Unsere Gespräche über einen Zusammenschluss sind exklusiv, weit fortgeschritten und von einem sehr hohen Commitment der Mitarbeitenden und Betriebsräte geprägt", hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung nach der Offerte der PSD Bank Nürnberg.
Die PSD Banken bilden innerhalb der Genossenschaftsbanken eine eigene Bankengruppe mit rund einer Million Kunden. Ihre Ursprünge gehen bis ins 19. Jahrhundert zurück, als Generalpostmeister Heinrich von Stephan einen Erlass zur Gründung von "Spar- und Vorschussvereinen" unterzeichnete.
BBBank setzt auf Wachstum durch Fusionen
Die BBBank, mit einer Bilanzsumme von zuletzt mehr als 22 Milliarden Euro eine der größten Geno-Primärbanken, hat sich bereits mit der PSD Bank Berlin-Brandenburg zusammengeschlossen. BBBank-Chef Oliver Lüsch hatte vor wenigen Wochen die Strategie seines Hauses deutlich gemacht. "Um Marktanteile zu gewinnen, verfolgen wir zwei strategische Optionen: organisches und anorganisches Wachstum. Wenn man beides kombiniert, verspricht das den größten Erfolg", sagte er damals.
Zu Wochenbeginn betonte die BBBank, dass es weiterhin das Ziel gebe, eine Beschäftigungs- und Standortgarantie bis mindestens Ende 2034 zu vereinbaren. "Uns verbindet die gemeinsame genossenschaftliche DNA, ein ausgeprägtes Werteverständnis, die regionale Ergänzung im Rhein-Main-Gebiet und der ökonomische Fit", so die BBBank und die PSD Bank Hessen-Thüringen in ihrer Stellungnahme.
Nürnberg betont Vorteile einer PSD-internen Lösung
Die PSD Bank Nürnberg wiederum betonte mögliche Vorteile bei einer Fusion innerhalb der PSD Banken. Dazu zählen nach Angaben des Instituts "geringere Integrationskomplexität und -kosten, schnellere Realisierbarkeit von Synergien und vor allem der Erhalt unserer gewachsenen Identität als PSD Banken". (mb/Bloomberg)