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Exklusivinterview mit dem Neo-Unternehmer Tindaro Siragusano von 7orca

Tindaro Siragusano, Mit-Gründer des neuen Asset Managers 7orca, spricht mit "Institutional Money" über die effiziente und kostengünstige Umsetzung von Währungs-Overlay-Strategien und warum immer mehr institutionelle Investoren diese Dienstleistung benötigen.

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Tindaro Siragusano, Mit-Gründer des neuen Asset Managers 7orca: "Wir haben 7orca nicht alleine gegründet und finanziert, sondern professionelle, gute Partner mit an Bord genommen. Das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin ist bei uns beteiligt und hat uns nicht nur Eigenkapital, sondern auch Genusskapital zur Verfügung gestellt; und sie geben uns auch das erste Mandat."
© Siragusano

Vor wenigen Tagen erhielt der neu gegründete Asset Manager 7orca aus Hamburg seine BaFin-Lizenz als Finanzdienstleister nach § 32 KWG. Der unabhängige Asset Manager wurde durch sieben Partner gegründet, die sich aus ihrer vorherigen beruflichen Tätigkeit in der Berenberg Bank kennen (Institutional Money berichtete). Dienstag dieser Arbeitwoche startet das erste Mandat in Höhe von 300 Millionen Euro. Das ist Grund genug für "Instutional Money", bei Tindaro Siragusano, CEO von 7orca, nachzufragen, wie der Start seines Unternehemens lief, welche Pläne er hat und warum institutionelle Investoren ein gutes Währungs-Overlay-Management benötigen.

IM: Sie bieten Overlay-Strategien an. Was genau verstehen Sie darunter?
Tindaro Siragusano: Bei Overlay Management handelt es sich um das Steuern von Marktpreisrisiken, ohne das risikoerzeugende Asset selbst zu verändern. Ein Beispiel: Wenn Sie für zehn Millionen US-Dollar S&P kaufen, haben Sie nicht nur zehn Millionen Aktienrisiko, sondern auch zehn Millionen Währungsrisiko. Beim Overlay Management steuert man eins dieser Risiken separat über Derivate. Es wird dann an zentraler Stelle von einem Manager gesteuert. Im Regelfall steuert man das Währungsrisiko, aber es gibt auch Aktien- oder Durations-Overlay-Strategien.

Wieso rücken Overlay-Strategien derzeit vermehrt in den Vordergrund?
Siragusano: Vor zehn oder 15 Jahren, als man noch sechs Prozent für eine Bundesanleihe bekam, gab es keinen Drang, breit zu investieren. Im heutigen Umfeld suchen Investoren aber dringend Rendite und erschließen sich Renditequellen über eine breite Diversifikation in Infrastruktur, Emerging Markets, High Yields, etc. Investoren müssen also globale Renditequellen anzapfen. Das Problem dabei ist, dass dadurch auch das Currency Risiko steigt. Dies ist sozusagen der „uninvited guest to the party“. Während früher ein durchschnittliches institutionelles Depot fünf Prozent Währungsrisiko beinhaltete, ist der Anteil heute substanziell angestiegen und liegt geschätzt zwischen 15 und 20 Prozent der Assets. Das Fremdwährungsrisiko ist aber nicht etwa breit diversifiziert, sondern von den 20 Prozent sind vielleicht 19 Prozent im US-Dollar. Investoren haben also eine singuläre Abhängigkeit vom US-Dollar.


Redaktioneller Hinweis: Wie institutionelle Investoren Währungs-, aber auch andere Risiken bestmöglich managen können, wird in zahlreichen Vorträgen und Workshops am 11. Institutional Money-Kongress, der Ende Februar 2018 in Frankfurt stattfindet, ausführlich erörtert. Eine Anmeldemöglichkeit bzw. mehr Informationen finden Sie HIER.


Wie ist man denn in der Vergangenheit mit den FX-Risiken umgegangen, auch wenn sie vom Anteil her geringer waren?
Siragusano: Früher hat der Credit- oder der Aktienmanager das FX-Risiko mit gemanagt. Jetzt, wo die Risiken gestiegen sind, gibt man es lieber an einen spezialisierten Currency Manager. Der managt es entweder passiv oder aktiv. Ich glaube, das wird über die nächsten Jahre ein zunehmend größeres Thema in Europa. In anderen Regionen ist FX-Management viel dominanter, z.B. in Australien. Australien ist eine relativ kleine Volkswirtschaft mit großen institutionellen Assets. Diese enthalten rund 70 Prozent FX-Risiken, die daher auch gemanagt werden.

