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Bundesbankchef: Euro-Stablecoins könnten Digital-Euro ergänzen

Dr. Joachim Nagel hat sich über die Einführung und die Sinnhaftigkeit moderner Zahlungssysteme in der Eurozone geäußert. Dazu zählen auch Euro-denominierte Stablecoins, die Nagel zufolge eine interessante Alternative sein könnten.

Dr. Joachim Nagel, Bundesbank
Dr. Joachim Nagel, Bundesbank© Alex Kraus / Bloomberg

Eckpunkte:

  • Stablecoins in der Währung Euro wären ein sinnvolles Instrument
  • EZB-Zahlungssysteme sollen von USA unabhängiger werden
  • Bei schlechter Umsetzung von DLT-basierten Zahlungsinstrumenten könnten Volkswirtschaften "Dollarisiert" werden

Hoffnung auf Effizienzgewinne
Euro-denominierte Stablecoins können nach Einschätzung von EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel ein wertvolles Instrument für günstige internationale Überweisungen sein. Dieses Instrument könne die Bemühungen der Europäischen Zentralbank um eine digitale Gemeinschaftswährung ergänzen und so den Zahlungsverkehr effizienter machen. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.

Vor dem Hintergrund transatlantischer Spannungen hat der Bundesbankpräsident betont, Europa müsse bei Zahlungssystemen unabhängiger werden. Diese Unabhängigkeit verknüpft er mit der Arbeit der Europäischen Zentralbank an einer digitalen Version des Euro, die Europas Souveränität im Zahlungsverkehr stärken soll.

“Ich sehe auch Vorteile bei euro-denominierten Stablecoins”, sagte Nagel am Montag in Frankfurt bei einer Veranstaltung der American Chamber of Commerce in Deutschland. “Sie können von Privatpersonen und Unternehmen für grenzüberschreitende Zahlungen zu geringen Kosten genutzt werden.” Die niedrigen Kosten und die einfache Nutzung machen sie aus seiner Sicht zu einem praktischen Instrument im internationalen Zahlungsverkehr.

US-Konkurrenz ante portas
Der Vorstoß von US-Präsident Donald Trump, Kryptowährungen stärker im Mainstream zu verankern, hat indes Befürchtungen ausgelöst. Diese Befürchtungen richten sich darauf, dass dollar-gestützte Stablecoins in Europa Fuß fassen und damit die Banken der Region sowie ihre geldpolitische Souveränität bedrohen könnten.

Nagels Äußerungen deuten zugleich auf eine wachsende Offenheit innerhalb der EZB gegenüber an den Euro gekoppelten Stablecoins hin. Einige Notenbanker hatten bereits die Dominanz des Dollars beklagt und darauf hingewiesen, dass es sich um privat emittierte Instrumente handelt, die die Finanzstabilität gefährden könnten.

US-Dollar-Einführung durch die Hintertür?
Bereits in der vergangenen Woche hatte Nagel erklärt: “Das Eurosystem könnte DLT-basierte Zahlungsinstrumente unterstützen, die nicht direkt mit Zentralbankgeld verbunden sind, insbesondere tokenisierte Einlagen und auf Euro lautende Stablecoins.”

Zugleich warnte er: “Der überwiegende Teil lautet auf US?Dollar”, so der Bundesbankchef. “Bliebe es bei dieser Marktzusammensetzung und würde rein hypothetisch eine heimische Währung durch Stablecoins ersetzt werden, so käme dies einer Dollarisierung der entsprechenden Volkswirtschaft gleich.” (aa)

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