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Das war die große Private-Debt-Podiumsdiskussion am INSURANCE DAY 2018

Einer der Highlights des INSURANCE Days 2018 war die Podiumsdiskussion mit dem Thema „Private Debt im Aufwind“. Drei Branchenexperten erörterten jene Fragen und Problemstellungen, die Investoren unter den Fingernägeln brennen.

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Im Rahmen der Podiumsdiskussion am "INSURANCE DAY" diskutierten Matthias Korn, Head of Financial Solution bei caplantic, William Matthew Turmann, Principal Sales Manager von der LRI Group und Norbert Kickum, Managing Director bei Aggregate Debt Advisory.
© Marlene Fröhlich für Institutional Money

Im Anschluss an die Key Note Speech von Österreichs Außenministerin Dr. Karin Kneissl folgte der zweite Highlight des INSURANCE Days 2018: eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Private Debt im Aufwind“. Unter der Moderation von Institutional Money-Redakteur Hans Weitmayr diskutierten Matthias Korn, Head of Financial Solution bei caplantic, William Matthew Turmann, Principal Sales Manager von der LRI Group und Norbert Kickum, Managing Director bei Aggregate Debt Advisory.

Eröffnet wurde das Gespräch mit der Beantwortung der Frage, was die Diskutanten unter „Private Debt“ verstünden. Die Conclusio der Eröffnungsrunde lautet: Private Debt umfasse heute viel mehr als die klassische Unternehmensfinanzierung im Rahmen eines Buy-Outs einer Private Equity-Gesellschaft, sondern beinhalte auch andere Kategorien wie im Extremfall die Finanzierung von Flugzeugen und anderen Sachwerten. „Der Private Debt-Markt ist groß und vielfältig, erklärte Korn.

Rückenwind für Private Debt
„Wir sehen erhöhte Nachfrage institutioneller Investoren nach Private Debt“, erklärte Turmann auf die Frage nach den Treibern des boomenden Private Debt Markts. Dabei interessieren sich Großanleger nicht nur für traditionelles Corporate Privat Debt, sondern darüber hinaus auch für die Finanzierung von Infrastruktur und Immobilien.

Ein wichtiger Faktor bei Private Debt sind die Transaktionen von Private Equity-Gesellschaften, die ihre Buy-Outs vielfach auf Kredit („Leveraged Buy Outs“, LBO) finanzieren, um höhere Eigenkapitalrenditen zu generieren. Stichwort Eigenkapital: Eine Auslagerung der Finanzierung an Private Debt-Investoren schont oftmals das Eigenkapital und entlastet in Folge die Bilanzen.

„Private Debt ist ein Profiteur der Regulatorik“, betonte Kickum mit Blick auf die europäische Bankenbranche, die aufgrund strengerer Eigenmittelhinterlegungsvorschriften vielfach keine größeren Darlehenssummen vergeben können. Das betrifft insbesondere jene KMUs, die größenbedingt keinen Zugang zu den Kapitalmärkten haben. „Banken können keine größeren Finanzierungen stemmen, das sorgt für Aufwind bei Private Debt“.

Einer der wichtigsten Gründe für den Boom bei Private Debt ist das Niedrigzinsniveau, das Kapitalsammelstellen wie Versicherungen oder Pensionsfonds/-kassen zu diesem Privatmarktinvestments greifen lässt. Aber selbst wenn die Zinsen eines Tages steigen sollten, wäre Private Debt für Investoren auch weiterhin eine gute Wahl, betonte Turman.

Schließlich bietet dieses Segment gerade aufgrund der Illiquidität den großen Vorteil niedriger Schwankungen im Vergleich zu börsennotierten Papieren und verschafft Investoren darüber hinaus höhere Renditen, erinnerte Korn. Und selbst wenn es bei Private Debt irgendwann wieder schlechtere Zeiten gäbe. Investoren, die ihre Hausaufgaben gemacht haben, würden trotzdem von stabilen, regelmäßigen Cash Flows profitieren, ergänzte Turman.

Genaue Kalkulation notwendig
Zur zukünftigen Verlässlichkeit von steten Cash-Flow-Strömen aus den Unternehmen in Richtung Investoren merkte Kickum an, dass die Analyse derselben sehr wichtig sei. Dabei hieße es aufpassen. Denn durch die Liquiditätsflut der Zentralbanken, derzeit insbesondere in der Eurozone, würden viele „Zombie-Unternehmen“ weiter bestehen, die ohne planwirtschaftliche Eingriffe der Zentralbanken in die freie Marktwirtschaft schon längst nicht mehr existieren würden. „Die Konjunktur ist gepimpt, Danke Herr Draghi“, erklärte Kickum.