Was ist die häufigere Zielsetzung für Overlay-Strategien, die an Sie herangetragen wird: Absicherung oder Gewinnerzielung?
Siragusano: Das kann stark variieren. Es gibt ja passives FX-Management mit einer konstanten Sicherungsquote. Wenn Sie 100 Millionen US-Dollar Credits haben, wird auch immer 100 Millionen gesichert. Bei einem passiven Overlay ist es unsere Aufgabe, die Sicherung so optimal bzw. kostengünstig wie möglich zu implementieren. Zusätzlich beraten wir den Kunden, welche konstante Sicherungsquote effizient ist. Bei Aktien geht man vielleicht eher auf eine 50-prozentige Sicherungsquote, weil man hier sowieso mit einer höheren Volatilität rechnet. Beim aktiven Overlay wird die Sicherungsquote im Zeitablauf von uns aktiv gemanagt. Wenn der US-Dollar steigt, brauchen Sie keine Sicherung, und wenn er fällt, brauchen Sie eine hohe Sicherungsquote. Wir erzeugen also ein asymmetrisches Profil.

Und mit welcher Art Mandat rechnen Sie häufiger?
Siragusano: Jeder Investor schaut sich beides an. Gängig ist, dass ein Investor erst einmal ein passives FX-Overlay-Mandat vergibt. Wir fassen dann die aggregierten Risiken im Masterfonds zentral zusammen; das ist der erste Schritt und bereits ein Erkenntnis-Gewinn. Wenn wir diese Information haben, kann ich das Exposure auch aktiv bewirtschaften. Wir erleben oft, dass Kunden 70 Prozent ihres FX-Risikos passiv gesichert haben wollen und wir 30 Prozent dynamisch managen sollen. Schließlich beinhaltet FX-Exposure auch eine Performance-Opportunität, und dazu schaut man sich dann die Performance des Managers in dieser Hinsicht an. Es geht hier nicht darum, Währung als eigene Assetklasse zu sehen, sondern um eine dynamische Bewirtschaftung dieses Risikos.

Welche Instrumente setzt 7orca fürs Währungs- Overlay-Management ein?
Siragusano: Im Wesentlichen gibt es zwei Instrumentengruppen. Klassisch sind es Devisentermingeschäfte, also FX-OTC-Geschäfte – das war zumindest bisher das Gängigste. Mit der Regulatorik wie EMIR, MiFid II, sind aber gewisse Ansprüche an solche Devisentermingeschäfte hinzugekommen. Als zweites Instrument gibt es börsengehandelte FX Futures, Währungsfutures, ähnlich wie wir sie vom Bund-Future her kennen. Der Euro-Dollar-Future ist extrem liquide, mit einem täglichen Handelsvolumen von 25 bis 35 Milliarden US-Dollar. Das ist ein sehr standardisiertes, kostengünstiges Instrument. Wir als 7orca bieten als Hedginginstrumente entweder reine Forwards, reine Futures, und auch Mischlösungen an.

Was ist an technischer Ausstattung notwendig, um Währungs-Overlay zu betreiben?
Siragusano: Wir brauchen eine gute Technologie-Plattform. Hier haben wir extrem investiert und ein state-of-the art-setup aufgebaut. Unsere Portfoliomanagement-Plattform hat Anbindungen an alle relevanten Broker, so erreichen wir ein optimales Pricing. „Best Execution“ ist für uns also kein Problem. Wir haben den Schritt in die Selbständigkeit aber auch genutzt, um neu darüber nachzudenken, wie die Workflows und der Investmentprozess sein müssen.

Und was ist an Know How notwendig, um Währungs-Overlay zu betreiben?
Siragusano: Sehr wichtig ist im FX-Overlay Erfahrung. Währungsmärkte sind ein „strange animal“, denn sie funktionieren anders als Aktien- und Rentenmärkte. Sie finden nicht viele Währungsmanager, die das ausschließlich machen. Für viele sind Währungen ein Bei-Produkt, aber dann ist das kein professioneller Ansatz. Mit Währungsrisiken müssen Sie sich auskennen, um es gut zu managen, und dazu brauchen Sie viel Erfahrung. Außerdem ist beim aktiven FX-Management ein guter Investment-Prozess wichtig. Auch die Preisbildung an den Märkten ist anders als bei Aktien und Zinsen. Bei Währungen tummeln sich die unterschiedlichsten Player am Markt: Touristen, Notenbanken, Unternehmen. Die Marktteilnehmer haben also eine sehr heterogene Struktur, was besondere Auswirkungen auf den Investmentprozess hat. Wir lösen das über quantitative Modelle. Unser Team hat seit mehr als 15 Jahren Erfahrung.

