Institutionelle verlassen Aberdeen
Aberdeen verlor im ersten Halbjahr vor allem im institutionellen Geschäft Kundengelder. Die Abflüsse trugen maßgeblich zum konzernweiten Minus von drei Milliarden Pfund bei und überwogen selbst die Rekordzuflüsse der Retailplattform Interactive Investor.

ECKPUNKTE:
- Nettoabflüsse von drei Milliarden Pfund im ersten Halbjahr
- Interactive Investor erzielt Rekordzuflüsse von 6,8 Milliarden Pfund
- Aberdeen-Aktie verliert zeitweise 7,4 Prozent
Die Halbjahreszahlen von Aberdeen sorgten an der Börse für Ernüchterung. Die Aktie fiel am Mittwoch in London zeitweise um 7,4 Prozent und damit so stark wie seit mehr als vier Monaten nicht mehr. Seit Jahresbeginn liegt der Titel dennoch rund 21 Prozent im Plus.
Konzernweit flossen netto drei Milliarden Pfund ab, wobei vor allem institutionelle Kunden Mittel abzogen. Damit setzte sich die Schwäche im traditionellen Investmentgeschäft fort, wie Bloomberg berichtet. Auch die Beratungssparte verzeichnete Abflüsse.
Einen Gegenpol bildete Interactive Investor: Die auf Privatinvestoren ausgerichtete Plattform sammelte im ersten Halbjahr netto 6,8 Milliarden Pfund ein und erzielte damit einen Rekord. Dank der positiven Marktentwicklung stieg das verwaltete und administrierte Vermögen des Konzerns trotz der Mittelabzüge um vier Prozent auf 579,4 Milliarden Pfund.
Schwieriger Spagat
Konzernchef Jason Windsor richtet Aberdeen seit seinem Amtsantritt 2024 stärker auf das Vermögensverwaltungsgeschäft aus. Gleichzeitig versucht er, die Beratungssparte neu aufzustellen und die seit Jahren von Abflüssen belastete Asset-Management-Einheit zu stabilisieren. Seit der Fusion von Standard Life und Aberdeen Asset Management im Jahr 2017 zogen Kunden bis Ende 2025 mehr als 150 Milliarden Pfund ab.
Windsor verweist auf Fortschritte bei Service und Angebot, räumt im Beratungsgeschäft aber weiteren Handlungsbedarf ein. Die jüngsten Zahlen zeigen laut dem Manager, dass die Retailstrategie greift – bislang jedoch nicht stark genug, um die Abflüsse im institutionellen Geschäft und die Schwäche anderer Konzernteile auszugleichen. (hw)