Commerzbank-Übernahme: UniCredit kommt Ziel noch einen Schritt näher
Der Commerzbank-Poker geht in die nächste Runde: Die Finanzaufsicht Bafin hat den Antrag der UniCredit auf eine Beteiligung von mehr als 30 Prozent zur weiteren Prüfung an die Europäische Zentralbank weitergeleitet.
Eckpunkte:
- Die Italiener kommen der Commerzbank-Übernahme immer näher
- Ein weiterer Schritt ist der Beginn der Prüfungsfrist seitens der Aufsicht
Prüfungsfrist läuft
Im Ringen um die Commerzbank hat die italienische Großbank UniCredit einen weiteren wichtigen Etappensieg erzielt. Nach Informationen von "Bloomberg" hat die Finanzaufsicht Bafin den Antrag der Bank auf den Ausbau ihrer Beteiligung auf mehr als 30 Prozent als vollständig eingestuft und zur weiteren Prüfung an die Europäische Zentralbank (EZB) weitergeleitet.
Damit beginnt für die EZB die reguläre Prüfungsfrist von 60 Arbeitstagen. Die Aufsicht kann bei Bedarf zusätzliche Informationen anfordern, wodurch sich das Verfahren um bis zu 20 Arbeitstage verlängern könnte. Eine Entscheidung wird damit frühestens im Oktober erwartet.
Für UniCredit-Chef Andrea Orcel ist dies der nächste wichtige Schritt auf dem Weg zur Übernahme der Commerzbank. Das Anfang Juli abgeschlossene Übernahmeangebot im Volumen von rund 44 Milliarden Euro würde der italienischen Bank – vorbehaltlich aller regulatorischen Genehmigungen – eine Beteiligung von knapp unter 50 Prozent verschaffen.
Gespräche zwischen Orlopp und Orcel
Die regulatorischen Fortschritte fallen in eine entscheidende Phase der Übernahme. Bereits in den kommenden Tagen wollen Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp und Orcel ihre Gespräche über die Zukunft des Instituts fortsetzen. Wie "Bloomberg" zuletzt berichtete, dürfte dies den Auftakt zu monatelangen Verhandlungen über Strategie, Führung und die künftige Ausrichtung der Bank bilden. Die Positionen beider Seiten gelten weiterhin als unterschiedlich.
Auch politisch bleibt die Übernahme sensibel. Die Bundesregierung hält rund zwölf Prozent an der Commerzbank und hat mehrfach betont, die Rolle des Instituts für die Finanzierung der deutschen Wirtschaft erhalten zu wollen.
Weitere Genehmigungen stehen aus
Neben der Zustimmung der EZB benötigt die UniCredit unter anderem noch Freigaben der EU-Kartellbehörden, der US-Notenbank Federal Reserve sowie der polnischen Bankenaufsicht. Orcel hatte zuletzt erklärt, noch vor Jahresende mit den erforderlichen Genehmigungen zu rechnen und anschließend die Kontrolle über die Commerzbank übernehmen zu wollen. (cf/Bloomberg)

