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IM-Investmentforum: Gewinnen, wenn andere nervös werden

Zum ersten "IM-Investmentforum" in Deutschland hatte die Redaktion von Institutional Money nach Frankfurt geladen. Über 20 institutionelle Investoren waren gekommen, um die Vorträge renommierter Referenten mitzuerleben.

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Die Besucher des "INVESTMENTFORUMS" von Institutional Money lauschten konzentriert den hochkarätigen Vortragenden.
 
© Instiutional Money

Mit Notenbanken, die sich durch auslaufende Anleihenkaufprogramme zusehends aus der monetären Stützung der Märkte zurückziehen, sowie den nach wie vor kaum abschätzbaren Folgen eines immer stärker um sich greifenden Handelskriegs weltweit sind gerade institutionelle Anleger zunehmend verunsichert in Bezug auf eine adäquate Reaktion auf diese ungewisse Gemengelage. Einige von ihnen haben deshalb bewusst das Mitte der vorigen Woche erstmals in Deutschland durchgeführte "Institutional Money Investmentforum" genutzt, um die Vorträge einer Reihe ausgewiesener Anlageexperten zu verfolgen. Mehr als 20 Vertreter großer Investoren waren der Einladung in die Veranstaltungsräume der Frankfurter Botschaft gefolgt.

Die Geldmenge als verlässlicher Rezessionsindikator
Unter der Überschrift "Es ist die Liquidität, nicht die Politik" machte Investment-Legende Dr. Jens Ehrhardt von der DJE AG den Auftakt zum Vortragsprogramm. Der renommierte Vermögensverwalter zeigte sich dabei trotz des inzwischen erreichten hohen Bewertungsniveaus nach wie vor optimistisch in Bezug auf die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten. Insgesamt bleibe der Trend bei Aktien aus seiner Sicht positiv. Dafür spreche nicht nur die nach wie vor aufwärts gerichtete Advance/Decline-Linie des amerikanischen Aktienmarkts. Der Indikator, der die Differenz zwischen der Anzahl gestiegener Aktien und gefallener Aktien in den USA misst, belege, dass nicht nur die großen Technologiewerte sondern auch viele kleinere Aktien in jüngster Zeit immer noch gestiegen seien. "Und solche Trends dauern meist länger als erwartet", gab sich Ehrhardt zuversichtlich.

Getreu seinem ehernen Credo betonte Ehrhardt, dass ein hohes oder niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten nach wie vor weniger entscheidend sei als etwa die monetäre Entwicklung. "Die Beobachtung der Geldmengenentwicklung in den USA ist sehr viel wichtiger als der Blick aufs KGV", so Ehrhardt. Dieses monetäre Aggregat sei aus seiner Sicht immer noch der beste Frühindikator, der in der Regel mit einem Zeitlichen Versatz von sechs Monaten auf eine eventuell bevorstehende Rezession hinweise. Auch die Zinsentwicklung sie heute von sehr viel größerer Bedeutung als in früheren Phasen. Ehrhardts Warnung: "Wenn die kurzfristigen Zinsen über das Niveua der Zinsen für langlaufende Anleihen steigen, wird es kritisch!" Bei US-Anleihen mit Laufzeiten von sieben Jahren sei das derzeit schon der Fall. 

Eine Korrektur, aber keine Umkehr
Dass gerade dem Zinssektor für die weitere Entwicklung an den Kapitalmärkten eine besondere Bedeutung zukommt, unterstrich auch Iain Stealey, Head of Global Aggregate Strategies innerhalb des Global Fixed Income, Currrency and Commodities Teams (GFICC) von J.P. Morgan Asset Management, der seinen Vortrag mit "The Future of Fixed Income" überschrieben hatte. "In unserem vierteljährlichen Strategiemeeting haben wir zwar zuletzt durchaus kontrovers über die weitere Entwicklung von Zinsen und Wirtschaft diskutiert", so Stealey, "am Ende aber fand sich eine deutliche Mehrheit der Teilnehmer, die davon ausgeht, dass ich unser Basis-Szenario eines über dem Trend liegenden Wachstums der Weltwirtschaft fortsetzen wird."

