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Commerzbank wendet umstrittene Vorgehensweise bei Massenkündigungen an

Die Commerzbank streicht 9.600 Vollzeitstellen – und die Arbeitsagentur soll einen Teil der Abfindungen für ältere Beschäftigte übernehmen. Das berichtet das "Handelsblatt". Das Modell ähnelt einer umstrittenen Taktik, mittels derer viele Sparkassen ihre Belegschaften verkleinern.

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© staras / stock.adobe.com

Um Mitarbeiter möglichst reibungslos loszuwerden, wendet die Commerzbank bisweilen zweifelhafte Methoden an, berichtet das "Handelsblatt". Demnach will das Geldhaus älteren Mitarbeitern einen vorzeitigen "freiwilligen" Abgang mit dem Abfindungsprogramm namens "56+" schmackhaft machen.

Nach Recherchen der Zeitung setzt das Institut dabei auf einen umstrittenen Kniff: Es rechnet bei der Abfindungssumme die zu erwartenden Arbeitslosengeldzahlungen an die betroffenen Mitarbeiter ein respektive subtrahiert diese. Anders ausgedrückt: Die Gemeinschaft der Sozialversicherten soll etwas zur Abfindung von gut bezahlten Bankern beitragen – und das bei einem Kreditinstitut, an dem der Bund nach der staatlichen Rettung in der Finanzkrise noch mit gut 15 Prozent beteiligt ist.

In einer Auflösungsvereinbarung, die dem "Handelsblatt" vorliegt, wird einem Mitarbeiter eine Abfindung von 507.000 Euro in Aussicht gestellt. Des weiteren heißt es: "Von der Abfindungssumme wird der Betrag der Leistungen, die Herr X. von der Agentur für Arbeit aus der Arbeitslosenversicherung nach den individuellen Bedingungen für einen größtmöglichen Bezugszeitraum vom Arbeitslosengeld I erhalten kann, abgezogen." Der Abzug erfolge unabhängig davon, ob der Mitarbeiter die entsprechende Summe nach seinem Abgang tatsächlich von der Arbeitsagentur erhalte.

Legal, aber nicht legitim
Im konkreten Fall würde die Arbeitslosenversicherung rund 58.000 Euro beisteuern, also rund zehn Prozent der gesamten Abfindung. Rechtsanwalt Christoph Abeln, der den Commerzbank-Mitarbeiter vertritt, nennt das Vorgehen des Geldinstituts "legal, aber nicht legitim". Abeln hat schon Beschäftigte bei vielen Banken und Unternehmen vertreten. "Aber die Commerzbank ist das erste Institut, bei dem ich erlebe, dass die Arbeitslosenversicherung einen Teil der Abfindungszahlung darstellen soll", so der Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Die Commerzbank hatte im Jahr 2016 angekündigt, insgesamt 9.600 Vollzeitstellen zu streichen, ist aber beileibe nicht das einzige deutsche Geldhaus unter Beteiligung der öffentlichen Hand, das Mitarbeiter mit derart zweifelhaften Methoden aus dem Arbeitsleben drängt.

Wenn's um Geld geht...
So bedienen sich zahlreiche Sparkassen bei ihren personellen Freisetzungsprogrammen des "Vorruhestand-Flex-Modells". Auch hierbei wird der Steuerzahler zur Kasse gebeten, wie der "Spiegel" im Frühjahr berichtete. Im Kern ähnelt das von der Unternehmensberatung Bertschat und Hundertmark für die Sparkassen entwickelte Modell auffallend stark der "56+"-Strategie der Commerzbank, denn auch hier erhalten ältere Bankmitarbeiter ein lukratives Abfindungsangebot als "Quasi-Überbrückungsgeld", mit dem sie die Zeit bis zum Rentenbeginn finanzieren sollen.

Der besondere Clou, so zitiert der Spiegel aus sparkasseninternen Rundbriefen: Die freigesetzten Mitarbeiter sollen sich trotz ihres Beinahe-Ruhestands dennoch bei der Arbeitsagentur jobsuchend melden, um bis zu zwei Jahre zusätzlich Arbeitslosengeld zu beziehen und so die Frist bis zum Renteneintritt zu verkürzen oder zu überbrücken. Das lohnt sich auch für die Geldhäuser, da sie so die Abfindungshöhe reduzieren können. (fp/ps)

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