Logo von Institutional Money
| Vermischtes

Commerzbank-Poker: Bettina Orlopp pocht auf Mitsprache von...

Im Übernahmeringen um die Commerzbank wächst der Druck auf Bettina Orlopp. Die Vorstandschefin besteht auf einer Einigung mit Berlin – und verlangt Klarheit darüber, welchen Kurs das Institut künftig einschlagen soll.

Bettina Orlopp, Commerzbank: "Am Ende muss unsere Organisation, unser Institut wissen, worauf es zusteuert, was der Nordstern ist, wohin wir wollen, was wir haben wollen."
Bettina Orlopp, Commerzbank: "Am Ende muss unsere Organisation, unser Institut wissen, worauf es zusteuert, was der Nordstern ist, wohin wir wollen, was wir haben wollen."© Matt McClain / Bloomberg

Eckpunkte:

  • Bettina Orlopp setzt ihre Hoffnung auf die deutsche Bundesregierung
  • Sobald die UniCredit die Kontrolle übernmmt, könnte der Commerzbank-Vorstand abberufen werden

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat die Bedeutung einer Einbindung der Bundesregierung in eine mögliche Übernahme ihres Unternehmens durch die Unicredit betont. "Es ist wichtig, dass es Gespräche zwischen den beiden Großaktionären gibt", sagte Orlopp am Dienstag (15.9.) auf einer Konferenz von Barclays mit Blick auf ein Treffen zwischen dem deutschen Finanzminister und dem Unicredit-Chef. Es sei gut, dass beide Seiten über den möglichen Zusammenschluss sprächen. Eine Transaktionsstruktur funktioniere "nur reibungslos, wenn man eine Einigung mit dem zweitgrößten Aktionär hat".

Orlopp führt formelle Gespräche mit Unicredit-Chef Andrea Orcel, der der Nachrichtenagentur "Reuters" zufolge ihre Ablösung anstrebt und zwei Aufsichtsratssitze für den Bund ablehnt. Eine Übernahme der Commerzbank durch die italienische Bank erscheint zunehmend wahrscheinlich. Das erste Treffen zeigte jedoch, dass eine Einigung nicht leicht zu erreichen sein wird, da beide Seiten weiterhin ihre jeweiligen Strategien verteidigen. Die Bundesregierung hält nach einer Rettungsaktion noch rund 13 Prozent an der Commerzbank und hat Orlopp bislang unterstützt.

Differenzen über Führung und Strategie
Orcel hatte zuvor erklärt, er könnte nach einer Übernahme der Commerzbank deren Aufsichtsrat neu aufstellen und anschließend möglicherweise das Topmanagement einschließlich Orlopp abberufen. Die Commerzbank-Chefin wiederum hat signalisiert, dass sie von sich aus gehen könnte, falls sie mit einem von ihrem Unicredit-Gegenüber zusammengestellten Aufsichtsrat keine gemeinsame Basis findet.

"Am Ende muss unsere Organisation, unser Institut wissen, worauf es zusteuert, was der Nordstern ist, wohin wir wollen, was wir haben wollen", sagte Orlopp am Dienstag (15.9.).

Klingbeil stellt Bedingungen
Am Montag (14.9.) gab es die ersten persönlichen Gespräche zwischen Orcel und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil über eine mögliche Transaktion. "Wir erwarten, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt und ihr starkes Mittelstandsgeschäft fortsetzt – sowohl in Deutschland als auch international", sagte Klingbeil nach dem Treffen.

Unicredit hält fast 50 Prozent
Orcel begann vor zwei Jahren, eine Übernahme der Commerzbank anzustreben. Inzwischen hat sich die Unicredit einen Anteil von fast 50 Prozent gesichert. Damit dürften die Mailänder aller Wahrscheinlichkeit nach bei Aktionärsversammlungen über eine Stimmenmehrheit verfügen, sobald sie die regulatorische Genehmigung für die vollständige Übernahme der angedienten Aktien erhalten haben. Orcel plant, das internationale Netzwerk der deutschen Bank zurückzufahren. Orlopp lehnt diesen Vorschlag ab. (mb/Bloomberg)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion