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Commerzbank, UniCredit: Rege Diskussionen über den Kontrollwechsel

Die beiden Vorstandsvorsitzenden Andrea Orcel und Bettina Orlopp starteten Gespräche über den bevorstehenden Kontrollwechsel. Dabei gibt es zahlreiche Punkte zu beachten und jede Menge Meinungsverschiedenheiten.

© pixs:sell / stock.adobe.com

Eckpunkte:

  • Andrea Orcel und Bettina Orlopp starteten Gespräche über Kontrollwechsel
  • Damit zeigen beide Seiten Professionalität
  • Bei einigen Themen besteht aber noch intensiver Gesprächsbedarf

UniCredit und Commerzbank haben erstmals formelle Gespräche darüber geführt, wie sie mit dem erwarteten Wechsel der regulatorischen Kontrolle über das Frankfurter Institut umgehen wollen. Damit verlagert die Commerzbank ihren Schwerpunkt darauf, den Übergang zu gestalten, statt ihn verhindern zu wollen. Darüber informiert Bloomberg.

Mutter-Tochter-Beziehung
In dem Gespräch am Freitag zwischen UniCredit-Chef Andrea Orcel und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp ging es laut mit der Angelegenheit vertraute Personen um die bilanziellen, rechtlichen und auf das Risikomanagement bezogenen Folgen, die sich ergeben, sobald die Europäische Zentralbank die deutsche Bank als Tochtergesellschaft der italienischen Bank behandelt und eine regulatorische Konsolidierung verlangt.

UniCredit hat erklärt, dass die EZB als oberste Finanzaufsicht beider Banken den Einfluss des italienischen Instituts auf die Commerzbank voraussichtlich bald als faktische Kontrolle einstufen wird. Eine solche Entscheidung hätte zur Folge, dass die EZB die Vermögenswerte der deutschen Bank UniCredit zurechnet. Es wird erwartet, dass dies das regulatorische Kapital von UniCredit verringert.

Das Treffen, an dem auch einige weitere Spitzenmanager beider Banken teilnahmen, ebne den Weg für weitere Gespräche in den kommenden Monaten, sagten die Personen.

Dass es nicht einfach sein dürfte, eine gemeinsame Basis zu finden, zeigte sich daran, dass die UniCredit-Manager an ihren bisherigen strategischen Vorschlägen festhielten. Dazu gehörten Kürzungen im internationalen Geschäft der Commerzbank, sagten die Personen. Die Frankfurter hätten weiter ihre eigene Strategie verteidigt, sagten die Personen, die wegen der Vertraulichkeit der Informationen nicht namentlich genannt werden wollten.

Vertreter von UniCredit und Commerzbank lehnten eine Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur ab.

Commerzbank will Bewährtes bewahren
Das Treffen am Freitag läutet faktisch die nächste Phase in Orcels seit zwei Jahren laufenden Bemühungen um die Commerzbank ein. Während Orlopp zuvor versucht hatte, eine Übernahme zu verhindern, hat sie inzwischen akzeptiert, dass UniCredit bald erheblichen Einfluss auf ihr Institut haben wird. Sie konzentriert sich nun darauf, jene Teile des Geschäftsmodells zu bewahren, die sie für wesentlich hält.

Massen-Kündigungen drohen
Orcel hat angekündigt, die Profitabilität der Commerzbank durch tiefgreifende Kostensenkungen zu steigern. Dazu sollen vor allem weltweit bis zu 7.000 Stellen im Handelsfinanzierungsgeschäft, im Backoffice und im oberen Management gestrichen werden. Zudem soll sich die Bank auf ihre beiden größten Märkte Deutschland und Polen konzentrieren. Orcel hat auch die Entlassung der obersten Führungskräfte des Instituts ins Spiel gebracht.

Orlopp lehnt zentrale Elemente dieses Plans ab, insbesondere das, was sie als Zerschlagung des internationalen Netzwerks der deutschen Bank betrachtet. Die Vorschläge von UniCredit für das Privatkundengeschäft und das Backoffice sind für sie dagegen weniger problematisch, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen gesagt haben.

Stimmrechte gefragt
Uneinig sind sich die beiden Vorstandschefs auch darüber, wie viel Kontrolle UniCredit mit einem Anteil von knapp 50 Prozent über die Commerzbank ausüben kann. Orcel zufolge wird die Beteiligung es ihm ermöglichen, tiefgreifende Veränderungen durchzusetzen. Orlopp weist diese Einschätzung zurück.

Die Bundesregierung, die knapp 13 Prozent hält, unterstützt die Commerzbank und hat erklärt, die wichtige Rolle des Instituts bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft erhalten zu wollen. Forderungen Orcels nach direkten Verhandlungen hat sie bislang zurückgewiesen.

Der UniCredit-Chef begann vor zwei Jahren, die Commerzbank ins Visier zu nehmen, und legte im März ein formelles Übernahmeangebot vor. Trotz der niedrigen Prämie wurde es von rund 18 Prozent der Aktionäre angenommen. Damit wird UniCredit letztlich einen Anteil von fast 50 Prozent halten und aller Wahrscheinlichkeit nach über eine Stimmenmehrheit auf Aktionärsversammlungen verfügen.

UniCredit will die Commerzbank nach Erlangung der Kontrolle mindestens zwei Jahre lang als eigenständiges Unternehmen führen. Anschließend könnte sie eine Fusion mit ihrer deutschen Tochter HVB anstreben, die von Marion Hoellinger geleitet wird.

Die Commerzbank beschäftigte Ende vergangenen Jahres knapp 40.000 Mitarbeiter. Fast 25.000 davon arbeiteten in Deutschland und weitere 10.000 in Polen. Die HVB hatte rund 8.400 Beschäftigte. (aa)

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