Jetzt wird es ernst: Unicredit bereitet Kontrolle über Commerzbank vor
Nach den erwarteten aufsichtsrechtlichen Genehmigungen will die Unicredit ihre Strategie für die Commerzbank zügig umsetzen. Dafür schließt die italienische Großbank auch die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung nicht aus.
Die Unicredit rechnet damit, die Kontrolle über die Commerzbank in absehbarer Zeit zu übernehmen. Vorstandschef Andrea Orcel treibt damit den Abschluss einer der größten Bankenübernahmen Europas voran.
Die aufsichtsrechtlichen Genehmigungen für das Ergebnis des Übernahmeangebots, das vor einigen Wochen endete, könnten bereits im vierten Quartal vorliegen, teilte die Mailänder Bank am Donnerstag (23.7.) in einer Präsentation zu den Quartalszahlen mit.
Strategie soll rasch umgesetzt werden
Anschließend wolle die Unicredit "kurz danach" die Kontrolle über die Commerzbank übernehmen und mit der Umsetzung ihrer Strategiepläne beginnen. Falls erforderlich, werde das Institut dafür auch die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung prüfen.
Orcels Aktientauschangebot, das die Commerzbank auf Basis des Schlusskurses vom Mittwoch (22.7.) mit rund 43,6 Milliarden Euro bewertete, wurde von einer unerwartet hohen Zahl an Investoren angenommen. Nach Vorliegen aller regulatorischen Genehmigungen wird die Unicredit damit über nahezu 50 Prozent an der Commerzbank verfügen. Dieser Anteil dürfte es Orcel ermöglichen, auf Hauptversammlungen der Commerzbank eine Mehrheit zu erreichen. Dadurch könnte er unter anderem Veränderungen im Management durchsetzen.
Gespräche mit Berlin und Arbeitnehmervertretern
Wie "Bloomberg" berichtet hatte, hat die deutsche Bundesregierung, die rund zwölf Prozent an der Commerzbank hält, ihren bisherigen Widerstand gegen die Übernahme zuletzt abgeschwächt und bereitet sich inzwischen auf Gespräche mit der Unicredit vor.
Orcel hatte bereits Strategiepläne für die Commerzbank vorgestellt. Diese sehen unter anderem vor, das internationale Netzwerk der Bank zu verkleinern. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hatte erklärt, die Umsetzung dieser Pläne würde das Geschäftsmodell des Instituts beschädigen.
Die Unicredit kündigte in der Präsentation an, den "konstruktiven Dialog" mit der Bundesregierung und den Arbeitnehmervertretern der Commerzbank zu suchen. Ein mögliches Folgeangebot ("Cascade Offer") für die Minderheitsaktionäre der polnischen Commerzbank-Tochter M-Bank sei derzeit nicht geplant, teilte die Bank mit.
Quartalsgewinn über Erwartungen
Zudem legte die Unicredit am Donnerstag (23.7.) Quartalszahlen vor, die die Erwartungen der Analysten übertrafen. Der Nettogewinn stieg im zweiten Quartal auf 2,91 Milliarden Euro und lag damit über der durchschnittlichen "Bloomberg"-Analystenschätzung von 2,8 Milliarden Euro. Gleichzeitig hob die Bank ihre Gewinnprognose für das Gesamtjahr auf deutlich mehr als elf Milliarden Euro an, nachdem sie bislang von mindestens elf Milliarden Euro ausgegangen war.
Darüber hinaus erhöhte die Unicredit ihre mittelfristigen Gewinnziele – und zwar auch ohne eine vollständige Konsolidierung der Commerzbank. (mb/Bloomberg)