Commerzbank: Unicredit kündigt Übernahmeangebot an
Die Unicredit geht in die Vollen bei der Commerzbank: Die italienische Großbank hat ein Angebot zur Übernahme der zweitgrößten deutschen Bank vorgelegt. Deren Aktienkurs stieg am Montagmorgen.

Eckpunkte:
- Die italienische Großbank will die Commerzbank übernehmen
- Geboten werden eigene Aktien, kein Cash
- Commerzbank reagiert abwartend
Die Unicredit hat ein Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt und damit voraussichtlich einen längeren Übernahmekampf um das Frankfurter Institut angestoßen. Die italienische Großbank bietet 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Aktie, wie sie am Montagmorgen (16.3.) mitgeteilt hat. Darüber informierte Bloomberg Monatag in der Früh.
Das entspricht laut Mitteilung einem Preis von 30,80 Euro je Aktie und einem Aufschlag von vier Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag (13.3.). Insgesamt würde die Unicredit die Commerzbank damit mit rund 35 Milliarden Euro bewerten. Im frühen Handel am Montagmorgen legte das Papier des deutschen Instituts um rund vier Prozent zu, die Unicredit-Aktie verlor etwa anderthalb Prozent.
Formeller Start des Angebots erst Anfang Mai
Das Kaufangebot soll laut der italienischen Großbank Anfang Mai formell gestartet werden, die Angebotsfrist soll vier Wochen betragen. Die Unicredit hielt zuvor knapp 30 Prozent an der Commerzbank, größtenteils in Form direkter Aktienbeteiligungen. Ihr Chef Andrea Orcel hatte die Möglichkeit eines Übernahmeangebots bereits ins Spiel gebracht, nachdem die Bank Ende 2024 erstmals eine Beteiligung an der Commerzbank offengelegt und diese später ausgebaut hatte. Orcel sieht Potenzial am deutschen Markt. Die Bundesregierung, die ebenfalls an der Commerzbank beteiligt ist, hat wiederholt deutlich gemacht, dass sie eine Übernahme durch die Unicredit ablehnt.
Seitdem versucht die zweitgrößte Bank Deutschlands, sich gegen die Übernahme zu wehren. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp setzt dafür auf Steigerungen der Profitabilität, auch durch Kostensenkungen und Filialschließungen. Das schlug sich auch im Jahresergebnis für 2025 nieder: Das Institut übertraf mit einem Jahresgewinn von 2,63 Milliarden Euro die Analystenerwartungen. Über ein Jahr gerechnet stieg der Aktienkurs um rund 28 Prozent.
Schwache Entwicklung in diesem Jahr
Damit hat sich der Aktienkurs der Commerzbank stärker entwickelt als jener der Unicredit, wodurch eine Übernahme für Orcel teurer geworden ist. Allerdings gehörte die Commerzbank-Aktie im laufenden Jahr mit einem Minus von etwa 18 Prozent zu den schwächsten Werten im Stoxx Europe 600 Banks Index.
So reagiert die Commerzbank
Die Commerzbank nimmt das Übernahmeangebot der Italiener in einer Presseaussendung, die kühl formuliert ist, "zur Kenntnis". Folgendes betont die Commerzbank: Das angekündigte Übernahmeangebot sei nicht mit der Commerzbank abgestimmt. Darüber hinaus beinhalte die Kommunikation der UniCredit keine weiteren Informationen bezüglich der Eckpfeiler einer wertstiftenden Transaktion. Das wäre die notwendige Grundlage für etwaige Gespräche.
Bettina Orlopp, Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, lässt sich in der Aussendung wie folgt zitieren: „Unsere oberste Priorität ist es, nachhaltigen Wert für unsere Aktionäre und alle Stakeholder der Commerzbank zu schaffen. Wir sind überzeugt von der Stärke und dem Potenzial unserer Strategie, die auf Eigenständigkeit und profitables Wachstum setzt. Das Vorgehen ist nicht mit uns abgestimmt. Das in der Bekanntmachung erwartete Umtauschverhältnis enthält faktisch keine Prämie für unsere Aktionäre.“
Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank werden laut eigenen Angaben das angekündigte freiwillige Übernahmeangebot nach dessen Veröffentlichung durch die UniCredit sorgfältig und im besten Interesse der Gesellschaft, ihrer Aktionäre, Mitarbeitenden und Kunden prüfen. (jb)/(aa)

