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Hormus: Ausweichrouten treiben Bond-Renditen der Golfstaaten

Saudi-Arabien, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar wollen wegen der Hormus-Probleme Milliarden in alternative Exportwege investieren. Finanziert werden dürfte der Ausbau zu einem erheblichen Teil über Anleihen – trotz Rekordemissionen und wachsender Risiken für Investoren.

Der Supertanker „Eneos Endeavor“ nähert sich am 6. Juni 2026 der Ölraffinerie Negishi von Eneos im Keihin-Industriegebiet in Yokohama. Im Mai hatte der Tanker die Straße von Hormus ungewöhnlicherweise mit ausgeschaltetem Ortungssystem passiert – um solche Risiken in Zukunft zu vermeiden, sollen alternative Routen erschlossen werden. Das kostet Geld.
Der Supertanker „Eneos Endeavor“ nähert sich am 6. Juni 2026 der Ölraffinerie Negishi von Eneos im Keihin-Industriegebiet in Yokohama. Im Mai hatte der Tanker die Straße von Hormus ungewöhnlicherweise mit ausgeschaltetem Ortungssystem passiert – um solche Risiken in Zukunft zu vermeiden, sollen alternative Routen erschlossen werden. Das kostet Geld.© akio kon / Bloomberg

ECKPUNKTE:

  • Die Anleiheemissionen der Golfstaaten haben 2026 bereits den Rekordwert von 112 Milliarden US-Dollar erreicht.
  • Neue Häfen, Pipelines und Straßen sollen die Abhängigkeit von der Straße von Hormus verringern.
  • Investoren rechnen mit steigendem Angebot, höheren Risikoprämien und stärkeren Unterschieden zwischen den Staaten.

Der Ausbau alternativer Exportwege dürfte die Golfstaaten verstärkt an die Anleihemärkte führen. Saudi-Arabien, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar planen milliardenschwere Investitionen in Häfen, Pipelines und Straßenverbindungen, die weniger stark von der Straße von Hormus abhängig sind.

Nach sechs Monaten Iran-Krieg prüfen die Staaten unter anderem neue Häfen am Roten Meer und am Golf von Oman, die Sanierung älterer Pipelines sowie den Ausbau von Straßen durch die Wüste. Wie Bloomberg unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen berichtet, beraten staatliche Schuldenagenturen bereits mit Banken und Investoren über zusätzliche Emissionen.

Das Volumen der Anleiheplatzierungen aus der Region beläuft sich in diesem Jahr auf den Rekordwert von 112 Milliarden US-Dollar. Sergei Strigo, Leiter Emerging Markets Fixed Income bei Amundi, erwartet dennoch ausreichend Nachfrage. „Die Ratings der Golfstaaten ermöglichen grundsätzlich umfangreiche Anleiheemissionen“, sagt er. Trotz enger Spreads bleibe Investment-Grade-Papier gefragt.

Zu den Projekten zählen eine wiederbelebte saudische Pipeline zum Rotmeerhafen Yanbu und zwei von DP World geplante Tiefwasserterminals an der Ostküste der Vereinigten Arabischen Emirate. Kuwait platzierte in dieser Woche Anleihen über sechs Milliarden Dollar. Die Nachfrage übertraf das Angebot um mehr als das Doppelte, obwohl das Land täglich Raketenangriffen ausgesetzt ist und seine Ölexporte weitgehend zum Erliegen gekommen sind.

Steigende Renditen
Der erwartete Emissionsschub hinterlässt allerdings bereits Spuren. Die 2054 fälligen Anleihen Abu Dhabis rentieren derzeit rund 82 Basispunkte über US-Staatsanleihen, nach 53 Basispunkten im Januar. Neben den geopolitischen Risiken belastet nach Einschätzung von Investoren auch das wachsende Angebot die Kurse. Manche Marktteilnehmer sichern sich deshalb über staatliche Kreditausfallversicherungen ab.



Zugleich dürften Investoren stärker zwischen den einzelnen Golfstaaten unterscheiden. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman verfügen aufgrund ihrer Lage über bessere Zugänge zu alternativen Transportrouten als Kuwait, Bahrain und Katar. Vollständig geschützt sind jedoch auch diese Wege nicht: Iran-nahe Huthi-Rebellen griffen zuletzt saudische Tanker auf der Route durch das Rote Meer an. Bei einer weiteren Eskalation könnte damit Bab al-Mandab zum nächsten gefährdeten Nadelöhr werden. (bloomberg/hw)

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