Krisen-Volksbank vertagt entscheidendes Treffen
Die Volksbank Brawo verschiebt ihre ursprünglich für Juli geplante Vertreterversammlung auf den Herbst. Damit dürfte sich auch die Klärung offener Fragen zur finanziellen Lage und möglichen Verlusten des Instituts weiter verzögern.
Eckpunkte:
- Die Brawo-Volksbank verschiebt die Vertreterversammlung auf Herbst
- Damit soll mehr Zeit für die Ausarbeitung von Restrukturierungsplänen zur Verfügung stehen
Die Volksbank Brawo, die eine Flucht unter den Rettungsschirm der deutschen Genossenschaftsbanken angekündigt hat, verschiebt ein wichtiges Treffen mit ihren Eigentümern. Damit bleiben Fragen zu möglichen Verlusten des Instituts wohl noch länger unbeantwortet. Die zuletzt für Juli angekündigte Vertreterversammlung soll nun erst im Herbst stattfinden, wie die Bank erklärte. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte am Dienstag (30.6.) als Erste über die Verschiebung berichtet.
Gut Ding braucht Weile
In einem Brief an Vertreter, der "Bloomberg News" vorliegt, heißt es, einige Vertreter hätten die Bitte geäußert, dass gemeinsam mit der Bilanzvorlage auch ein Plan zur Neuaufstellung der Bank vorgelegt werde. Die Bank sieht es als ihre "Verantwortung, einen verlässlichen und nachhaltig tragfähigen Abschluss zu liefern", heißt es in dem Schreiben. "Wir brauchen aber noch einige Wochen, um sicher zu gehen, für uns alle Fragen in der notwendigen Tiefe geklärt zu haben."
Die Vertreterversammlung, vor der Vorstand und Aufsichtsrat Rechenschaft über ihre Tätigkeit ablegen, stellt den Jahresabschluss fest und beschließt, wie er verwendet werden soll. Außerdem entscheidet sie über die Entlastung des Aufsichtsrates und des Vorstandes. Gewählt wird die Vertreterversammlung von den Mitgliedern der Bank.
Restrukturierung nach Führungswechsel
Der Aufsichtsrat der Volksbank Brawo hatte vor Kurzem den ehemaligen Bafin-Sonderbeauftragen Heiner Arnoldi zum Vorstand bestellt. Er soll die "erforderliche Restrukturierung vorantreiben und damit maßgeblich zur Sanierung beitragen", wie es hieß.
Einige Wochen zuvor war der damalige Vorstandschef Jürgen Brinkmann wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Ausrichtung der Brawo-Gruppe freigestellt worden. Damals hatte die Bank von Wertberichtigungen gesprochen. Diese stehen offenbar im Zusammenhang mit dem Immobiliengeschäft.
Die Brawo-Gruppe ist eine komplexe Unternehmung, die unter ihrem Dach rund 400 Tochter- und Enkelgesellschaften vereint. Jetzt soll die Gruppe neu ausgerichtet werden. Sie sprach von einer "Zäsur" in der Geschäftsstrategie nach dem Abgang von Brinkmann.
Geführt wird die Volksbank Brawo – neben Arnoldi – von Lars Berkefeld als Vorstandssprecher und Carsten Ueberschär. Geplant ist zudem die Einsetzung eines vierten Vorstands, wie es in dem jüngsten Schreiben an die Vertreter hieß. Ein konkreter Name wurde nicht genannt. (mb/Bloomberg)


