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Ingo Speich, Union Investment: „Nachhaltigkeit muss etwas bringen“

Der Leiter Nachhaltigkeit und Engagement von Union Investment erläuterte vor Investoren den hauseigenen ESG-Ansatz und erklärte, bei welchen Aktien die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit, insbesondere der Corporate Governance, den rechtzeitigen Verkauf vor Bekanntwerden negativer News erlaubte.

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Ingo Speich, Union Investment: "Nachhaltigkeit muss Investoren immer auch etwas auf der Ertragsseite bringen."

In wie weit sich Nachhaltigkeit bei Aktien-Engagements rechnet, können Sie den folgenden zwei Grafiken entnehmen:
© Union Investment

Anlässlich des zweiten „Nachhaltigkeitsforums“ in Wien von Union Investment hielt der Leiter Nachhaltigkeit und Engagement, Ingo Speich, einen Vortrag mit dem Titel „Wie können institutionelle Investoren zur Erreichung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) beitragen?“. Eine Möglichkeit dazu ist die Mandatierung von auf Nachhaltigkeit spezialisierten Asset Managern wie die Union Investment. Der Vermögensverwalter aus dem Genossenschaftslager ist bekannt für seine aktive Engagement und Aktionärspolitik. Ingo Speich kennt man in seiner Rolle als aktiver Treuhänder der anvertrauten Vermögen und als kritisch fragender Aktionär von vielen Hauptversammlungen.

Am Beginn seines Vortrages erinnerte Speich daran, dass Nachhaltigkeitsspezialisten und Vertreter des klassischen Vermögensmanagements oftmals unterschiedliche und Sichtweisen haben sowie unterschiedliche Terminologien verwenden und dass dies „ein grundlegendes Problem“ sei.

Vor diesem Hintergrund erläuterte Speich, wie bei Union Investment die ESG-Integration in das moderne Portfoliomanagement erfolgt. Dabei hilfreich sei die immer bessere Datenverfügbarkeit, die zusätzlich zur ESG-Berücksichtigung auch die stärkere Beachtung von Risiken, die aus kontrovers anzusehenden Geschäftspraktiken entstehen, erlaubt. Speich betonte, dass bei Union Investment inzwischen alle Analysten und Portfoliomanager durch entsprechende Schulungen ihre Nachhaltigkeits-Expertise erhöhen konnten.

Unterm Strich zählt nur das Ergebnis
Auch wenn Nachhaltigkeit ein hehres Ziel darstellt, dürfe jedoch eines niemals aus den Augen verloren werden, erinnerte Speich: „Nachhaltigkeit muss Investoren immer auch etwas auf der Ertragsseite etwas bringen.“ Und wenn Nachhaltigkeit schon keine Überrenditen bringe, müsse diese zumindest Risiken reduzieren und damit Investoren zumindest auf diese Weise Vorteile bringen.

Laut dem Union Investment-Mann führt die Implementierung von ESG-Kriterien in Verbindung mit dem Ausschluss von Aktien mit zu niedrigen ESG-Scores zu schwankungsärmeren Portfolios. Investoren könnten damit die Volatilität um zehn Prozent reduzieren, ohne auf Performance zu verzichten. Da dadurch Kennzahlen wie die Sharpe Ratio besser werden, würden vor allem Profianleger immer öfter auf Nachhaltigkeit setzen.

Hinzu kommt die Aussicht auf handfeste Performance-Vorteile. Anhand zweier Grafiken zeigte Speich, dass über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren weltweite Aktien mit hohen ESG-Score gegenüber dem MSCI World eine spürbare Outperformance aufwiesen. Aktien mit niedrigen ESG-Score würden hingegen klar underperformen – wie die beiden Grafiken oben in der Bilderstrecke eindrucksvoll belegen.

Risiken rechtzeitig erkannt
Die Vorteile von ESG-Investments kommen bei Union Investment auch jenen Investoren respektive Kunden zu Gute, die zum Beispiel aus regulatorischen Gründen keinen dezidierten ESG-Ansatz verfolgen können. Union Investment lancierte ein hauseigenes ESG-Komitee, das als „zentrale Institution im Portfoliomanagement für ESG-Integration“ auf Basis diverser Analysen und Quellen „auffällige“ und damit riskante Unternehmen auf eine hausinterne, „rote Liste“ setzen kann, um Manager klassischer Portefeuilles vom Kauf dieser Aktien oder Anleihen abzuhalten.

Als Beispiele nannte Speich die Aktien von VW, die aufgrund von Governance-Problemen derzeit nur wenig Gnade von seinen Augen finden. Auch das Rohstoffunternehmen Glencore landete auf der „roten Liste“. ESG-Analysen ergaben erhöhte Risiken für zukünftige Klagen gegen Glencore. Daher verkaufte Union Investment die Aktien. Zwei Wochen später wurde tatsächlich geklagt, die Aktien erlitten starke Kursverluste, die aber die Inhaber von Union Investment-Fonds nicht mehr trafen.

Speich betonte, dass bei ESG vor allem das „G“, also die Berücksichtigung von „Governance“ für rund zwei Drittel des Wertbeitrages eines ESG-Ansatzes stehe.

Stichwort Klagen: Union Investment tritt selbst als Treuhänder der anvertrauten Vermögen immer öfter als Kläger auf. Beispielsweise verklagte man die US-Großbank Wells Fargo aufgrund des Skandals um die „Phantomkonten“ und konnte in Summe erfolgreich Schadensersatzzahlungen in Höhe von rund 480 Millionen US-Dollar für alle anspruchsberechtigten Geschädigten erzwingen.

Laut dem Union Investment-Nachhaltigkeits-Chef flankieren Klageverfahren und „Class Action“ die ESG-Integration und würden in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen. Denn viele Unternehmen würden in ihren Geschäftsberichten und Lageberichten viele für (klagewilligen) Investoren wichtige Details nicht ausreichend publizieren und darstellen. (aa)

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