Frustrierte Hedgefonds-Investoren wehren sich gegen Passthrough Fees
Hedgefonds-Investoren haben es satt, Milliarden von Dollar an undurchsichtigen Gebühren wie Passthrough Fees zu zahlen und wehren sich nun – mit ihrem Geldbeutel.

Der 200 Milliarden US-Dollar schwere Pensionsfonds für Lehrer in Texas, der 17 Milliarden US-Dollar schwere Pensionsplan in New Mexico und das Multi-Family-Office Erlen Capital Management gehören zu einer Gruppe von Investoren, die Fonds meiden, deren Gebühren ihrer Meinung nach die Rendite zu stark schmälern.
Investoren protestieren gegen sogenannte Passthrough-Gebühren
Damit werden den Kunden praktisch alle Ausgaben eines Hedgefonds in Rechnung gestellt, von der Miete über Reisekosten bis hin zu Millionen-Gehaltspaketen. Diese Gebühren können von Hunderten Millionen US-Dollar bis in die Milliarden gehen – und das zusätzlich zu den üblichen 20 Prozent Gewinnanteil, den die Unternehmen von ihren Anlageerträgen einbehalten, und manchmal sogar einer zusätzlichen Gebühr von zwei Prozent jährlich für die Verwaltung des Anlegervermögens.
Investoren wollen bei Erreichung bestimmter Schwellenwerte die Reissleine ziehen
Durchlaufgebühren sind ein gängiges Merkmal von Multistrategie-Hedgefonds – oder Pod-Shops, so genannt nach ihren zahlreichen Teams, die unterschiedliche Strategien verfolgen –, die im letzten Jahrzehnt einen Boom erlebt haben. Investoren haben diese Kosten in einer Zeit unter die Lupe genommen, in der die Performance einiger Unternehmen schwächelt.
60 oder 70 Prozent der Gewinne sollten schon bei den Investoren landen
Die Pensionskasse von New Mexico und Erlen haben beschlossen, dass sie aussteigen, wenn ihnen aufgrund einer Durchlaufgebühr weniger als 60 Prozent der Gewinne eines bestimmten Fonds verbleiben. Das Teacher Retirement System of Texas hat keine feste Grenze, strebt aber mindestens 70 Prozent der Gewinne an, sagte Lulu Llano, Leiterin der Hedgefonds der Pensionskasse. „Wenn Sie mehr als die Hälfte der Gewinne einbehalten, sprechen wir nicht einmal mit Ihnen“, sagte Michael Shackelford, Chief Investment Officer der Public Employees Retirement Association of New Mexico. Shackelford sagte, die Pensionskasse erhalte eingehende Angebote von Multistrategiefonds, die es nicht schaffen. Zu den namhaften Firmen, die Durchlaufgebühren erheben, gehören Millennium Management, Citadel, Point72 Asset Management, Balyasny Asset Management und ExodusPoint Capital Management.
Geld- als Liebesentzug
Erlen hat gelegentlich sein gesamtes oder einen Teil seines Kapitals aus Fonds abgezogen, bei denen „der Anlegeranteil unter unsere Komfortzone gefallen ist und es keine kompensierende Verbesserung der Diversifikation oder des Abwärtsschutzes gab“, sagte Managing Partner Bruno Schneller.
Due Diligence in puncto Gebühren nachgeschärft
Sowohl New Mexico als auch Erlen haben in den letzten zwei Jahren aufgrund steigender Kosten begonnen, ihre Anforderungen für Investitionen in solche gebührenintensiven Hedgefonds zu verschärfen. New Mexico wirft keine bestehenden Manager raus, wendet aber die Schwellenwerte auf alle neuen Hedgefonds oder zusätzliche Engagements bei bestehenden an. „Wenn die Performance nachlässt, werden wir sie mit dem Gedanken betrachten: ‚Wir bekommen nicht genug Geld‘“, sagte Shackelford. Beide Investoren haben zudem strengere Gebührenanalysen in ihre Due-Diligence-Prozesse integriert.
Schwelende Frustrationen
Die Bedenken sind berechtigt. Im bisherigen Jahresverlauf haben einige Multistrategie-Hedgefonds unterdurchschnittliche Renditen erzielt, da sie sich in den von Zöllen und globalen Konflikten geplagten Märkten nur schwer zurechtfinden. Im ersten Halbjahr erzielten Citadel und Millennium Management nach Gebühren nur Renditen von 2,5 Prozent bzw. 2,2 Prozent.
Die Gebühren sind in schwierigen Jahren besonders schmerzhaft, da sie die ohnehin schon reduzierten Bruttorenditen noch weiter schmälern und den Kunden noch weniger zur Verfügung stehen.
Wie Multi-Strategie-Hedgefonds argumentieren
Diese führen ins Treffen, dass ihr Geschäftsmodell zwar per Definition teuer sei, helfe ihnen aber, starke und zuverlässige Renditen zu erzielen. Sie sagen, die Gebühren seien notwendig, um Hunderte von Handelsplattformen zu betreiben, sie mit hochentwickelter Infrastruktur und Technologie auszustatten und die besten Talente mit lukrativen Gehaltspaketen in einem hart umkämpften Arbeitsmarkt zu gewinnen.
Durchlaufgebühren stiegen zuletzt ordentlich an
Die Zahl der den Anlegern von den fünf größten Multistrat-Fonds offengelegten Durchlaufgebühren stieg in den letzten sieben Jahren um fast 40 Prozent, wie aus Daten hervorgeht, die Bloomberg Anfang des Jahres zusammengestellt hat. Im Jahr 2023 verdienten die Kunden nur noch 41 Cent von jedem Dollar, den ein Multistrat-Fonds verdiente, mit nach Hause, wie aus einem Bericht von BNP Paribas hervorgeht. Zwei Jahre zuvor waren es noch 54 Cent gewesen.
Koalition der Frustrierten wird aktiv
Die Frustration schwelt seit mindestens letztem Jahr, als eine von texanischen Lehrern angeführte Koalition, der rund zwei Dutzend Pensionsfonds, Stiftungen und Staatsfonds angehören, einen offenen Brief verfasste und Hedgefonds aufforderte, auf Performancegebühren zu verzichten, sofern sie nicht Renditen erzielen, die die von 3-Monats-Staatsanleihen übertreffen. Der Brief hat mittlerweile mehr als 60 Unterzeichner – darunter auch die New Mexico Pension, die bereits eine Vereinbarung mit einem Hedgefonds getroffen hat, die Hürde einzuhalten, so Shackelford. Fast drei Viertel der 31 Hedgefondsmanager von Texas Teachers unterliegen nun einer Liquiditätsbarriere. Ende 2023 lag dieser Wert noch bei einem Drittel. (kb)

