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Exklusiver Bericht vom CFA-Herbst-Event plus Fotogalerie

Auf der jüngsten Herbstveranstaltung der CFA Austria Society wurde der übergeordneten Frage nachgegangen, ob FinTechs eine Ergänzung oder ein Substitut für etablierte Player in der Finanzbranche sind. Zwei Vorträge sowie eine hochkarätige Podiumsdiskussion gaben darauf die entscheidenden Antworten.

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Das Thema „FinTechs“ sorgt für großes Interesse bei CFAs.

Wer aller bei der Podiumsdiskussion teilnahm und welchen interessanten Background die Diskutanten haben, können Sie einer Bildergalerie entnehmen. Einfach weiterklicken!

Und welche Investoren und CFAs als Besucher vor Ort waren, finden Sie in einer Fotogalerie, in die Sie über einen Banner im Haupttext gelangen!
 
© Sabine Klimt

Das diesjährige Herbst-Event der CFA Austria Society in Wien stand unter dem Motto „FinTechs: Ergänzung oder Substitut für etablierte Player?“ und lockte zahlreiche CFAs und Branchenvertreter an.

Der grundlegende Tenor der Veranstaltung: Während vor wenigen Jahren FinTechs noch als „Zerstörer“ wahrgenommen wurden, scheinen sich viele der „Jungen Wilden“ mit den etablierten Branchen-Playern zu arrangieren und mit diesen gute Geschäfte zu machen. Diese Kooperationen sind für beide Seiten vorteilhaft und könnten gerade die überlebenden Gewinner dieses derzeitigen Strukturwandels für institutionelle Investoren besonders interessant machen.

Wer aller auf die von Fidelity International gesponserte CFA-Veranstaltung kam, können Sie einer exklusiven Fotogalerie entnehmen.

Zwei Vorträge, eine Podiumsdiskussion
Nach einleitenden Worten von CFA-Austria Präsident Harald Holzer und Fidelitys Dr. Adam Lessing ging Markus Böhme, Managing Partner von Accenture Austria in der ersten Keynote-Speech auf die Zukunftsaussichten der Finanzindustrie ein.

Im zweiten Vortrag präsentierte Andreas Schwarzenbrunner von Speedinvest jene „Hotspots“, die bei FinTech-Investoren derzeit en vogue sind.

Vieles diskussionswürdig
Das Highlight der CFA-Veranstaltung war sicherlich die über eine Stunde dauernde, von Lukas Sustale (NZZ) moderierte Podiumsdiskussion, die der entscheidenden Frage nachging, ob Fintechs nun tatsächlich etablierte Player in der Finanzindustrie ersetzen oder nur eine willkommene Ergänzung sind.

Redaktioneller Hinweis: Welche interessanten FinTech-Experten die CFA für die Podiumsdiskussion gewinnen konnte und welchen Background die Diskutanten vorweisen können, erfahren Sie in der Bildergalerie ganz oben.

So sieht sich cashpresso-Geschäftsführer Daniel Strieder in der ersten Wortmeldung am Podium weniger als Angreifer auf Banken, sondern vielmehr als Kooperationspartner. Seine Firma arbeite schließlich mit Banken zusammen, da er für Banken Kredite vergibt. Ein wenig „Angriffslust“ ist dem „Jungen Wilden“ doch noch verblieben: „Wir treiben Banken vor uns her, weil wir viele von deren Geschäfte besser und schneller machen.“

Stefan Kainz, bis vor kurzem Vorstand von wikofolio und nunmehr Managing Partner seines eigenen Unternehmens „Growth Ninjas“, sieht im Bereich Vermögensanlage noch viel Potenzial für FinTechs. Er betonte den beiderseitigen Nutzen für FinTechs wie wikifolio und etablierte Broker: So seien wikifolio-Kunden mittlerweile bei Brokern sehr willkommen, weil diese überdurchschnittlich viel Traden und damit Brokergebühren generieren würden.

Daniel Horak, Vorstand bei Conda, sieht vor allem in der Mezzanin-Finanzierung viel Geschäftspotenzial für FinTechs. Dies käme über einen Umweg schlussendlich aber auch Banken zu Gute: Nachdem Finanzinstitute vor einigen Jahren noch wenig von Crowd-Financing hielten, würde viele Geldhäuser Fremdkapitalbedürftige Kleinunternehmen inzwischen an FinTechs wie Conda weiterempfehlen, damit diese Firmen überleben können und zu einem späteren Zeitpunkt willkommene Kunden für größere Bankkredite sind. „Fintechs wie Conda machen viele kleine Unternehmen erst „bankable“ für Finanzinstitute“, erklärte Horak.

Auf einen interessanten Aspekt wies Isabella Hermann-Schön, Geschäftsführerin von Round2Cap hin: Viele FinTechs würden die Finanzbranche revolutionieren wollen, seien aber selbst als Unternehmen aus Finanzierungssicht äußerst konservativ und würden entweder klassische Bankkredite oder Venture Capital in Anspruch nehmen.