Unter makroökonomischen Gesichtspunkten müsse man eher von einer Korrektur als von einer Umkehr ausgehen. Mit einer Rezession sei demnach frühestens Ende 2019, eher in den 2020er Jahren auszugehen. Feststellbar sei allerdings eine Art Shift von monetärer hin zu einer von fiskalischen Impulsen getragenen Wirtschaftsentwicklung, die zudem je nach Region oder Land durchaus heterogen verlaufen werde. Das mache allerdings die Suche nach echten Wachstumsstorys erheblich schwieriger. Stealey brachte es wie folgt auf den Punkt: "High Yield-Investments sehen zum Teil immer noch aussichtsreich aus, was man von Investment-Grade-Anlagen nicht sagen kann." Die Alarmstimmung in Bezug auf die Entwicklung in den Emerging Markets, wie sie einige Marktteilnehmer seit einiger Zeit verbreiten, teilte der Brite nicht. 

Volatilität als Assetklasse gehört ins Portfolio
Über Volatilität als Assetklasse sprach im Anschluss Alexander Raviol, Partner und Leiter Portfolio Management Alternative Solutions bei Lupus alpha. Die drei wesentlichen Gegenargumente, die am häufigsten gegen Volatilität als Assetklasse vorgebracht werden ‑ a) mangelnde Diversifikation, b) zu großes Risiko, c) zu komplex ‑ entkräftete Raviol eins nach dem anderen. Der Fondsmanager zeigte auf, dass zwar in Zeiten, in denen die Märkte abwärts tendieren, auch die Volatilität ansteigt, dass aber die Erholungsphase der Risikoprämie Volatilität schneller verlaufe als die der Wertpapierkurse selbst. Durch dieses unterschiedliche Drawdown-Verhalten trage Volatilität eben doch zur Diversifikation bei. „Außerdem ist die Aktien-Volatilität vom Zinssatz an den Rentenmärkten weitgehend unabhängig“, so der Lupus-alpha-Experte weiter.

Dem Argument des zu hohen Risikos begegnete Raviol, indem er auf die Skalierung des Risikos einging. Man könne jedes Anlageprodukt sozusagen unsinnig gestalten, indem man es zu stark hebele. „In 2005 hätte man bei Aktieninvestments einen Hebel von fünf nicht überlebt“, erklärte Raviol. Es gehe deshalb bei dem Argument des zu hohen Risikos nicht um die Renditequelle Volatilität an sich, sondern es handele sich in aller Regel um eine zu starke Hebelung. Das Argument der Komplexität entschärfte Raviol durch die Aussage, dass Lupus alpha mit seiner Vola-Strategie lediglich auf die Auszahlung eines Varianz-Swaps setze, und der sei nicht komplex. Hierbei gehe es vor allem um den Unterschied zwischen der impliziten und der realisierten Volatilität. Raviol hatte aber auch warnende Worte parat: „Künftige Volatilität kann man nicht timen." Es könne zudem immer Zeiten geben, in denen eine extreme Situation an den Märkten dazu führe, dass eine sinnvolle Prognose nicht mehr möglich sei.

Nachhaltigkeit ist kein Performancenachteil
Ob und wie Kapitalsammelstellen eine moralische Verpflichtung haben, nachhaltig zu investieren, darüber diskutierten im Anschluss Michael Dittrich, verantwortlich für die Kapitalanlage bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und Dr. Thomas Friese, der sich um die Geschicke des CTAs von Nokia Deutschland kümmert. Dittrich erklärte seine Position anhand eines dynamischen Charts, bei dem die Temperaturerhöhung auf der Erde über die vergangenen gut 100 Jahre deutlich sichtbar wurde. „Die Gesetze der Physik sind nicht verhandelbar“, so Dittrich, „Was nützt es, wenn wir hohe Erträge und damit vielleicht gute Renten generieren, aber dieser Planet nicht mehr bewohnbar ist?“ Er verwies darauf, dass die EU-Kommission derzeit alles daran setze, dass Investoren künftig nachweisen müssen, wie sie ihre ESG-Ziele in der Kapitalanlage berücksichtigen, nicht ohne zu betonen, dass die Berücksichtigung von ESG-Kriterien nicht zu Lasten der Performance gehe, wie sowohl eigene Studien als auch die Ergebnisse der hauseigenen Spezialfonds belegen würden.

