EZB: Schnabel vor Absprung, Nachfolgediskussion wird intensiver
Der nächste Wechsel in der Führung der EZB zeichnet sich ab: EZB-Direktorin Isabel Schnabel soll bereits im Januar 2027 zum IWF gehen. Damit muss die EU früher als geplant über mehrere Spitzenposten in Frankfurt entscheiden.

Eckpunkte:
- Der vorzeitige Abgang von Isabel Schnabel befeuert die Personalspekulationen
- Das hat auch Auswirkungen auf eine mögliche Kandidatur von Joachim Nagel
EZB-Direktorin Isabel Schnabel soll die Europäische Zentralbank vorzeitig verlassen und einen Spitzenposten beim Internationalen Währungsfonds übernehmen. Wie mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten, wurde die 55-Jährige zur Direktorin der Abteilung für Geld- und Kapitalmärkte ausgewählt.
Der Wechsel soll bereits im Januar erfolgen – knapp ein Jahr vor dem regulären Ende ihrer achtjährigen Amtszeit im Dezember 2027. Schnabel würde beim IWF auf Tobias Adrian folgen. Sprecher von EZB und Währungsfonds wollten sich nicht äußern. Darüber informiert Bloomberg News.
Führungswechsel gewinnt an Dringlichkeit
Schnabels vorzeitiger Abgang erhöht den Zeitdruck beim bevorstehenden Umbau der EZB-Führung. Auch die Amtszeiten von Präsidentin Christine Lagarde und Chefvolkswirt Philip Lane enden 2027. Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union könnten versuchen, sich bereits bei einem Gipfel im Dezember auf die Besetzung aller drei Posten zu verständigen.
Frankreich und Deutschland wollen ihre Präsenz im sechsköpfigen EZB-Direktorium sichern. Spanien drängt ebenfalls auf einen Sitz, nachdem Vizepräsident Luis de Guindos Anfang dieses Jahres ausgeschieden ist.
Lagarde hat angekündigt, die EZB 2027 zu verlassen, aber offengelassen, ob sie ihre Amtszeit bis Oktober vollständig erfüllt. Sie gilt zugleich als Kandidatin für die Leitung des Weltwirtschaftsforums. Als Favoriten für ihre Nachfolge bei der EZB werden der frühere niederländische Notenbankchef Klaas Knot und Spaniens ehemaliger Zentralbankpräsident Pablo Hernández de Cos gehandelt.
Deutschland muss Prioritäten setzen
Schnabel hatte sich grundsätzlich bereit gezeigt, Lagarde nachzufolgen, zählte aber nicht zum engeren Favoritenkreis. Zuletzt gehörte sie zu den entschiedensten Befürwortern einer strafferen Geldpolitik. Sie unterstützte die beiden Zinserhöhungen seit Beginn des Iran-Kriegs und deutete an, dass wegen der steigenden Energiepreise weitere Schritte notwendig werden könnten.
Ihr Wechsel zum IWF erhöht den Druck auf Berlin, seine personellen Prioritäten festzulegen. Bundesbankpräsident Joachim Nagel interessiert sich für die EZB-Präsidentschaft. Dass mit Ursula von der Leyen bereits eine Deutsche an der Spitze der Europäischen Kommission steht, gilt jedoch als wesentliches Hindernis. Deutschland könnte sich daher auf einen der anderen frei werdenden Direktoriumsposten konzentrieren.
Zusätzlich dürfte die Geschlechterverteilung eine Rolle spielen: Mit Schnabel würde eine weitere Frau aus der EZB-Führung ausscheiden, während für die Nachfolge Lagardes derzeit vor allem Männer als Favoriten gelten. (mb/Bloomberg)