Was kostet ein Overlay-Mandat? Bzw. in welcher Price-Range liegen die Vereinbarungen?
Siragusano: Im Währungs-Management gibt es etliche Parameter die die Price-Range bestimmen, etwa ob es ein aktives oder passives Mandat ist, wie groß das Mandat ist, auf die Anzahl der Währungen. In der Vergangenheit hatten wir es beispielsweise mit Mandaten zu tun, die bis zu 25 Währungspaaren beinhalteten. Außerdem kommt es darauf an, welche weiteren Aufgaben der Währungsmanager übernimmt. Entsprechend weit ist die Price-Range. Sie liegt bei passiven Mandaten im einstelligen Basispunktbereich und im aktiven Bereich je nach Komplexität im untersten zweistelligen Basispunktbereich – bezogen auf das aggregierte Währungsrisiko.

Diese Kosten kommen bei einem Masterfonds dann noch obendrauf?
Siragusano: Generell liegen die Kosten im Overlay Management niedriger als für ein Aktien- oder Emerging Bond-Mandat. Der Vorteil bei der Mandatierung eines spezialisierten Overlay-Managers ist, dass der underlying Manager – z.B. für das Aktien-Mandat - das ja nicht mehr machen muss! Durch das Aufbrechen der Wertschöpfungskette macht jeder das, was er besonders gut kann. Idealerweise hat man im Resultat nicht unbedingt mehr Kosten, sondern sie sind nur anders verteilt, und so haben sie vielleicht den besten Equity- und den besten Währungs-Manager zu insgesamt vergleichbaren Kosten.

Und die Kosten der reinen Absicherung?
Siragusano: Das hängt natürlich von der Zinsdifferenz ab. Derzeit kostet eine Absicherung des US-Dollar zwischen 2,1 und 2,2 Prozent – das ist die Differenz zwischen den Zinsen auf den US-Dollar und dem Euro. Sichern kostet also Geld, weil Sie quasi den Dollar-Zins in einen Euro-Zins überführen. Durch ein smartes Management können Sie hier aber auch Opportunität nutzen.

Sie betonen, dass 7orca unabhängig ist. Warum ist das vorteilhaft?
Siragusano: Unabhängigkeit ist wichtig. Sie bedeutet nämlich, dass wir keine Interessenkonflikte haben. Wir haben keine Interessen am Handel oder an den eingesetzten Instrumenten. Die Performance des Kunden ist für uns zentral und die einzige Einkommensquelle. Das bedeutet, dass wir sehr fokussiert unterwegs sind. Unsere Manager sind beteiligt an der Firma und zeigen Commitment. Für unsere Kunden ist es wichtig zu wissen, dass wir Interessensgleichheit haben.

Als neuer Asset Manager ist es wichtig darzustellen, dass man langfristig am Market bleiben wird, und das trotz hoher notwendiger Investitionen. Wie ist hier Ihre Argumentation.
Das ist der Grund für unsere Unternehmensstruktur. Wir haben 7orca nicht alleine gegründet und finanziert, sondern professionelle, gute Partner mit an Bord genommen. Das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin ist bei uns beteiligt und hat uns nicht nur Eigenkapital, sondern auch Genusskapital zur Verfügung gestellt; und sie geben uns auch das erste Mandat. Und Assenagon hat uns nicht nur Equity zur Verfügung gestellt, sondern hilft uns darüber hinaus durch Know How, Synergien und einen engen Austausch. Das bedeutet, dass unsere Firma finanziell gut ausgestattet ist. Wir sind nicht fünf Leute in der Garage mit einem Startup, sondern haben eine Dienstleistung, die wir professionell und langfristig liefern können.

Was macht 7orca außer FX-Management noch?
Siragusano: Neben FX-Management machen wir auch Short Volatility. Wir legten am Montag, den 4. Dezember unseren ersten Fonds auf. Hier vereinnahmen wir Volatilitätsprämien, um eine marktneutrale Performance zu erzielen. Nach meiner Kenntnis sind wir die Einzigen, die eine Short-Vola-Strategie auf Aktien, Zinsen und Währungen anbieten, also eine globale Multi-Asset-Volatilitätsstrategie.

Vielen Dank für das Gespräch! (ad/aa)

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