Während Dittrich bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt aus naheliegenden Gründen eher auf das „E“ der ESG-Kriterien setzt, konzentriert sich Friese auf das „G“ im ESG-Katalog: „Governance-Kriterien schauen wir uns bei unseren Anlagen sehr genau an“, so Friese, der einräumte, dass er als treuhänderischer Verwalter beim Thema "Sozial" auf Schwierigkeiten stoße. „Nehmen Sie unsere Immobilien-Investments: Natürlich wäre es sozial, wenn wir geringere Mieten verlangten und so günstigen Wohnraum zur Verfügung stellten. Aber wir sind ja auch unseren Mitgliedern verpflichtet, die gute Renten erwarten.“ Friese verwies aber darauf, dass Unternehmen auch in ihrem täglichen Doing viel zur Nachhaltigkeit beitragen könnten: „Das fängt bei uns bei der Mülltrennung und der Dienstwagen-Ordnung an und hört nicht damit auf, dass die Mitarbeiter ermuntert werden, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu fahren."

Multi-Faktor-Investments als ein Teil der Lösung
Unter dem Leitmotiv "Von der Idee zu maßgeschneiderten Rendite-/Risikoprofilen" hatte sich Alexander Uhlmann, CFA Global Head of Portfolio Management bei Invesco Quantative Strategies, das Thema Faktor-Investing vorgenommen. Der Analyst verwies dabei auf eine 30 Jahre zurückreichende Erfahrung seines Unternehmens mit diesem Thema, auch wenn man das damals noch nicht so genannt habe. Heute beschäftigt sich bei Invesco ein rund 50-köpfiges Team von Investmentspezialisten an fünf Standorten weltweit mit der auf Faktoren basierenden Anlagestrategie. Uhlmann, der sich selbst bereits seit 1997 mit dem Thema auseinandersetzt, betrachtet Faktoren grundsätzlich als "quantifizierbare Eigenschaft" eines Vermögenswerts und nannte als die gängigsten: Bewertung, Unternehmensgröße, Momentum, Volatilität und Qualität.

"Faktoren erklären einen wesentlichen Teil der Ertrags- und Risikoeigenschaften eines Portfolios", so Uhlmann. Über einen Betrachtungszeitrum von mehr als 20 Jahren werde deutlich, dass viele Faktoren eine vergleichsweise starke Performance gegenüber einem rein kapitalisierungsgewichteten Index zeigen würden. Gleichzeitig wies der Invesco-Experte aber darauf hin, dass auch Faktor-Strategien nicht vor kurz- und mittelfristig auftretenden, zum Teil erheblichen Rückschlägen gefeit seien. "Solche Rücksetzer treten jedoch je nach Faktor oft zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf", so Uhlmann. "Deshalb ergibt sich gerade daraus ein beachtliches Diversifikationspotential." Überzeugt gab sich der Portfoliomanager insbesondere in Bezug auf den Einsatz von Multi-Faktor-Strategien: "Multi-Faktor-Ansätze können helfen, Timing-Risiken und Nachteile von Single-Faktor-Portfolios zu reduzieren."

Bei Renten bitte das gesamte Programm
Dass man im derzeitigen Marktumfeld gerade in Bezug auf Anleiheninvestments die gesamte Palette der Möglichkeiten nutzen muss, betonte Jean-Marie Dumas, Head of Fixed Income Solutions bei Amundi Asset Management in seinem abschließenden Vortrag, den er wie folgt überschrieben hatte: "Mit dem gesamten Credit-Spektrum in den nächsten Zyklus". In der heutigen Zeit sei es für eine erfolgreiche Anlagestrategie von besonderer Bedeutung, über die bisher üblichen Limitierungen, die sich eben oft lediglich auf den Investment-Grade-Bereich oder den High-Yield-Sektor beschränken, hinauszugehen und sich ein möglichst breites Set an unterschiedlichen Wertpapieren und Allokationsmöglichkeiten zu erschließen.

"Die besondere Herausforderung von heute liegt zum einen darin, in einem Niedrigzinsumfeld überhaupt noch eine auskömmliche Rendite zu erzielen", erklärte Dumas. Als weitere Aufgabe hinzu gekommen sei zudem die Notwendigkeit, mit einer Phase wieder steigender Zinsen und den damit verbundenen Risiken umzugehen. In Zahlen ausgedrückt: "Nur 14 Prozent des gesamten investierbaren Anleihenangebots bieten derzeit Renditen oberhalb von zwei Prozent", so Dumas. Zudem böten höhere US-Zinsen keinen wirklichen Ausweg aus dem Dilemma. Dumas: "Hedgingkosten von aktuell rund drei Prozent im Währungspaar Euro versus US-Dollar neutralisieren derzeit einen vermeintlichen Dollarvorteil aus Sicht eines in Euro kalkulierenden Investors." Entsprechend hält der Franzose einen ergebnisorientierten und aktiven Investmentprozess für unerlässlich. (ad / hh)

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