Fachkräftemangel: Sparkassen holen immer mehr Quereinsteiger
Die Sparkassen bilden mehr und mehr Quereinsteiger zu Bankern aus, um die personellen Lücken zu füllen, die durch den demografischen Wandel entstehen.

Eckpunkte:
- Sparkassen holen mehr Quereinsteiger angesichts Fachkräftemangel
- Bei einer entsprechenden Schulung wurden zuletzt zehnmal mehr Menschen ausgebildet als früher
Großes Interesse
Angesichts von demografischem Wandel und Fachkräftemangel setzen viele Sparkassen auf Quereinsteiger. Bei der Sparkassenakademie Bayern ist die Teilnehmeranzahl bei entsprechenden Weiterbildungen stark gestiegen. Darüber informiert Bloomberg.
Zuletzt nahmen bei der Einrichtung mit Sitz in Landshut “215 Menschen an unserer Qualifizierung zum Sparkassenkaufmann- beziehungsweise Sparkassenkauffrau teil”, sagte Carmen Vilsmeier, stellvertretende Leiterin der Akademie, im Interview mit Bloomberg. “Das ist eine Verzehnfachung gegenüber 2020 oder auch 2015.“
Es handelt sich dabei um eine Weiterbildung für Quereinsteiger ohne bankkaufmännische Ausbildung, die sich zunächst direkt bei einer Sparkasse vor Ort bewerben. Voraussetzung ist in der Regel eine kaufmännische oder eine vergleichbare Ausbildung. Werden sie angenommen, durchlaufen sie das Akademie-Programm.
Personelle Lücken müssen gefüllt werden
“Hinter der Zunahme der Teilnehmer steht in erster Linie der Fachkräftemangel, aber auch die Tatsache, dass die Sparkassen in Bayern zuletzt weniger junge Leute ausbilden konnten, als sie wollten”, sagte Vilsmeier mit Verweis auf die Bewerberzahlen. Zugleich dürften sich in vielen Häusern in den nächsten zehn Jahren zahlreiche Mitarbeiter in den Ruhestand verabschieden. Es müssen viele Stellen wegen der Demografie nachbesetzt werden.
Die Qualifizierung läuft ein Jahr und findet berufsbegleitend statt. Einen Großteil des Unterrichts bietet die Akademie in Präsenz in Landshut an, teilweise findet er aber auch bei den Sparkassen vor Ort statt, sofern die jeweiligen Klassen groß genug sind. Letzteres war zuletzt bei insgesamt sieben bayerischen Sparkassen der Fall.
Bunte Mischung
Etwa ein Drittel der Teilnehmer sind klassische Umschüler, die beispielsweise aus dem Einzelhandel oder der Reisebranche kommen. Hinter einem weiteren Drittel stehen Studienaussteiger oder Studienabsolventen, die eine praktische Ausbildung machen wollen, um bankwirtschaftliche Kenntnisse zu erwerben. Und das letzte “Drittel sind Immigranten, deren Abschlüsse in Deutschland zum Teil nicht anerkannt werden”, sagte Vilsmeier.
Ihren Worten zufolge sind etwa zwei Drittel der Teilnehmer Frauen. Beim Alter sei alles von 20 bis 58 Jahren dabei.
Die Quereinsteiger kommen nach ihrer Weiterqualifizierung in der Regel im Service oder in der Kundenberatung zum Einsatz. Für viele geht die berufliche Reise aber noch weiter. Sie machen Vilsmeier zufolge zusätzlich den Abschluss zum Sparkassenfachwirt, “um ihre Karrierechancen zu erhöhen”.
Finanziert wird die berufsbegleitende Qualifizierung zum Sparkassenkaufmann von den Sparkassen vor Ort. Die Kosten liegen bei mehreren tausend Euro pro Teilnehmer. Die Sparkassenakademie Bayern selbst ist ein Geschäftsbereich des Sparkassenverbandes Bayern. (aa)