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"Frau Schambach, wo kommen plötzlich die ganzen ESG-Experten her?"

Karin Schambach, die Gründerin von Indigo Headhunters, erläutert im Interview, was der Boom der ökologisch-ethischen Geldanlage für den Personalmarkt im Asset Management bedeutet – und wie die Branche das Thema Nachhaltigkeit zur Nachwuchsgewinnung nutzen könnte.

Karin Schambach, Indigo Headhunters
Karin Schambach, Indigo Headhunters: "Das Thema Nachhaltigkeit ist hervorragend geeignet, um die Branche für junge Leute interessant zu machen."
© Christoph Mattes

Als Personalberaterin hat Karin Schambach einen direkten Draht in die Führungsetagen der Asset Manager. Dort spielt das Thema Nachhaltigkeit mittlerweile eine sehr wichtige Rolle – nicht nur in der Produktpolitik, sondern auch im Recruiting. Im Interview meint die Geschäftsführerin von Indigo Headhunters aus Frankfurt, der ESG-Trend berge eine echte Chance für die Fondsanbieter, fähige Absolventen für sich zu begeistern.


Frau Schambach, seit einigen Monaten verkünden Fondsanbieter quasi im Wochentakt die Auflage neuer Ökofonds und die Aufstockung ihrer ESG-Teams. Wo kommen die ganzen Nachhaltigkeitsexperten denn plötzlich her?

Karin Schambach: Ich kann Ihre Frage verstehen, möchte sie aber einordnen: Für viele Asset Manager ist ESG nichts grundsätzlich Neues, sie hatten schon vor der Finanzkrise erste Nachhaltigkeitsfonds aufgelegt. Damals stand das Thema aber längst nicht so im Fokus, und auch die Vermarktung war nicht die gleiche. Heute wird für jeden neuen ESG-Experten oder jede neue Expertin eine Pressemeldung geschrieben, das wäre früher nicht passiert. Ein weiterer Unterschied: Bis vor wenigen Jahren betreuten einige Mitarbeiter die Nachhaltigkeitsaspekte nebenher mit. Viele von ihnen widmen sich nun ausschließlich diesem Thema.

Welche Rolle spielt das Schlagwort, wenn sich Kandidaten bei Ihnen für einen Job bei einem Asset Manager vorstellen?

Schambach: Interessant ist, dass viele ihre ESG-Fortbildung herausstreichen, die sie beispielsweise bei der DVFA absolviert haben. Einige meinen, damit seien sie gleich für einen Posten als "Head of Sustainability" prädestiniert. Aber so einfach ist das nicht. Für eine solche Position reicht eine kurze Zusatzausbildung nicht aus. Da sind Kandidatinnen und Kandidaten gefragt, die in ihrem Lebenslauf nachweisen können, dass sie sich tatsächlich schon viele Jahre mit nachhaltigen Investments beschäftigt haben.

Kann man sich eine Zusatzqualifikation also sparen?

Schambach: Nein, vielmehr ist es so, dass gewisse Grundkenntnisse mittlerweile vorausgesetzt werden. Jeder, der heute einen Fonds vertreibt, muss zum Thema Nachhaltigkeit sprechfähig sein. Es gibt kaum noch Stellenprofile, bei denen keine ESG-Kenntnisse abgefragt werden. Eine explizite Zusatzqualifikation wird aber selten gefordert. Viele Kandidaten können glaubhaft vermitteln, dass sie sich über die vergangenen Jahre selbst in das Thema eingearbeitet haben.

Wie sieht es bei den Berufseinsteigern aus? Bringen sie das nötige Wissen schon aus dem Studium mit?

Schambach: Da bin ich die falsche Ansprechpartnerin, weil wir nur Kandidaten vermitteln, die bereits im Beruf sind. Ich denke aber, dass das Thema Nachhaltigkeit hervorragend geeignet ist, um die Branche für junge Leute interessant zu machen. Die Fondsindustrie hat eine ungemeine Power, den ESG-Gedanken in jede andere Branche hinein zu tragen. Aktuell ist die Asset-Management-Branche nicht die, in die man geht, wenn man die Welt verändern will. Dabei könnte sie sich durchaus selbstbewusst so positionieren, nach dem Motto: "Bei uns kannst du dabei helfen, dem Kapital die richtige Richtung zu weisen." Das passiert aber nicht. Wenn Fondsanbieter mit ihrem ESG-Knowhow werben, dann, weil sie versuchen, das als Wettbewerbsvorteil für sich zu nutzen.

Das ist verständlich. In den kommenden Jahren dürften gigantische Summen aus traditionell verwalteten Fonds in nachhaltige Produkte umverteilt werden. Da will sich natürlich jeder Anbieter als Vorreiter positionieren.

Schambach: Das kann ich auch nachvollziehen. Dennoch muss die gesamte Finanzbranche damit zurechtkommen, dass sie ihre Reputation verloren hat. Die Topabsolventen fangen heute woanders an. Nun hat die Fondsbranche mit den nachhaltigen Investments ein Argument, das in dieser Generation hervorragend verfängt. Sie sollte dies für sich nutzen.

Wer könnte diese Aufgabe übernehmen? In Deutschland der Branchenverband BVI?

Schambach: Ja, der BVI wäre die natürliche Adresse für eine solche Initiative, denn anders als einzelne Anbieter kann er für die gesamte Branche sprechen. Vielleicht wären Veranstaltungen an Universitäten eine Idee, bei denen verschiedene Fondsgesellschaften zeigen, wie sie mit dem Thema Nachhaltigkeit umgehen.

Das Thema ESG beschäftigt den BVI schon heute jeden Tag – allerdings eher mit Fokus auf die Regulierung. Die bereitet den Fondsanbietern derzeit sicherlich mehr Kopfschmerzen als die Nachwuchsgewinnung.

Schambach: Aktuell ist das sicherlich der Fall. Mittelfristig sollte sich die Branche aber intensiv damit beschäftigen, wie sie die vorherrschende Altersstruktur durchbrechen kann. Wir achten bei jeder Suche darauf, wo der Kunde Verstärkung braucht – nicht nur fachlich, sondern auch mit Blick auf den Faktor Diversity. Es geht darum, eine rundere Teamstruktur hinzubekommen, also mehr Frauen, mehr junge Menschen, insgesamt mehr Vielfalt ins Unternehmen zu holen. Dabei kann das Argument, in Sachen Nachhaltigkeit etwas bewirken zu können, sicherlich helfen.

Vielen Dank für das Gespräch. (bm)

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