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Kursverfall schrumpft Research-Budgets der Asset Manager

Der Corona-Crash ließ das verwaltete Vermögen vieler Fondsgesellschaften schwinden. Um geringere Einnahmen auszugleichen, kappen sie die Kosten – und sparen damit auch bei Analysen, meint ein Branchenkenner.

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© wutzkoh / stock.adobe.com

Einzelne Fondsgesellschaften könnten ihre Ausgaben für Research um bis zu 90 Prozent kürzen. Dies sagt der Branchenkenner Neil Scarth vom Analysehaus Frost Consulting dem Nachrichtendienst "Financial News". Grund für die Maßnahme sei der Einbruch an den Weltbörsen im Zuge der Covid-19-Pandemie. Dieser dezimierte das von den Fondsgesellschaften verwaltete Vermögen und schmälerte die Einnahmen. "Die Budgets waren schon vor Covid um bis zu 75 Prozent geschrumpft", sagte Scarth. "Wenn die Märkte erneut Tiefstände erreichen, wird die Profitabilität einiger Asset Manager stark beeinträchtigt."

Hintergrund für die Entwicklung ist eine Neuregelung der Ausgaben für Aktien-, Anleihen- und volkswirtschaftliche Studien externer Anbieter durch die Finanzmarktrichtlinie Mifid II. Mit den neuen Vorgaben beendeten die Regulierer die bisherige Praxis, wonach die Kosten für Research über die Handelsgebühren abgedeckt waren, die Investmentbanken und Broker den Fondsanbietern in Rechnung stellten. Diese beiden Posten müssen nun getrennt abgerechnet und bezahlt werden. Der Großteil der Vermögensverwalter hat sich dazu entschlossen, die Researchkosten aus eigener Tasche zu zahlen und nicht den Fondsvermögen und damit den Kunden anzulasten.

Sparen in der Baisse
Dies könnte dem Frost-Analysten Scarth zufolge nun dazu führen, dass europäische Asset Manager die Research-Ausgaben in der Baisse kürzen, um die geringeren Gebühreneinnahmen zu kompensieren. In den USA wiederum gelten noch die alten Strukturen: Nach der dortigen Systematik steigen die Analyse-Budgets, da Fondsmanager im Zuge der Turbulenzen mehr Wertpapiere handeln und den Brokern und Investmentbanken so höhere Gebühreneinnahmen zufließen. "Die Ironie daran ist, dass die Budgets für US- und europäische Asset Manager sich zyklisch entwickeln, aber in unterschiedliche Richtungen", sagte Scarth.

In der Branche waren immer wieder Stimmen laut geworden, die vor einem Austrocknen des Analyse-Marktes warnten. Zahlreiche Beobachter fürchteten, dass insbesondere Nebenwerte kaum mehr von Analysten beobachtet werden. Eine Umfrage von FONDS professionell von 2019 wiederum ergab, dass vor allem große Fondsgesellschaften erheblich weniger Research von Drittanbietern abnehmen. Im Gegenzug stockten die Vermögensverwalter das hauseigene Analysten-Team auf. (ert)

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