Hausdurchsuchung beim Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin
Frühere Mitglieder der Führung und Angestellte des Berliner Versorgungswerks VZB sollen 230 Millionen Euro veruntreut haben. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin durchsucht Postfächer. 18 Personen stehen unter Untreue-Verdacht.
Eckpunkte:
- 230 Millionen Euro veruntreut? Verdacht gegen ehemalige Mitglieder aus Verwaltungs- und Aufsichtsausschuss sowie Angestellte des VZB
- Generalstaatsanwaltschaft Berlin ermittelt konkret gegen 18 Personen und durchsucht E-Mail-Postfächer
- Durchsuchungsbeschluss von Mitte Juni
Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin lässt beim Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) E-Mail-Postfächer durchsuchen. Wie das Handelsblatt berichtet, erwirkten die Ermittler Mitte Juni bei einer Richterin am Amtsgericht Tiergarten einen Beschluss, zahlreiche E-Mail-Postfächer des Zahnärzte-Versorgungswerks durchsuchen zu dürfen.
Wie aus dem Durchsuchungsbeschluss hervorgeht, den das Wirtschaftsmedium einsehen konnte, verdächtigen die Strafverfolger 18 Personen, die addiert mehr als 230 Millionen Euro veruntreut haben sollen. Bei den Beschuldigten handele es sich um frühere Mitglieder des Verwaltungs- und des Aufsichtsausschusses sowie um Angestellte des VZB. Sie sollen die Investments freigegeben oder nicht ausreichend geprüft und hinterfragt haben.
Mit diesen Ermittlungen erreicht der Skandal um Milliardenverluste bei dem Berliner Versorgungswerk eine neue Stufe. Die Altersvorsorgeeinrichtung, deren Rentenzahlungen die erste Säule der Altersvorsorge für Zahnärzte aus Berlin, Brandenburg und Bremen bilden, war im vergangenen Jahr in Schieflage geraten. Betroffenen Zahnärzten drohen aufgrund der hohen Verluste Leistungskürzungen und höhere Beiträge, wie „Institutional Money“ bereits berichtete.
Verluste von 1,1 Milliarden Euro
Im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass die Altersvorsorgeeinrichtung insgesamt mindestens 1,1 Milliarden Euro an Verlusten zu verkraften hat, was bis dato rund der Hälfte des Vermögens des VZB entsprach. Per Ende 2024 verwaltete das VZB ein Vermögen von rund 2,2 Milliarden Euro. Das VZB hatte erhebliche Summen in riskante Investments im Immobilien-Bereich, in Beteiligungen und Start-ups investiert.
Im April diesen Jahres hatte das Berliner Versorgungswerk seinen früheren Geschäftsführer Ralf Wohltmann beim Arbeitsgericht Berlin auf Schadensersatz verklagt. Laut Exklusivinformationen von "Institutional Money" ist das Verfahren aktuell noch anhängig. In dem Verfahren geht es um Schadenersatz in Höhe von 50 Millionen Euro. Wie zudem einer Pressemitteilung des Arbeitsgerichts zu entnehmen ist, hat das VZB die Verweisung des Rechtsstreits an das Landgericht Berlin II beantragt. Dort solle vorab über die Frage des zuständigen Gerichts und des zulässigen Rechtswegs entschieden werden. Die Entscheidung werde durch die Kammer des Arbeitsgerichts ohne mündliche Verhandlung erfolgen, nachdem die Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme hatten, so die Mitteilung. (de)