Commerzbank-Übernahme: UniCredit erhöht Anteile und den Druck
Die UniCredit erhöht ihren kontrollierbaren Aktienanteil bei der Commerzbank auf rund 48 Prozent und gewinnt damit die faktische Kontrolle über das Unternehmen. Das könnte massive Auswirkungen haben, da nicht alle verbleibenden Aktionäre ihre Stimmrechte ausüben.

Eckpunkte:
- UniCredit erhöht kontrollierbaren Anteil auf mehr als 47 Prozent
- Damit steht eine faktische Kontrolle unmittelbar bevor
UniCredit ist bei der angestrebten Übernahme der Commerzbank einen weiteren Schritt vorangekommen. Nachdem Investoren zum Ende der Offerte genügend Aktien angedient haben, kann die italienische Bank ihren kontrollierbaren Anteil auf 47,6 Prozent erhöhen. Darüber informiert Bloomberg News.
Aktien, die 17,6 Prozent des Commerzbank-Grundkapitals entsprechen, wurden bis zum Annahmeschluss am 3. Juli angedient. Das teilte UniCredit am Mittwoch mit. Mehr als 5,0 Prozent entfielen dabei auf die zweiwöchige verlängerte Annahmefrist.
UniCredit hielt bereits knapp 30 Prozent der Commerzbank. Darin enthalten sind direkt gehaltene Aktien sowie Derivate, die in Aktien umgewandelt werden können.
UniCredit bietet 0,485 eigene Anteilsscheine für jede Commerzbank-Aktie. Auf Basis des Schlusskurses vom Dienstag wird die Commerzbank damit mit rund 43 Milliarden Euro bewertet.
Faktische Kontrolle
Das Ergebnis bringt Vorstandschef Andrea Orcel seinem Ziel näher, die Commerzbank faktisch zu kontrollieren. Damit setzt sich eine zweijährige Übernahmeoffensive fort, die in Frankfurt und Berlin auf Widerstand gestoßen ist. Eine vollständige Übernahme wäre die größte Bankenfusion Europas seit rund zwei Jahrzehnten. Sie würde UniCredit zu einer dominierenden Kraft in Deutschland machen und zugleich die Präsenz der Bank in Polen stärken, wie Bloomberg festhält.
Da nicht alle Aktionäre ihre Stimmrechte ausüben, dürfte Orcel voraussichtlich neue Vertreter in den Aufsichtsrat entsenden können. Das würde den Weg für strategische Schritte oder Veränderungen im Management ebnen. Widerstand der Bundesregierung, von Commerzbank-Vorstandschefin Bettina Orlopp sowie von Arbeitnehmervertretern könnte dieses Vorhaben jedoch erschweren.
Federated Hermes sieht einen "Matchball für den Deal"
"Mit der jüngsten Erhöhung ihres Anteils an der Commerzbank auf rund 47,6 Prozent (einschließlich Derivaten) ist die UniCredit nur noch einen Schritt von der faktischen Kontrolle über die Bank entfernt", betont Filippo Alloatti, Head of Financials bei Federated Hermes, in einer aktuellen Einschätzung.
Nach den deutschen Corporate-Governance-Regeln bemisst sich diese letztlich an der Möglichkeit, die Ergebnisse von Hauptversammlungen maßgeblich zu beeinflussen. Eine Beteiligung von mehr als 45 Prozent dürfte daher im Zeitverlauf den Weg zu einer Mehrheitsposition ebnen – sofern UniCredit ihren Einfluss nicht bewusst begrenzen möchte.
Frühere Prognosen des UniCredit-Managements (Anfang 2026) gingen im Falle einer Vollkonsolidierung von einem Rückgang der CET1-Kapitalquote um 280 Basispunkte aus. Allerdings stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, um diesen Kapitalverlust abzufedern.
Hürde EZB?
Dennoch ist der Prozess Alloatti zufolge noch lange nicht abgeschlossen. Jeder Schritt hin zu einer Konsolidierung der Commerzbank bedürfe der Zustimmung der EZB. Bereits das Anmelde- und Prüfungsverfahren durch die Aufsichtsbehörden könnte bis zu sechs Monate in Anspruch nehmen. Hinzu kommen die mit der Konsolidierung verbundenen operativen und bilanziellen Arbeiten, einschließlich Kaufpreisanpassungen, die den Zeitplan voraussichtlich weiter verlängern dürften. Ein Abschluss der Transaktion erscheint daher laut Alloatti frühestens im Frühjahr 2027 realistisch. Angesichts der Umstände könnte die EZB während der Übergangsphase zudem ein gewisses Maß an Flexibilität einräumen.
"Um eine Analogie aus Wimbledon zu verwenden: UniCredit hat nun den Matchball. Das Unternehmen hat sich in eine aussichtsreiche Position gebracht, muss jedoch noch einige entscheidende Punkte gewinnen, bevor die Transaktion endgültig als abgeschlossen gelten kann", erklärt Alloatti abschließend. (aa)

