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Flossbach-Stratege: Warum Nachhaltigkeit Firmen teuer kommen könnte

Westliche Bekleidungs- und Sportartikelhersteller, die auf die Einhaltung von Menschenrechten und sozialen Mindestkriterien pochen, sehen sich in China einer Boykott-Kampagne gegenüber. So etwas könnte künftig häufiger passieren, sagt Philipp Vorndran von Flossbach von Storch.

Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch
Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch
© Flossbach von Storch

China ist auf dem Weg zur ökonomischen Supermacht. Das rasante Wachstum in Fernost bietet Unternehmen aus dem Westen große Chancen, birgt aber zugleich nicht zu vernachlässigende Risiken, warnt Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege beim Asset Manager Flossbach von Storch (FvS). Das zeigt sich etwa am Beispiel des aktuellen Baumwollstreits.

Forderung nach nachhaltiger Baumwolle sorgt für Konflikte
Vor rund einem Jahr erklärten Vertreter einer Organisation, die sich für nachhaltige Baumwolle einsetzt, dass sie ihr Siegel nicht mehr an Baumwolle aus Westchina vergeben. Der Grund: Die Unterdrückung der dortigen Minderheit der Uiguren und die Tatsache, dass man Zwangsarbeit nicht ausschließen könne. In der Folge passierte erst einmal nicht viel – bis kürzlich ein regelrechter Sturm losbrach.

Der schwedische Textilkonzern H&M erklärte vor einigen Wochen, Konsequenzen aus den Nachhaltigkeitsbedenken gegenüber chinesischer Baumwolle zu ziehen. "Das löste in China einen gigantischen Shitstorm im Internet aus", erzählt Vorndran. Und nicht nur dort: "Unsere chinesische Analystin Shenwei Li hat uns auf Proteste vor den Filialen aufmerksam gemacht, die in unseren westlichen Medien kaum beachtet wurden."

Westliche Sportartikelhersteller, die eine ähnliche Linie vertreten wie H&M, bekommen inzwischen ebenfalls den Zorn der chinesischen Verbraucher zu spüren. Der Sohn einer Bekannten der FvS-Analystin habe sich in der Schule sogar vor versammelter Klasse für seine Nike-Turnschuhe entschuldigen und versprechen müssen, künftig nur noch chinesische Schuhe zu tragen.

Chinesen verdammen westliche Marken
"Es wäre verheerend, wenn das Tragen westlicher Marken, das bisher in China als Statussymbol galt, künftig in der öffentlichen Wahrnehmung als verdammenswert eingestuft würde", sagt Vorndran. Zugleich sei offensichtlich, dass Pekings harte China-First-Linie von weiten Teilen des chinesischen Volkes mitgetragen werde. "Viele Chinesen sind anscheinend sehr nationalistisch und diese Einstellung wird zunehmend radikaler vertreten", befürchtet der Stratege. Kritik an der Situation der Uiguren wird als unzulässige Einmischung des Westens verstanden.

Höhere Risikoprämien notwendig?
Der Dauerkonflikt mit den USA schwelt unterdessen weiter. "Womöglich ist künftig ein Malus bei Unternehmen mit starkem China-Geschäft einzupreisen", sagt Vorndran. Dieses Beispiel zeigt seiner Meinung nach gut, wie stark die Geopolitik die Wirtschaft beeinflussen kann. "Auseinandersetzungen in Handelsfragen sind ein Symptom eines viel größeren Konflikts", so der Stratege. "Die USA und China ringen um nichts weniger als die globale Hegemonie." Dieses Ringen könnte auch in Europa für weitere Turbulenzen sorgen. (fp)

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