Banken sorgen für Big Data Fantasie
Banken haben laut Kainz gegenüber FinTechs den Vorteil, über viele Daten zum Kundenverhalten zu Verfügen. Daher sei Kooperation für beide Seiten sinnvoll. Dem stimmte Markus Kapun, Head of Digital Banking bei der BAWAG P.S.K., zu „In der Analyse von Kundendaten sehe ich viel Potenzial für FinTechs“ und verwies darauf, dass die BAWAG mittlerweile auf diversen Gebieten mit FinTechs zusammenarbeitet und sich durchaus weitere Kooperationen mit FinTechs vorstellen kann. Kapun erachtet FinTechs daher nicht als Grund für einen möglichen Untergang des Bankensektors, sondern als Kooperationspartner. Vor den Hintergrund eines sich intensivierenden Wettbewerbs sei es laut Kaput jedoch entscheidend, mehr auf die eigenen Kunden zuzugehen: „Wir Banken müssen aufwachen, Kunden wieder mehr zuhören und deren Nutzen in den Mittelpunkt stellen.“

Es zählt nur Convenience und Geschwindigkeit
Ins gleiche Horn stieß auch Strieder, der auf den rasanten technologischen Wandel verwies. Seiner Ansicht nach würden viele Bürger in wenigen Jahren nicht mehr mehrere Kreditkarten im Portemonnaie haben, sondern über ein, zwei Apps am Smartphone online bezahlen. „Für den Kunden zählt nur Convenience und Geschwindigkeit.“

Daher werden zukünftig große Technologiekonzerne wie Apple, Google oder Samsung aufgrund ihrer Kapitalstärke eine bedeutende Rolle im Finanzsystem spielen. Denn wenn diese US-Giganten den europäischen Markt betreten sollten, könnten diese trotz hoher und wohl auch langjähriger Anlaufverluste bis zum Erreichen der Profitabilität durchhalten und damit europäischen Banken ernsthaft Probleme bereiten.

Heimische FinTechs haben es schwer
Problematisch sei laut den Diskutanten die Kapitalversorgung österreichischer FinTechs: So erinnerte Isabella Hermann-Schön daran, dass sobald ein FinTech eine gewisse kritische Größe erreicht und in einer Finanzierungsrunde verhältnismäßig viel Kapital für den entscheidenden Expansionsschritt benötigt, es in Österreich vielfach an finanzkräftigen Investoren fehlt. In diesem Fall würde Round2Cap bei der Finanzierung in die Bresche springen und sich am FinTech über eine Umsatzbeteiligung engagieren. Dem stimmte Strieder zu. „Die ersten paar Finanzierungsrunden sind kein Problem. Die Folgerunden bzw. die Anschlussfinanzierungen werden jedoch schwierig“.

Diskutiert wurde des Weiteren über die Schwierigkeit vieler FinTechs, geeignete Programmierer in Österreich rekrutieren zu können sowie über die mangelhafte Technologieausbildung im heimischen Bildungssystem, das den heutigen Anforderungen in keiner Weise gerecht werde.

Aber auch die hohen Hürden, die seitens der Aufsichten FinTechs in den Weg gelegt werden würden, wurden intensiv erörtert. Es wurde darauf verwiesen, dass ausländische Aufsichten aufgrund ihrer im Vergleich zu Österreich aufgeschlosseneren und besseren Gesetzesgeber FinTechs viel mehr Freiheiten zustehen können als in der Alpenrepublik. Als positive Beispiele wurden Länder wie Großbritannien oder die Schweiz respektive einige ihrer Kantone genannt. Manche ausländische Aufsichten und Behörden seien mittlerweile sehr „Unternehmerfreundlich“ und rufen proaktiv ausländische FinTechs an, um ihnen eine Verlagerung des Firmensitzes in ihren Hoheitsbereich schmackhaft zu machen.

In Österreich gäbe es dagegen für FinTechs nicht einmal geeignete Formulare für den Gründungsantrag und auch die Frage nach dem „richtigen“ zu beantragenden Gewerbeschein sei eine große Herausforderung. Dafür könnte es sein, dass die Aufsicht bereits zwei Tage nach der Gründung eine Prüfung ankündigt. „Wer in Österreich trotz Bürokratie eine Gründung schafft und überlebt, der kann sich überall auf der Welt behaupten“, ergänzte Horak.

FinTechs – die weißen Ritter für die Banken?
Dass FinTechs Banken bei der Rationalisierung vieler interner Prozesse helfen und damit zukunftsfit machen können, war einhelliger Tenor aller Diskutanten. So erzählte ein wohl nicht an dieser Stelle genannt werden wollender Diskussionsteilnehmer, dass er bei seiner Hausbank, bei der er seit vielen Jahren Kunde ist, im Rahmen einer Geschäftsausweitung u.a. auch mehr Kreditrahmen benötigte. Das ganze Prozedere dauerte mehr als 45 Minuten und er musste einen Stapel Formulare unterschreiben - aber nicht nur einmal, sondern mit gezählten 17 Unterschriften! Dieser Stapel an Papieren wird dann im Backoffice-Bereich von einem Mitarbeiter ins System eingepflegt.

Diese repetitive und unproduktive Verwaltungsarbeit könnten FinTechs zukünftig substituieren und Banken damit bei der Kostenreduzierung helfen. Spätestens an dieser Stelle sollten Investoren hellhörig werden und aufgrund dieser zukünftigen Effizienzsteigerungen Banken und Versicherungen wieder auf die Kauflisten setzen. (aa)

 

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