Jamie Dimon: "Werden mehr KI-Leute und weniger Banker verpflichten"
JP-Morgan-Chef Jamie Dimon rechnet durch den Einsatz künstlicher Intelligenz langfristig mit weniger klassischen Banker-Jobs. Gleichzeitig sollen neue Tätigkeiten entstehen – vor allem für KI-Spezialisten.

Eckpunkte:
- JP Morgan Chase setzt auf das Potenzial von Künstlicher Intelligenz
- Die US-Großbank wird in Folge mehr KI-Experten einstellen
JP Morgan wird laut Jamie Dimon mit der zunehmenden Verbreitung künstlicher Intelligenz voraussichtlich mehr KI-Spezialisten und weniger traditionelle Banker einstellen. "Ich denke, dass dies unsere Zahl an Arbeitsplätzen langfristig reduzieren wird", sagte der Konzernchef beim China Summit der Bank in Shanghai im Interview mit "Bloomberg TV". "Es wird ganz unterschiedliche Arten von Jobs geben, und ich denke, wir werden mehr KI-Leute und in bestimmten Bereichen weniger Banker einstellen – und das wird sie produktiver machen."
Banken setzen stärker auf Automatisierung
Dimons Aussagen unterstreichen einen breiteren Wandel der Branche hin zur Automatisierung, der die globale Finanzarbeitswelt verändert. Während sich KI an der Wall Street ausbreitet, versuchen Banken, ihre Produktivität zu steigern und Abläufe zu verschlanken, zugleich aber mögliche politische und gesellschaftliche Gegenreaktionen auf Stellenabbau zu bewältigen.
Im Gegensatz zu einigen anderen Bankchefs schlug Dimon einen zurückhaltenden Ton an. Er argumentierte, dass sich der KI-getriebene Wandel weitgehend über natürliche Fluktuation statt durch umfangreiche Entlassungen steuern lasse. Auch wenn KI inzwischen alle Beschäftigungsebenen verändert und sich über klassische Backoffice-Aufgaben hinaus auf höherwertige Funktionen ausweitet, werde die Technologie neue Rollen schaffen, insbesondere in kundenbezogenen Bereichen.
JP Morgan setzt auf Umschulung
Bei einer jährlichen Fluktuationsrate von rund zehn Prozent beziehungsweise etwa 25.000 bis 30.000 Abgängen pro Jahr verfüge JP Morgan über die Flexibilität, Mitarbeiter umzuschulen, intern neu einzusetzen oder Vorruhestandsprogramme anzubieten, sagte Dimon.
In diesem Monat hatte Standard-Chartered-Chef Bill Winters eine Debatte ausgelöst, als er sagte, die auf Schwellenländer fokussierte Bank ersetze "weniger wertvolles Humankapital" durch Technologie, um in den kommenden vier Jahren 8.000 Support-Stellen abzubauen. Zuvor hatte Goldman-Sachs-Präsident John Waldron traditionelle Backoffice-Abläufe als eine "menschliche Montagelinie" beschrieben, die sich für Automatisierung eigne.
Auch HSBC-Chef Georges Elhedery äußerte sich in diesem Monat zu dem Thema. Er warnte, dass KI bestimmte Rollen "zerstören" werde, während andere neu entstünden – und forderte Mitarbeiter auf, sich an den technologischen Wandel anzupassen statt sich ihm zu widersetzen. (mb/Bloomberg)



