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Bert Flossbach liest Daimler-Chef die Leviten

Dieter Zetsche hat seinen baldigen Abschied vom Vorstandsvorsitz beim Automobilriesen Daimler angekündigt. Fondsprofi Bert Flossbach, prominenter Anteilseigner des Stuttgarter PS-Konzerns, weint "Dr. Z" keine Träne nach – im Gegenteil.

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Bert Flossbach, Mitgründer des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch
© Cornelis Gollhardt / stock.adobe.com

Quizfrage: Was haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche gemeinsam? Knackige Antwort von Bert Flossbach: "Beide sind seit 13 Jahren im Amt, haben viele Erfolge vorzuweisen, aber nach so langer Zeit kommt es zu Abnutzungseffekten", sagt der Mitgründer des Kölner Asset Managers Flossbach von Storch im Gespräch mit dem "Handelsblatt".

In Berlin wie in Stuttgart seien viele Kompromisse gemacht worden – zuletzt vor allem schlechte. "Merkel wie Zetsche tun sich mittlerweile schwer, die langfristig richtigen Entscheidungen zu treffen, weil sie nicht wissen, welche das sind", präzisiert Flossbach, dessen Investmenthaus über diverse Portfolios knapp zwei Prozent der Daimler-Aktien hält, seine Kritik im Interview mit der Düsseldorfer Wirtschaftszeitung.

Chefwechsel kommt keinen Tag zu früh
Zumindest die Ära von "Dr. Z" geht demnächst zu Ende: Im Mai 2019 wird Zetsche den Daimler-Vorstandsvorsitz an den bisherigen Entwicklungschef Ola Källenius abgeben, um nach einer Stillhaltefrist von zwei Jahren an die Spitze des Aufsichtsrates zu rücken, teilte der Stuttgarter Autokonzern vor wenigen Tagen überraschend mit. Nach Flossbachs Ansicht kommt der Chefwechsel keinen Tag zu früh

Sein Hauptvorwurf an den scheidenden Spitzenmann: dessen Festhalten an der Holdingstruktur, unter deren Dach Daimler zum Gemischtwarenladen ohne klares Profil und eigenverantwortlich handelnde Bereichsmanager mutiert sei. "Man sollte Pkw und Trucks in zwei separate Einheiten trennen", fordert Flossbach – und macht eine Vergleichsrechnung auf: "Volvo Trucks und BMW Cars sind zusammengerechnet um gut 30 Milliarden Euro mehr wert als Daimler. Diese 30 Milliarden Euro werden den Daimler-Aktionären vorenthalten" – und damit schlussendlich auch den Investoren von Flossbachs Fonds.

"Stuttgarter Zentralkomitee"
Der Idee eines sogenannten Spin-offs, also einer Trennung beider Daimler-Unternehmenssparten mit einer anschließenden Börsennotierung beider Bereiche, steht das "Stuttgarter Zentralkomitee", wie Flossbach die Führungsetage des Autobauers bezeichnet, unter Zetsches Leitung entgegen. Diese Struktur sei in erster Linie dazu da, Besitzstände zu wahren und Pöstchen zu verteilen – aber nicht, um nachhaltig Werte zu schaffen. "Riesige Synergien zwischen Trucks und Pkw konnte mir noch keiner zeigen. Es gibt sie schlichtweg nicht", sagt Flossbach.

Nach Ansicht des renommierten Portfoliomanagers drängt die Zeit. "Auch die Mitarbeiter in Stuttgart dürften erkennen, dass der Aktienkurs des Unternehmens für alle Beteiligten relevant ist." Sackt der wegen anhaltendem Nichtstun weiter ab, dürften andere Investoren kommen, die nicht so viel Rücksicht nehmen. "Daimler muss aufpassen, sonst wird der Konzern bald akquiriert", so Flossbachs mahnendes Fazit. (ps)

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