Genobanken wollen trotz Rekordgewinnen die Schraube enger ziehen
Der genossenschaftliche Bankensektor erzielte 2025 Gewinne wie noch nie, sieht aber bei einigen "Problemfällen" im Sektor Handlungsbedarf und will die entsprechenden Häuser enger an die Kandare nehmen. Im Raum steht sogar der Entzug von Markenrechten nach Rettungen. Das ist aber schwer umzusetzen.

Eckpunkte:
- Rekordhohe Gewinne des Genossenschaftssektors
- Aufwands-Ertrags-Relation verbesser
- Das Stützen finanzklammer Sektormitglieder kostete Geld und löst Ärger aus
- Genobanken drohen mit Entzug der Markenrechte nach Rettungen
- Reform des Sicherungssystems vorgeschlagen
Gute Zahlen
Die 646 deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, Sparda-Banken, PSD Banken und sonstigen Genossenschaftsbanken haben mit fast zehn Milliarden Euro im vergangenen Jahr so viel verdient wie noch nie. Gleichzeitig musste die Finanzgruppe zuletzt aber auch mehreren Instituten unter die Arme greifen, weil diese in schwieriges Fahrwasser geraten waren, wie Bloomberg berichtet.
Der Jahresüberschuss vor Steuern bei den Genossenschaftsbanken insgesamt stieg nach vorläufigen Zahlen um rund 10,1 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro, erklärte der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) am Dienstag.
Der Zins- und der Provisionsüberschuss legten 2025 jeweils zu. Letzterer wurde größtenteils im Zahlungsverkehr sowie im Vermittlungs- und Wertpapiergeschäft erwirtschaftet. Die Aufwands-Ertrags-Relation verbesserte sich auf 62,1 Prozent.
Verbesserungen gefordert
“Trotz allem wirtschaftlichen Erfolg unserer Banken in Summe: Es war dringend erforderlich, dass wir Konsequenzen aus den Sanierungsfällen in jüngerer Vergangenheit ziehen”, sagte BVR-Präsidentin Marija Kolak. Sie spielte damit auf die Reform des genossenschaftlichen Sicherungssystems an. Über dieses versprechen sich die Banken, einander in Krisen zu stützen.
Kolak sieht “Fälle, in denen Institute Risiken nicht richtig eingeschätzt oder Kontrollmechanismen nicht funktioniert haben. Wir konnten die betreffenden Banken mit unserer starken Institutssicherung ohne Schwierigkeiten auffangen. Dennoch belastet jeder Sanierungsfall unsere Solidargemeinschaft.”
Bei kriselnden Banken will die Finanzgruppe künftig schneller und effektiver eingreifen. Demnach sollen Eingriffsrechte der Sicherungseinrichtung gestärkt, bestimmte Banken unter Umständen mit höheren Beiträgen belegt und Institute zügiger aus der Geno-Solidargemeinschaft herausgelöst werden können.
Einige Stützungsfälle beziehungsweise Vorfälle hatten zuletzt für viele negative Schlagzeilen gesorgt:
- So war etwa bei der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden bekannt geworden, dass ein hoher Wertberichtigungsbedarf bei Krediten, Immobilien und Beteiligungen entstanden ist.
- Die Volksbank Dortmund-Nordwest geriet wegen Immobilienfonds in eine Schieflage, in die sie investiert hatte. Darüber hinaus gab es weitere Fälle, in denen Geldinstitute Hilfe von der Finanzgruppe benötigten.
- Und die Volksbank Düsseldorf Neuss sah sich einer Forderung von 100 Millionen Euro gegenüber, weil sie eigener Lesart zufolge Opfer “betrügerischer Machenschaften” wurde.
Veränderungen angedacht
Nach mehreren Stützungsfällen in den eigenen Reihen haben die genossenschaftlichen Banken in Deutschland weitere Details zur Reform ihres Sicherungssystems vorgestellt, wie Bloomberg des Weiteren berichtet. Im Kern geht es darum, angeschlagene Institute in Zukunft noch schneller und effektiver an die Hand zu nehmen. Hinzu kommen Maßnahmen bis hin zum Entzug der Markenrechte.
Daniel Quinten, Vorstandsmitglied des Branchenverbands BVR, betonte bei einer Veranstaltung am Dienstag in Frankfurt das künftig wohl verbesserte Monitoring von Banken durch die Sicherungseinrichtung.
Diese soll mehr Eingriffsrechte bekommen. Dazu gehört ein bedingungsloses Teilnahme- und Rederecht in Gremiensitzungen von Banken sowie ein vereinfachter und schnellerer Ausschluss aus der Institutssicherung, inklusive eines “Entzugs der Markenrechte”.
Der BVR gestand bei einer Pressekonferenz aber ein, dass er nur die Bildmarke besitze. Gemeint ist das Logo der Volks- und Raiffeisenbanken. Über die Wortmarke, also den Namen einer Bank, könne der BVR indes nicht frei verfügen.
Höhere Beiträge von riskanter agierenden Banken?
Von Banken mit hohen Risikoprofilen oder bei unkooperativem Verhalten könnten zudem höhere Beiträge verlangt werden.
Gearbeitet wird noch an der Einführung eines Vorstands- und Aufsichtsratskodex. Darin wird festgehalten, was die gegenseitigen Erwartungen mit Blick auf die Rechte, Pflichten und Verantwortlichkeiten von Vorständen und Aufsichtsräten in allen Unternehmen der Gruppe sind.
BVR-Präsidentin Marija Kolak hatte vor rund einem Monat in einem Bloomberg-Interview erklärt, einzelne Banken hätten das Fahrwasser des Verbundes verlassen. “Es gab Missmanagement, es wurden unverantwortliche Risiken eingegangen”, sagte sie.
Quinten betonte, dass die Verantwortung für das Risikomanagement auch künftig bei den Primärbanken vor Ort bleiben soll. Die Dezentralität der Gruppe stehe nicht zur Disposition. Auf der anderen Seite sei es aber auch wichtig, Risiken in der Gruppe noch stärker gesamthaft zu überwachen.
Einige der geplanten Maßnahmen bedürfen laut Quinten noch der Zustimmung durch die Mitgliederversammlung. Abstimmungen seien für dieses und nächstes Jahr geplant. (aa)

