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GAM entlässt Tim Haywood – Investorenflucht hält an

Das Vertrauen der Geldgeber in den Schweizer Asset Manager ist seit dem Skandal um Tim Haywood erschüttert. Nicht nur aus den betroffenen Fonds ziehen Kunden Kapital en gros ab. Andere Portfolios erleiden ebenso Abflüsse. Der suspendierte Ex-Starmanager muss derweil das Haus endgültig verlassen.

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© Andrey Popov / stock.adobe.com

Die Fondsgesellschaft GAM hat 2018 enorm hohe Mittelabzüge aus ihren hauseigenen Fonds in Höhe von nicht weniger als 21,5 Milliarden Schweizer Franken (rund 19 Mrd. Euro) erlitten. Allein aus den einst von Tim Haywood gelenkten Absolute-Return-Bondfonds flossen elf Milliarden Franken ab, teilte die Gesellschaft bei Bekanntgabe der Jahreszahlen mit. Die Affäre um den früheren Starmanager wirkt sich somit empfindlich auf die anderen Strategien des Hauses aus, aus denen Anleger 10,5 Milliarden Franken abzogen.

Zur Erinnerung: Der Schweizer Fondsanbieter hatte Haywood Ende Juli 2018 völlig überraschend wegen angeblicher Verstöße gegen interne Vorschriften suspendiert. Weil Anleger daraufhin in Scharen aus den Fonds flohen, musste die Gesellschaft die milliardenschweren Portfolios dichtmachen und schrittweise liquidieren. Dieser Prozess dauert noch an. Der Kurs der GAM-Aktie brach seit Bekanntwerden der Affäre massiv ein. Im frühen Handel notierte das Papier rund drei Prozent im Minus bei 3,50 Franken. Anfang 2018 war der Titel zeitweise noch knapp 18 Franken wert gewesen.

"Schweres Fehlverhalten"
Der einstige Starmanager Haywood muss nach Abschluss der internen Untersuchung wegen "schweren Fehlverhaltens" endgültig das Haus verlassen, wie die Gesellschaft weiter mitteilte. "Mit Blick auf die Fähigkeiten und die Sorgfalt, die man von jemandem in dieser Position erwarten sollte, haben wir erhebliche Mängel festgestellt", sagte Interimschef David Jacob bei der Vorstellung der Jahreszahlen. Jacob hatte im November GAM-Chef Alexander Friedman ersetzt, der wegen seines Vorgehens im Fall Haywood in die Kritik geraten war.

Die schwierige Marktlage des Jahres 2018 ließ zudem den Wert der GAM-Fonds sinken, sodass das verwaltete Vermögen von 84,4 Milliarden Ende 2017 auf 56,1 Milliarden Franken schmolz. Lichtblicke zeigten sich hingegen im Bereich Private Labelling. Hierbei verzeichneten die Schweizer Nettomittelzuflüsse von 8,3 Milliarden Franken. Das im White-Label-Geschäft verwaltete Vermögen stieg auf 76,1 Milliarden Franken.

Performance-Fees brechen weg
Neben der Affäre belastete auch die schwierige Marktlage das gebeutelte Unternehmen. Die Einnahmen aus erfolgsabhängigen Gebühren brachen um 90 Prozent auf 4,5 Millionen Franken ein. "Die meisten unserer Strategien durchlebten ein schwieriges Jahr und notierten unter ihrer High-Water-Mark", sagte Finanzchef Richard McNamara. Dementsprechend fielen keine Performance-Fees an. Zudem fehlten die Einnahmen aus den Haywood-Fonds.

Die Liquidation der Absolute-Return-Serie geriet durch die Marktlage ebenfalls ins Stocken. Konzernchef Jacob betonte aber, dass um die 90 Prozent der Vermögenswerte der Luxemburger und irischen Fonds zurückgezahlt worden sei. Bei den auf den Cayman Inseln angesiedelten Portfolios liege die Quote bei rund 70 Prozent.

Milliarden-Minus
Für 2018 erreichte GAM lediglich einen operativen Gewinn von 126,7 Millionen Franken. Unter dem Strich steht ein Nettoverlust von 929,1 Millionen Franken. Zurückzuführen ist das vor allem auf Abschreibungen wegen überteuerter Übernahmen in der Vergangenheit sowie ein angelaufenes Restrukturierungsprogramm. Diese verheerenden Zahlen hatte das Haus bereits im Dezember in einer Schätzung vorab angekündigt.

GAM streicht konzernweit zehn Prozent der Stellen, was rund 100 Jobs entspricht. Ein Drittel der Positionen sei bereits abgebaut, sagte Jacob. Die Stellenstreichung sowie weitere Einsparungen sollen über das Jahr 2019 die Kosten um 40 Millionen Franken drücken. Zudem will sich der Asset Manager neu aufstellen und auf vier Bereiche konzentrieren. Dazu zählen quantitative Ansätze, alternative Anleihestrategien, Multi-Asset- und andere Rundum-Lösungen sowie aktive Aktienfonds. "Die Kunden vertrauen nach wie vor unserer Investmentkompetenz", meinte Jacob.

Trostpflaster für Aktionäre
Die Dividende für 2018 fällt aus. Ab 2019 versprechen die Schweizer, mindestens 50 Prozent des operativen Reingewinns auszuschütten. Diese Politik spiegele besser die Entwicklung des Unternehmens wider als die bislang gelebte Praxis, wonach die Dividende sich an den vergangenen Ausschüttungen orientierte, erläuterte Finanzchef McNamara.

Angesichts der desolaten Lage von GAM kursieren Spekulationen über einen Zusammenschluss. Vorstandschef Jacob wollte eine mögliche Übernahme nicht dementieren. Er verwies darauf, dass der Aufsichtsrat alle Optionen prüfe. Das dringendste Ziel sei aber, die Gesellschaft neu aufzustellen. Zudem gehe die Suche nach einem neuen Vorstandschef weiter, ergänzte Jacob. Allerdings wolle der Aufsichtsrat auch Stabilität wahren. "Ich werde also bis auf weiteres dieses Amt innehaben", sagte der Interimschef. (ert)

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