Deutsche Bank reduziert Schlagzahl im Bereich....
Deutschlands größtes börsennotiertes Geldhaus geht im Bereich Leveraged-Finance-Deals vom Gaspedal. Das liegt nicht nur an einem schwierigen Marktumfeld, sondern auch am Regulator, der zur Risikoreduktion mahnte.

Fast wäre das Geschäft schief gelaufen, Investoren wollten die Papiere einfach nicht. Als die Deutsche Bank versuchte, risikoreiche Schuldtitel im Wert von 4,3 Milliarden Dollar (3,7 Milliarden Euro) für eine Private-Equity-Firma zu platzieren, die zwei Glücksspielunternehmen kaufen wollte, bissen Käufer nicht an. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen. Das Finanzinstitut sah sich laut Bloomberg gezwungen, die Konditionen zu verbessern unter anderem durch attraktivere Preise und zusätzliche Sicherheiten. So gelang es schließlich, die Platzierung doch noch abzuschließen. Die Transaktion, gedacht für den Kauf einer Sparte von International Game Technology durch Finanzinvestor Apollo Global Management, sei nicht der einzige Leveraged-Finance-Deal der Deutschen Bank, der zuletzt Probleme machte, wie Bloomberg anmerkt.
Andere Prioritäten
Einst regelmäßig unter den fünf größten Anbietern im Segment, hat die
Deutsche Bank Bloomberg zufolge in den vergangenen Jahren Marktanteile verloren. Gründe dafür seien strategische Weichenstellungen unter CEO Christian Sewing und regulatorischer Druck, Risiken in diesem Bereich zu verringern, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber der Nachrichtenagentur.
Diese Entwicklung habe dazu geführt, dass die Bank Kapital selektiver in risikoreiche, margenstarke Geschäfte einsetze, so die Personen weiter. Zudem habe der Strategiewechsel einen spürbaren Abfluss von Fachkräften ausgelöst, dem das Management nun entgegenwirken wolle.
Im bisherigen Jahresverlauf belegte die Bank im Leveraged Finance den achten Platz und war laut Bloomberg-Daten an 3,6 Prozent der weltweiten Transaktionen beteiligt. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber 2014, als sie noch Marktführer mit einem Anteil von rund neun Prozent war (siehe Grafik unten). Ein ähnlicher Trend zeigt sich bei den Erträgen.
Abschreibungen
Einige von der Deutschen Bank gezeichnete Hochzinsfremdkapital-Deals entwickeln sich inzwischen negativ. Im am Donnerstag veröffentlichten Quartalsbericht meldete das Institut sinkende Einnahmen im Leveraged-Finance-Geschäft sowie Abschreibungen auf nicht platzierte Schuldtitel.
“Es war ein schwächeres Quartal für die Fremdkapitalmärkte und ein noch schwächeres Quartal für die Leveraged-Debt-Kapitalmärkte”, sagte Finanzvorstand James von Moltke vergangene Woche bei der Vorlage der Quartalszahlen. Infolge dessen habe die Bank ihre Strategie angepasst.
Konkrete Zahlen nannte das Institut nicht. Bloomberg-Daten zufolge gingen die Einnahmen im europäischen Leveraged Finance Geschäft in den ersten sechs Monaten des Jahres um 35 Prozent auf 74 Millionen Euro zurück, in den USA um 27 Prozent auf 145 Millionen Dollar.
Die Abschreibungen auf schlechte Deals fielen laut von Moltke im zweiten Quartal geringer aus als im ersten Quartal, als die Bank eine Belastung von 90 Millionen Euro gemeldet hatte, ohne Details zur betroffenen Transaktion zu nennen.
Gegenwind
Die Deutsche Bank galt über Jahrzehnte als Schwergewicht im Leveraged Finance, doch der Abstieg begann laut Bloomberg News vor rund fünf Jahren. Verantwortlich sind laut Marktbeobachtern strategische Einschnitte, verschärfte Regulierung und ein verändertes Marktumfeld.
Das Volumen lukrativer Transaktionen ging zurück, da es weniger Übernahmen gab. Das Geschäft wird derzeit von Refinanzierungen und Repricing älterer Kredite dominiert - das sind Segmente, für die sich die Deutsche Bank weniger interessiert. Gleichzeitig steigt der Wettbewerbsdruck durch Private-Debt-Anbieter.
Personeller Aderlass
Auch personell hat die Bank Federn gelassen. In der Branche wird das als Zeichen gewertet, dass die Deutsche Bank an Einfluss verloren hat.
Zu den prominenten Abgängen zählen laut Bloomberg Ludovic Ingelaere, der nach 25 Jahren bei der Deutschen Bank zur Citigroup wechselte, Daniel Stevenson, Managing Director im Bereich Leveraged Debt Capital Markets, der zur privaten Kreditgesellschaft Hayfin Capital Management ging, Alexandra Barth und Céline Catherin, zwei Senior Banker, die beide zu Wells Fargo wechselten, sowie Anastasia Chernetskaya, die sich Barclays anschloss.
Auch im Vertrieb und Handel gab es mehrere Abgänge, darunter Brad Dunkin, der Leiter Distressed Sales der Deutschen Bank in den USA, der zu Morgan Stanley wechselte, und Greg Driscoll, der ehemalige Leiter High-Yield-Sales der Bank, der das Haus im Dezember verließ.
Nach Angaben von Insidern ist die Deutsche Bank bemüht, zentrale Positionen neu zu besetzen. Anfang des Jahres holte sie Peter Yune, einen High-Yield-Händler, der von der Bank of America kam, und Jackson Merchant kehrt von der Mizuho Financial Group zurück, wo er das Leveraged-Loan-Geschäft leitete. (aa)
Sinkende Markanteile


