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Benko-Nachwehen: Julius Bär kämpft mit den Zuflüssen

Trotz eines Rekordgewinns bleiben bei Julius Bär Zweifel am Neugeldwachstum und am Ausbau des Beratungsteams. Auch das weiterhin offene Finma-Verfahren sorgt bei Analysten für Zurückhaltung.

© Taljat / stock.adobe.com

Julius Bär rechnet damit, dass der Gegenwind beim Zufluss von Neugeldern auch im kommenden Jahr anhält. Die Schweizer Vermögensverwaltungsbank kämpft weiter damit, sich nach einer langwierigen Neuaufstellung infolge der Verluste im Zusammenhang mit dem österreichischen Immobilienunternehmer René Benko zu erholen.

Die Aktie der Bank verlor am Dienstag (21.7.) im Zürcher Handel zeitweise bis zu 5,3 Prozent, konnte die Verluste bis zum Mittag aber etwas eindämmen. Damit schrumpfte das Kursplus seit Jahresbeginn auf 13,2 Prozent. Ein Rückgang der Zahl der Kundenbetreuer nährte Zweifel an den Plänen zum Ausbau des Private-Banking-Teams. Zudem blieb ein mit Spannung erwartetes Update zum laufenden Verfahren der Finanzmarktaufsicht aus. Das überschattete ein Rekordergebnis im ersten Halbjahr, in dem sich der Nettogewinn auf 673 Millionen Schweizer Franken, umgerechnet 728 Millionen Euro, mehr als verdoppelte.

"Anhaltend schwierige Bedingungen"
"Das Update zum ersten Halbjahr hat etwas Beruhigung gebracht", schrieb RBC-Analystin Anke Reingen in einer Mitteilung. Allerdings würfen die "anhaltend schwierigen Bedingungen" für das Neukundengeschäft und der Rückgang der Anzahl von Kundenbetreuern "Fragen zur Nachhaltigkeit der Trends auf".

Julius Bär will nach mehr als zwei Jahren der Aufarbeitung der Verluste im Zusammenhang mit Benko zum normalen Geschäft zurückkehren. Seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 richtet Konzernchef Stefan Bollinger die Strategie wieder konsequent auf die Vermögensverwaltung aus. Die Expansion in das Geschäft mit privaten Krediten wurde beendet, nachdem die Schweizer Bank in diesem Geschäftsfeld mit dem Zusammenbruch von Benkos Signa-Immobilienimperium gescheitert war.

Finma-Verfahren weiterhin offen
Die Bank befindet sich weiterhin in einem formellen Durchsetzungsverfahren der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma wegen Mängeln im Risikomanagement unter der früheren Führung. Deshalb konnte Julius Bär seit mehr als drei Jahren weder Aktien zurückkaufen noch überschüssiges Kapital an die Aktionäre ausschütten. Bollinger erklärte, er habe derzeit keine Informationen darüber, wann die Überprüfung abgeschlossen sein wird.

"Durch disziplinierte und konsequente Umsetzung erzielen wir bei allen unseren Prioritäten stetige Fortschritte, wobei unser Fokus besonders auf der Beschleunigung des organischen Wachstums liegt", sagte Bollinger laut einer Mitteilung. "Wir freuen uns, unsere Mittelfristziele zu bestätigen."

Neugeldziel bis 2028 bestätigt
Zu diesen Zielen gehört ein Wachstum des Nettoneugelds von vier bis fünf Prozent bis 2028. Die Zuflüsse hatten sich in den ersten vier Monaten des Jahres verlangsamt, zogen aber gegen Ende des ersten Halbjahres wieder etwas an, teilte Julius Bär mit. Die verwalteten Vermögen stiegen auf den Rekordwert von 547 Milliarden Franken.

Das Institut erklärte, die Auswirkungen der Bereinigung auf das Neugeschäft mit Kunden dürften bis 2027 anhalten. Im ersten Halbjahr verringerte Julius Bär die Zahl der Private Banker per saldo um 14 Stellen.

"Bär hat zufriedenstellende Ergebnisse vorgelegt, die zwangsläufig zu einigen Anhebungen der Analystenempfehlungen führen sollten", schrieb KBW-Analyst Tom Hallett in einer Mitteilung. "Während sich Kosten und Cashflow verbesserten, waren andere Bereiche weniger ermutigend", ergänzte er und verwies auf die Zinserträge, die Neueinstellungen sowie das Ausbleiben eines Updates zum Finma-Verfahren.

Kapitalquote deutlich gestiegen
Julius Bär teilte mit, die bereits solide Kapitalausstattung im ersten Halbjahr deutlich gestärkt zu haben. Die harte Kernkapitalquote, kurz CET1, stieg von 17,4 Prozent Ende vergangenen Jahres auf 18,5 Prozent. Der hohe Kapitalüberschuss würde es der Bank ermöglichen, nach Abschluss des Finma-Verfahrens einen Teil davon an die Aktionäre zurückzugeben.

Anfang dieses Monats hatte Julius Bär bekannt gegeben, Peter Burrill als neuen Finanzchef verpflichtet zu haben. Damit setzte die Bank den Umbau ihrer Führungsspitze fort. Zuvor waren bereits der Konzernchef, der Chief Operating Officer und der Verwaltungsratspräsident ausgewechselt worden. (mb/Bloomberg)

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