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Kölner Zinsrunde: Zwischen Awards und Portfoliostrategie

Institutionelle Investoren trafen sich zur traditionellen Kölner Zinsrunde im Rheinauhafen. Im Fokus: Marktstrategien, Regulierung und der "Transparente Bulle" für exzellentes Fondsreporting. Fachlich dicht, frei von PR-Rhetorik – ein Tag mit klaren Botschaften für anspruchsvolle Anleger.

Im Kranhaus 1 am Kölner Rheinauhafen fand die diesjährige Kölner Zinsrunde statt. Rund 70 Fachbesucher verfolgten ein kompaktes Tagesprogramm mit Beiträgen zur Kapitalmarktentwicklung, Portfolioallokation und Regulierung. Die Organisation lag bei Rödl & Partner. Moderiert wurde die Veranstaltung von Heinrich Wohlfart und Paul Weßling.

Ein zentraler Programmpunkt war die Verleihung des "Transparenten Bullen" in der Kategorie Investmentfonds. Der von der Transparency Lead vergebene Preis würdigt herausragendes Reporting und eine konsequente Offenlegungspraxis. Ziel ist, Investoren eine nachvollziehbare Einschätzung aktiver Strategien zu ermöglichen – in Bezug auf Ausschüttungen, Wertentwicklung und Risikosteuerung.

Angesprochen sind insbesondere institutionelle Investoren, die gegenüber Aufsicht und Stakeholdern Rechenschaft ablegen müssen. Ausgezeichnet wurden in alphabetischer Reihenfolge: Alte Hansestadt Lemgo, Bethmann Bank, BlackPoint Asset Management, Comgest Deutschland, Donner & Reuschel, DZ Privatbank, Hamburger Sparkasse, Landesverband Lippe, Ludwig-Maximilians-Universität München, Merck Finck, Reimann Investors Asset Management, Stadt Schmallenberg, Stadtwerke Amberg Holding sowie Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung.

Christian Jäcker und Hans-Dieter Meisberger von der DZ Privatbank rückten die Perspektive semiprofessioneller Anleger in den Fokus – mit Blick auf Ausschüttungen, Werterhalt und Erfüllung des satzungsgemäßen Zwecks. Im Zentrum stand die Frage, wie sich ordentliche Erträge kalkulieren und absichern lassen. Präsentiert wurden Zielstrukturen, die neben planbaren Cashflows auch eine belastbare Wertsicherungsstrategie bieten. Die Botschaft: Wer Verantwortung für Stiftungsvermögen trägt, braucht belastbare Konzepte – und Berichterstattung, die Vertrauen schafft.

Amin Obeidi von Merck Finck stellte Multi-Private-Markets-Strategien vor. Jenseits der bekannten Argumente – Renditepotenzial, Diversifikation, Illiquiditätsprämien – hob er vor allem die Strukturvorteile hervor. Private-Market-Vehikel lassen sich gezielt in ein bestehendes Portfolio integrieren und ermöglichen eine differenzierte Steuerung des Risiko-Exposures. Eine zunehmend gefragte Ergänzung, gerade in Phasen erhöhter Volatilität an öffentlichen Märkten.

Eduardo Mollo Cunha von Blackpoint Asset Management umriss die Grundprinzipien des hauseigenen Evolution Fund. Im Zentrum steht eine langfristige Investmentphilosophie, getragen von Qualitätsselektion und striktem Buy-and-Hold. Die Strategie verzichtet bewusst auf Timing und zyklisches Umschichten – und setzt stattdessen auf Beständigkeit, Transparenz und die Kraft des Zinseszinses über lange Laufzeiten.

Markus Steinbeis und Joachim Rädler von Steinbeis & Häcker thematisierten den Bruch mit den geldpolitischen und geopolitischen Mustern der letzten Dekaden. Ihrer Einschätzung zufolge befindet sich das globale Umfeld in einer Phase strukturell erhöhter Inflation, ausgelöst durch Rohstoffknappheit, Protektionismus und tektonische Verschiebungen in der Weltordnung. Die Phase des „Lower for Longer“ sei endgültig vorbei. Investoren müssten sich auf neue Zinsniveaus, veränderte Korrelationen und politische Risikoprämien einstellen. Im Fokus stehen rohstoffnahe Titel, Value-Aktien und Direktinvestments in reale Vermögenswerte.

Christian Conreder, Rödl & Partner, beleuchtete die jüngste Reform der Anlageverordnung. Die Änderungen schaffen erweiterten Spielraum für Infrastruktur- und Venture-Investments – insbesondere für Versicherungen und Versorgungseinrichtungen. Die Neuregelung verbessert nicht nur die Risikodifferenzierung, sondern trägt laut Conreder auch zur Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland bei. Gleichzeitig fördert sie gezielt Investitionen in nachhaltige Realwerte.

Christiane Löberbauer und Alexander Spreer von Reimann Investors präsentierten eine taktische Allokationslogik, bei der die Aktienquote aktiv gesteuert wird. Im Zentrum steht ein systematischer Prozess, der Marktphasen identifiziert und Allokationsentscheidungen datenbasiert trifft. Ziel ist, kurzfristige Chancen mit kontrollierten Risikopositionen zu verbinden – ohne in taktischen Aktionismus zu verfallen. Die Strategie setzt auf Transparenz, Replizierbarkeit und ein diszipliniertes Risikomanagement.

Am Abend klang die Veranstaltung bei hohen Temperaturen im Restaurant Joseph’s aus. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, die informelle Vertiefung der Diskussionen und ein gemeinsames Glas am Rheinufer rundeten den intensiven Fachtag ab. (hw)

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