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Bericht vom Vorsorgeforum Interlaken + Fotogalerie

Auf dem siebenten Vorsorgeforum Interlaken trafen sich am 16. September 2020 zahlreiche institutionelle Investoren, um sich ein Update betreffend der Märkte, Regulatorik und Risikomanagement zu holen sowie sich über die neuesten Trends bei Immobilien und Nachhaltigkeit zu informieren.

Vorsorgeforum Interlaken - Biehler Stiftungsberatung und Management
© Biehler Stiftungsberatung und Management

Schlussendlich hat es doch geklappt mit dem siebenten Vorsorgeforum, das am 16. September 2020 im Grand Hotel Beau Rivage im Schweizerischen Interlaken von der Biehler Stiftungsberatung und Management organisiert wurde. Ursprünglich war die Veranstaltung für März geplant, wurde aber Pandemiebedingt in den Herbst verschoben.

Der geschäftsführende Partner Ronald Biehler (Bild links), der zugleich auch Stiftungsratspräsident der BVG-Sammelstiftung Jungfrau ist, konnte trotz, oder vielleicht auch wegen eines strengen Corona-Sicherheitskonzepts zahlreiche Vertreter aus der Pensionskassenbranche vor Ort begrüßen. „Das Interesse war wie jedes Jahr sehr groß, wie auch die Anmeldungen. Denn die Teilnehmenden erfuhren von Aktuellem aus dem Umfeld der beruflichen Vorsorge und den neuesten Herausforderungen für die Pensionskassen und deren Stiftungsräte. Darüber hinaus wurden neue Strategien und Innovationen vorgestellt wie auch neue Wege bei den Kapitalanlagen analysiert“, erklärt Biehler.

Die Highlights dieser Veranstaltung können sie einer exklusiven Fotogalerie entnehmen.

BVG-Reform braucht eine faire, kostengünstige und praxistaugliche Lösung
Hanspeter Konrad, Direktor des Schweizerischen Pensionskassenverbands asip eröffnete die Referate mit einer Lagebeurteilung zur BVG-Reform. Durch die Einflussnahme seitens der Verbände, Gewerkschaften und Politik sind verschieden Modelle entstanden. Die Notwendigkeit einer BVG-Reform ist unbestritten, allerdings wird die aktuelle unsichere Zukunft keinen Ausbau dulden. Der Fokus muss sein, dass der Stellenwert der beruflichen Vorsorge gestärkt wird mittels finanzieller Stabilität und Leistungsfähigkeit unter Berücksichtigung einer Generationengerechtigkeit.

Die Herausforderung der psychischen Krankheiten
Marco Ceregetthi von der elipslife erläuterte das Case Management, was ein systematisch geführter, kooperativer Prozess zur beruflichen und sozialen Wiedereingliederung von Personen in komplexen Situationen darstellt. Spannend war die Feststellung, dass in der Schweiz die Invaliditätsursache nicht bei den Unfällen ist (7 %) sondern die physischen Erkrankungen sind mit 48 Prozent. Eine Frühintervention ist im Case Management von zentraler Bedeutung und entscheidend über den Erfolg, der Wieder-eingliederung einer Person oder dem Misserfolg, einer Rentensprechung.

Die Welt geht doch nicht unter
Der Chef Economist der Swiss Life, Marc Brütsch zeigte auf, dass die weltweite Geld- und Fiskalpolitik ab März aufs Ganze gingen, was die Aktienmärkte stützte. Außerdem erholt sich die Weltwirtschaft seit Mitte Mai von der heftigsten Rezession seit Jahrzehnten. Allerdings besteht eine „97 Prozent Wirtschaft“ und die Arbeitslosigkeit und Firmenkonkurse werden trotz Erholung der Konjunktur weiter ansteigen. Seine möglichen Langzeitfolgen: Zombiefirmen und Inflation. Hingegen werden Investitionen in Immobilien und Infrastruktur weiterhin erste Wahl bleiben.

Effizientes Risikomanagement in Multi Asset Portfolios
Mit einer erweiterten Risikomanagement Strategie kann man selbst in schwierigen Zeiten effizient durch die Krise kommen, bestätigte Patrick Steiner von der Metzler Asset Management. Die Herausforderungen der letzten Monate waren der extrem schnelle Einbruch des Aktienmarktes durch die Corona-Krise und der Obligationenmarkt diente als „sicherer Hafen“ zur Portfolio-stabilisierung. Trotz des schnellen und erheblichen Einbruchs des Aktienmarktes konnte ein Cash Lock verhindert werden, weshalb an der folgenden Aktienmarkterholung wieder sukzessive partizipiert werden konnte.

Indirekte Immobilienanlagen Schweiz als Fels in der Brandung
Dass Wohnimmobilien-Fonds sich seit Mitte März wesentlich stärker erholt haben, während kommerzielle Immobilienfonds derzeit noch unter Druck bleiben, zeigte Nicolas Di Maggio von der Swiss Finance & Property Group mittels zahlreichen interessanten Vergleichen der verschiedenen Immobilien-Fonds auf. Derzeit betragen die Leerstandsquoten durchschnittlich 5,8 Prozent bei den Immobilienfonds und 4,3 Prozent bei den Immobilienaktien und werden leider noch weiter steigen. Trotzdem bieten Indirekte Schweizer Immobilienanlagen einen der besten Kompromisse zwischen Risiko und Ertrag.

