DWS stellt Millionensumme für mögliche ESG-Zahlungen zurück
Das Fondshaus der Deutschen Bank hat 27 Millionen Euro zurückgestellt, um mögliche Greenwashing-Strafen möglichst periodengerecht zu verbuchen. Bereits seit zwei Jahren sieht sich die Firma mit entsprechenden Untersuchungen konfrontiert.

Die DWS Group agiert vorausschauend und legt für allfällige, zukünftige Zahlungen ca. 27 Millionen Euro zur Seite. Die DWS Group hat die Rückstellungen, die zum 30. Juni unter der Rubrik “Sonstige” ausgewiesen wurden, im Rahmen der Veröffentlichung der Ergebnisse für das zweite Quartal am Mittwoch bekannt gegeben. Der überwiegende Teil dieser Rückstellungen diene dazu, die erwarteten Vergleiche aus mehreren Untersuchungen in den USA und Deutschland abzudecken, so eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Das schreibt Bloomberg News.
SEC schaut bei der DWS besonders genau hin
Das Unternehmen befindet sich in andauernden Vergleichsgesprächen mit der US-Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC), wobei das endgültige Ergebnis noch nicht feststehe, so die DWS in einem Bericht. Andere Untersuchungen seien ebenfalls im Gange, auch hier sei der Ausgang noch offen. Die DWS erwarte nicht, dass eines dieser Verfahren signifikante Auswirkungen auf die Finanzzahlen der DWS haben wird, hieß es seitens des Unternehmens.
Vor zwei Jahren ging die ehemalige Nachhaltigkeitsbeauftragte der DWS Desiree Fixler an die Öffentlichkeit und behauptete, der Vermögensverwalter habe seine ESG-Kennzahlen aufgebläht. Seither steht dieser unter der Beobachtung verschiedener Behörden, darunter auch der SEC. Die Anschuldigungen und die anschließenden Untersuchungen haben den DWS-Aktienkurs seit dem 25. August 2021 um rund 27 Prozent einbrechen lassen.
"Überschwänglich"
Die DWS hat Fixlers Behauptungen von Anfang an zurückgewiesen. Der Vorstandsvorsitzende Stefan Hoops stellte sich hinter die Offenlegungen, die Gegenstand der Ermittlungen sind, bezeichnete einige der früheren Marketing-Behauptungen des Unternehmens jedoch als möglicherweise zu “überschwänglich”.
Obwohl eine Geldbuße von weniger als 30 Millionen Euro für die DWS überschaubar sein dürfte, könnte es sich um die höchste handeln, die die SEC jemals wegen eines Greenwashing-Vorwurfs verhängt hat.
Der Vermögensverwalter der Bank of New York Mellon war der erste in der Branche, der in dieser Angelegenheit bestraft wurde. Die SEC hat ihn im Mai 2022 zur Zahlung von 1,5 Millionen Dollar gezwungen, gefolgt von einer Geldstrafe von vier Millionen Dollar für die Investmentsparte der Goldman Sachs Group im November.
SEC-Chef Gary Gensler konzentriert sich inzwischen verstärkt auf die ESG-Praktiken von Vermögensverwaltern. 2021 wurde eine Task Force eingerichtet, um mögliche Verstöße zu untersuchen.
Neben der SEC schlossen sich auch die BaFin, das US-Justizministerium und die deutsche Staatsanwaltschaft an, die Behauptungen von Fixler zu untersuchten. (aa)



