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Chemieindustrie: Produktion auf 30-Jahres-Tief offenbart Krise

Die deutsche Chemieindustrie muss ihre Produktion auf ein Niveau herunterfahren, dass seit 1991 nicht mehr beobachtet wurde und befindet sich damit in den roten Zahlen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Aus Investorensicht ist relevant, dass die Chemiebranche als Vorlaufindikator gesehen wird.

© Alex Kraus für Bloomberg

Die deutsche Chemieindustrie hat im zweiten Quartal 2025 nur 72 Prozent ihrer Kapazitäten genutzt. Das ist so wenig wie seit mehr als drei Jahrzehnten nicht, wie Bloomberg in einem Bericht schreibt.

Die Auslastung liege deutlich unterhalb der Gewinnschwelle, teilte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Mittwoch mit. Die Produktion sank im Jahresvergleich um 5,1 Prozent, die Umsätze gingen entsprechend zurück.

Krisenstimmung in der deutschen Industrie
Trotz der Zusagen der Bundesregierung, das Wachstum zu beleben, hält die Belastung einer der Schlüsselbranchen der deutschen Wirtschaft damit an.

“Eine Besserung ist kurzfristig nicht in Sicht”, erklärte der VCI und verwies darauf, dass wichtige Abnehmer ihre eigene Produktion drosselten und Bestellungen zurückfuhren.

Dazu zählt auch die Autoindustrie: Volkswagen und Mercedes-Benz, zentrale Kunden von BASF und anderen Chemielieferanten, meldeten schwächere Verkäufe, nachdem die USA im April die Zölle auf europäische Autoexporte auf 27,5 Prozent erhöht hatten.

Im Pharmasektor hatten Unternehmen ihre Produktion zu Jahresbeginn hochgefahren, um Lager vor möglichen US-Einfuhrzöllen aufzustocken. Das trug zu einem starken ersten Quartal bei, doch dieser Vorzieheffekt kehrte sich im zweiten Quartal um. Trotz des Rückgangs lag die Produktion noch über dem Vorjahresniveau, so der VCI.

Die Auslastung war nach Verbandsangaben zuletzt 1991 so niedrig. Damals führte die Integration ostdeutscher Werke nach der Wiedervereinigung zu massiven Überkapazitäten, jahrelangen Werksschließungen und schwachem Wachstum in der Industrie.

VDMA sorgt für Hoffnungsschimmer
Leichte Entspannung meldete hingegen laut Bloomberg der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA): Die Auftragseingänge legten im Juli real um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Dennoch lähme der Reformstau in Deutschland Investitionen, betonte VDMA-Chefvolkswirt Johannes Gernandt. “Die versprochenen Entlastungen für Unternehmen müssen im Herbst kommen, hier steht insbesondere die Bundesregierung im Wort”, mahnte er.

Der deutsche Dienstleistungssektor verzeichnete im August einen Dämpfer: Der Einkaufsmanagerindex fiel von 50,6 auf 49,3 Punkte und rutschte damit unter die Wachstumsschwelle. “Offensichtlich ist es der Bundesregierung noch nicht gelungen, die Wirtschaft aus der Flaute zu holen”, sagte Cyrus de la Rubia, Ökonom bei der Hamburg Commercial Bank. (aa)

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