Ist die moderne Geldpolitik der Retter in der Not oder die Angst vor Inflation?
Bedingt durch den Entscheid des Bundesrates, dass in Frankreich die Ile de France mit Paris als Risikogebiet gilt, konnte Dr. Franz Wenzel von AXA IM nicht mehr einreisen, weshalb kurzfristig eine Liveschaltung nach Paris organisiert wurde. Er zeigte auf, dass die Pandemie einen weiteren und lang anhaltenden Liquiditätsschub erzwingt, die neue Geldpolitik ein wesentlicher Faktor für Konjunktursteuerung sein wird. Außerdem hat die Liquidität hat nur geringen Einfluss auf Inflation; Output-Gap erscheint von größerer Tragweite. Dauerhafte expansive wird die Geldpolitik expansiv bleiben, selbst wenn sich Konjunktur erholt. Diese erholt sich allerdings auf einem tiefen Produktionsniveau und es ist zu rechnen, dass die Arbeitslosigkeit und Firmenkonkurse 2021 markant zunehmen werden.

Die Anforderungen der Millennials und Silver Society an die Immobilien
Ivo Bracher von der bonainvest Holding AG und der bonacasa AG erläuterte die heutigen Megatrends der Gesellschaft: Die Individualisierung führt  dazu, dass in zahlreichen Städten mehr als die Hälfte  Single-Haushalte sind. Die Digitalisierung hat mit dem Lockdown und Home-Office eine neue Dimension erhalten. Die Neo-Ökologie wird in der Baubranche immer wichtiger wie auch die Einflüsse der Mobilität. Was nützt das tollste Elektro-Auto wenn es keine Steckdose in der Einstellhalle gibt!

Frischer Wind im Portefeuille
Zu diesem Thema sprach Salvator H. Müller von der InvestInvent AG, denn Wind als Ertragsquelle korreliert nicht mit den Finanzmärkten. Der Bau eines Windparks ist bereits eine große Herausforderung aber das Recycling von alten Windanlagen noch einer größere. Da sich die Klassifizierung des BVV2 verändert hat, sind Anlagen in Infrastrukturen nicht mehr alternative Anlagen sondern gelten nun als eine separate neue Anlagekategorie.

CO2 einsaugen und daraus Häuser bauen
Das dies möglich ist, führte Dipl.Ing. Andreas Burgherr von der Initiative Holz Bern und Timbatec Holzbauingenieure Schweiz AG aus. Gerade weil Pensionskassen die größten Immobilienbesitzer sind gilt es neue Trends zu erkennen, entsprechend Szenarien entwickeln und neue Strategien festlegen sowie sein Handeln anpassen. Die Schweiz hat heute eine CO2 Aussto0 von 47,2 Megatonnen. Die Produktion von Beton gilt als einer der ganz großen CO2-Schmutzschleudern. Ein Holzgebäude ist ein bewohnbarer CO2-Speicher. Ein Holzhaus kompensiert 20-40 Jahre Autofahren pro Wohneinheit. Gebaute Beispiele wie das Hochhaus HoHo Wien oder das Krokodil, Lokstadt Winterthur als größtes Holzgebäude der Schweiz bestätigen dies.

Den BVG-Mindestzinssatz festlegen ist wie Würfeln
Durch das abschließende Podiumsgespräch führte Prof. Beat D. Geissbühler von der Fachhochschule Bern. Durch seine pointierten Fragestellungen konnte er von den Podiumsteilnehmern erfahren, welche Herausforderungen heute die Pensionskassen belasten. Gerade die Sicherung der Langlebigkeit ist eine solche und an die stellen Verbände, Gewerkschaften, politische Vertreter große Anforderungen. „Eigentlich wäre es einfach, man müsste nur die Prämien der Versicherten erhöhen!“ Damit könnte man eigentlich dieser Problematik gerecht werden. Der kürzlich von der BVG-Kommission empfohlene BVG-Mindestzinssatz von 0,75 Prozent wirkt ja auch nicht gerade unterstützend. Dessen Festlegung entspräche dem in der Überschrift genannten Vorgehen, weil keine der involvierten Kommissionspartner gewichtige Argumente vorlegte.

Geselliger Abschluss
Das 7. Vorsorgeforum Interlaken wurde durch den traditionellen Apéro mit anschließenden Businesslunch beendet, bei dem sich die Besucher persönlich austauschen konnten, Diskussionen führten und Netzwerke vertieften. Das 8. Vorsorgeforum Interlaken 2021 ist – vorbehältlich den Corona-Entwicklungen - geplant für Dienstag, 23. März 2021

Nicht nur das Vorsorgeforum Interlaken findet kommendes Jahr statt, auch der 13. Institutional Money Kongress wird am 26. und 27. Mai 2020 im RheinMain Congress Center Wiesbaden stattfinden. Merken sie sich diese Termine bereits jetzt in Ihren Kalendern vor! (aa)

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