Da Private Debt auch im Immobilienbereich eine große Rolle spielt, ging die Diskussionsrunde der Frage nach, ob sich eine Finanzierung derselben für Private Debt-Investoren angesichts vielfach überteuerter Preise noch rechnet. Denn wenn eine Immobilienblase platzt, erleiden Investoren oftmals empfindliche Verluste. Kickum merkte richtigerweise an, dass sich Immobilen für Investoren vielfach nicht oder nur kaum mehr rechnen würden, falls Investoren „ehrlich“ kalkulieren und auch die „Maintenance-Kosten“ (Erhaltungsaufwand) mit in die Renditeberechnungen einbeziehen würden.

Zur „Ehrenrettung“ des Immobiliensegments merkte Korn an, dass im Gegensatz zur Vorkrisenzeiten weniger Leverage bei der Finanzierung eingesetzt würde und der Immobilienmarkt im Vergleich zu damals wesentlich stabiler da stünde. „Wenn es runter geht, ist Stabilität gefragt“, betonte Korn.

Für Kickum sei bei Immobilienfinanzierungen die Diskussion mit den geldgebenden Banken, wo im Zyklus sich der Immobilienmarkt befinde, „immer sinnvoll“, weil es zu „intelligenteren Finanzierungsstrukturen führt“.

Von praktischen Nutzen war die Diskussion u.a. darüber, warum Großanleger derzeit noch relativ niedrige Private Debt-Quoten in ihren Portfolios aufweisen. Laut Kickum sei es für Investoren ratsam, bestehende Private Debt-Quoten „langsam und strukturiert zu erhöhen“. Für Turman müssten sich „die Marktteilnehmer erst an diese neue alternative Anlageklasse gewöhnen.“ Falls Private Debt bei regulierten Investoren nicht mehr in die maximal zulässige Quote passen sollte, böte sich der Umweg über eine Strukturierung an.

Investments sind Vertrauenssache
Vor allem was den Bereich Infrastruktur angeht, seien laut Korn vor allem kleinere Institutionelle zur Vermeidung von Fehlern und damit zusammenhängenden Reputationsnachteilen gut beraten, sich mit größeren Investoren zusammenzutun und im Rahmen eines Konsortiums von deren höherer Expertise und Erfahrung zu profitieren. „Damit kann man Vertrauen gewinnen“, merkte Korn mit Blick auf die Eröffnungsrede von Außenministerin Dr. Kneissl an. Kickum pflichtete Korn bei und erinnerte daran, dass viele kleinere Institutionelle nicht die notwendige In-House-Expertise hätten, um Infrastruktur-Investments zu tätigen. Auch hier müsse sich das Private Debt-Segment erst entwickeln. „Vertrauen schaffen braucht seine Zeit“, spannte auch Kickum gekonnt den Bogen zur Ministerin. Turman betonte als Vertreter der Sell-Side, dass seine Branche Investoren die Projekte schon „mundgerecht“ liefern könne. Problematisch sei aber die Frage des Sourcings.

Der vielverwendete Begriff „Vertrauen“ führte zur Diskussion darüber, ob die Finanzierung von Projekten, die von staatlich begünstigten Rahmenbedingungen oder gar direkter, staatlicher Hilfe abhängen, von Investoren guten Gewissens getätigt werden dürften. Zu frisch sind noch Erinnerungen an staatliche Willkür-Akte in Spanien, Norwegen oder Tschechien, wo nachträglich und damit rechtswidrig Subventionen oder Steuervorteile für Erneuerbare Energien oder andere, alternative Investments, aus Budgetgründen gekürzt wurden.

Laut Korn würden sich viele Großanleger bei staatlich unterstützten Projekten sehr zurückhalten, um nicht wieder am falschen Fuß erwischt zu werden. „Rechtssicherheit spielt für Investoren eine wichtige Rolle“, betonte Korn. Investoren müssten vorab genau überprüfen, wo  die Jurisdiktion sei. Aus diesem Grund führen Investoren mit jenen Projekten am besten, die auch ohne staatliche Einflussnahme rentabel seien.

Gegen Ende der interessanten Diskussionsrunde gaben die Diskutanten noch ihre Abschluss-Statements ab. Kickum habe seinerseits nur „wenige Sorgen vor der Politik“. Für Turman „brauchen Institutionelle eine Allokation in Private Debt.“ Korn betonte, dass die Investorenansprüche betreffend die Qualität des Reporting in den letzten Jahren höher wurden. Daher sei „die Schaffung von Transparenz entscheidend“. Noch wichtiger sei aber etwas anderes: „Entscheidend bei Private Debt ist, dass Investoren ihr Geld am Ende auch zurückerhalten“. (aa)

 

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