Frauen im Asset Management: Zahl der Berufseinsteigerinnen sinkt
Zwar haben sich 2024 mehr Frauen für eine Position in der Fondsbranche beworben als noch zwei Jahre zuvor. Der Einstieg in den Job gelang jedoch seltener. Dies zeigt eine gemeinsame Studie der Fondsfrauen, der Universität Mannheim und des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshauses KPMG.

Geschlechtervielfalt im Asset Management ist immer noch mehr Wunschdenken als gelebte Realität. Zwar steigt die Zahl der Bewerbungen von Frauen, doch der Schritt in die Branche gelingt ihnen seltener. Das zeigt die Studie "Zeitenwende im Asset Management: Gender Diversity zwischen Fortschritt und neuer Zurückhaltung", welche die Universität Mannheim, das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG und das Karrierenetzwerk Fondsfrauen gemeinsam erstellt haben. Bereits zum fünften Mal haben sie die Situation von Frauen im Asset Management unter die Lupe genommen. Elf Unternehmen mit Sitz in Deutschland, die hierzulande im Schnitt 1.158 Mitarbeitende beschäftigen, beteiligten sich an der aktuellen Umfrage.
Der Untersuchung zufolge hat der Anteil der Bewerbungen von Frauen für eine Position in der Fondsbranche im Jahr 2024 mit 38 Prozent einen neuen Höchstwert erreicht. Den Berufseinstieg schafften aber nur noch 36 Prozent, 2022 waren es noch 40 Prozent gewesen. Der Frauenanteil in der Gesamtbelegschaft stagniert bei 40 Prozent. Nur jede vierte Führungskraft ist weiblich, auf Ebene der Geschäftsführung sind Frauen mit 16 Prozent vertreten.
Diversität als Wettbewerbsfaktor begreifen
"Die Branche steht an einem Punkt, an dem sich entscheidet, wie ernst es ihr mit Vielfalt ist", sagt Maren Schmitz, Partnerin Financial Services und Head of Asset Management bei KPMG in Deutschland. "Dafür braucht es klare Ziele und den Willen, Diversität als echten Wettbewerbsfaktor zu begreifen – um Talente zu gewinnen und das Potenzial erfahrener Führungskräfte zu nutzen", erklärt sie.
Bislang verfügt allerdings nur rund ein Drittel der befragten Unternehmen (36 Prozent) über eine Equal-Pay-Policy, lediglich 45 Prozent haben sich klare Gender-Diversity-Ziele gesetzt. Quoten werden nur von einer Minderheit umgesetzt – und die Tendenz ist sogar rückläufig: Während 2020 noch 36 Prozent der Unternehmen eine feste Frauenquote etabliert oder freiwillig eingeführt hatten, sind es 2024 nur noch 27 Prozent. Auch die Förderung erfahrener weiblicher Fachkräfte im Alter ab 50 Jahren ist ein vernachlässigtes Thema. Weniger als jede dritte Frau (30,4 Prozent) ist zwischen 50 und 67 Jahre alt. Viele Unternehmen haben kaum Angebote für diese Gruppe. Dabei stelle sie ein "wertvolles Reservoir an Erfahrung und Expertise", so die Studienautoren.
Raus aus den "Pink Ghettos"
Erfreulich: Frauen sind zwar weiterhin überproportional in den sogenannten "Pink Ghettos", also etwa in den Bereichen Personal (68 Prozent) und Marketing (55 Prozent) vertreten. Die Zahlen sind jedoch rückläufig. Die erste Studie aus dem Jahr 2015 hatte noch ergeben, dass 91 Prozent im Personalwesen tätig waren, 75 Prozent im Marketing. Zugleich ist ihr Anteil in Bereichen wie dem Portfoliomanagement zwischen 2015 und 2024 von 19 auf 32 Prozent gestiegen.
Damit verliert die traditionelle Rollenverteilung an Gewicht, der Aufstieg in zentrale Entscheidungsfunktionen bleibt jedoch weiterhin die Ausnahme. So werden Frauen mittlerweile ähnlich häufig befördert wie Männer, doch auf den höheren Ebenen setzt sich dieser Trend kaum fort – der Sprung in Führungsrollen gelingt nach wie vor selten.
Weiterer Ausbau nicht zu erwarten
"Die repräsentative Teilnahme der Asset-Management-Industrie zeigt, dass Gender Diversity weiterhin einen hohen Stellenwert einnimmt bei den Unternehmen", sagt Anne Connelly, Ideengeberin und Mitgründerin der Fondsfrauen. Die Ergebnisse zeigten aber auch, dass ein Ausbau der Maßnahmen über den aktuellen Stand hinaus nicht zu erwarten ist. "Seitens der Fondsfrauen werden wir die Industrie durch unsere Arbeit weiterhin engmaschig begleiten", so Connelly. (am)

