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Bayerische Versorgungskammer: Asset Manager reicht Klage ein

Deutschlands größte öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe muss sich mit einer weiteren in den USA eingereichten Klage auseinandersetzen. Die Kläger kommen interessanterweise aus dem Lager einer ebenfalls in München beheimateten Unternehmensgruppe.

© p365.de / stock.adobe.com

Eckpunkte:

  • Die Deutsche Finance Group reicht in den USA Klage gegen die Bayerische Versorgungskammer (BVK) ein
  • Hintergrund sind Unstimmigkeiten über schlecht gelaufene Immobilieninvestments in den USA

Die in den vergangenen Jahren publik gewordenen Immobilien-Fehlinvestments der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) in den USA, die derzeit aufgearbeitet werden, führen zu einem weiteren, unrühmlichen Kapitel. So hat Anfang September die Deutsche Finance Group aus München per Aussendung darüber informiert, dass die Deutsche Finance America LLC und die DF Deutsche Finance Holding AG beim Superior Court des US-Bundesstaates Delaware Klage gegen die Bayerische Versorgungskammer (BVK), Deutschlands größte öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe, eingereicht hat.

David gegen Goliath
Die Deutsche Finance Group ist eine international tätige Investmentgesellschaft mit Schwerpunkt auf Private Equity Real Estate, Immobilien und Infrastruktur. Das Unternehmen verwaltet rund zehn Milliarden Euro Assets under Management.

Zum Vergleich: Die Bayerische Versorgungskammer verwaltet für zwölf Versorgungseinrichtungen insgesamt Kapitalanlagen in Höhe von rund 122,0 Milliarden Euro (Marktwert, Stand Januar 2026).

BVK wird Klage in Ruhe vollumfänglich prüfen und sich entschlossen wehren
Der Bayerischen Versorgungskammer stellt in einer Stellungnahme klar, dass die von der Deutsche Finance in den USA eingereichte Klage bislang nicht zugestellt worden ist. "Falls und sobald sie uns vorliegt, werden wir diese in Ruhe vollumfänglich prüfen", erklärt eine Sprecherin der BVK. "Unabhängig davon gilt: Die BVK weist die bekannt gewordenen Vorwürfe entschieden zurück. Sie sind ein weiterer durchsichtiger Versuch der Deutsche Finance, von ihrer eigenen Verantwortung sowie ihren zahlreichen, öffentlich bekannten Herausforderungen abzulenken. Die BVK wird sich im Interesse ihrer Mitglieder, Versicherten und Leistungsempfänger entschlossen zu Wehr setzen."

Damit stellt sich die Frage, was die Deutsche Finance Group der BVK im Detail vorwirft:

Zahlreiche Vorwürfe der klagenden Partei
Mit der Klage machen die Kläger geltend, dass die BVK durch aus ihrer Sicht falsche und geschäftsschädigende Darstellungen der Deutsche Finance Group die Verantwortung für Verluste des US-Immobilienportfolios zugeschrieben habe, die nach Darstellung der Klageschrift durch Entscheidungen und Unterlassungen der BVK selbst mitverursacht worden seien.

Die Klage stützt sich laut Deutsche Finance Group auf fünf Klagegründe: Vertragsverletzung, Verleumdung (Defamation), unlautere Geschäftspraktiken nach dem Delaware Deceptive Trade Practices Act, rechtswidriger Eingriff in bestehende Verträge sowie rechtswidriger Eingriff in künftige Geschäftsbeziehungen.

Dominanter Asset Owner
Der Klageschrift zufolge investierte die BVK seit mehr als einem Jahrzehnt knapp zwei Milliarden US-Dollar in US-Immobilien mit Projekten in Kalifornien, Illinois, Florida und New York. Die Deutsche Finance Group war dabei als Asset Manager eingebunden. Die BVK habe laut Deutsche Finance Group die Rolle eines passiven institutionellen Investors regelmäßig überschritten. Sie habe die Objekte ausgewählt, Investitionen genehmigt, Gebühren verhandelt und Vermietungs-, Finanzierungs- und Preisentscheidungen bis auf die Ebene einzelner Objekte gesteuert.

Anschließend habe die BVK die Deutsche Finance Group und die unabhängigen Fondsmanager angewiesen, die von ihr getroffenen Entscheidungen umzusetzen.

Nicht schnell genug entschieden?
Als sich die US-Gewerbeimmobilienmärkte ab 2020 abschwächten, seien nach Darstellung der Klage erforderliche Budgets, Finanzierungen und Mietverträge aufgrund der praktizierten Entscheidungsstrukturen von Freigaben beziehungsweise Kapitalbereitstellungen der BVK abhängig gewesen. Notwendige Entscheidungen seien wiederholt ausgeblieben oder verzögert worden.

Die Klage schätzt die möglichen Gesamtverluste über die BVK-Beteiligungen hinweg auf bis zu rund 853 Millionen Euro (988 Millionen US-Dollar) und macht geltend, dass Entscheidungen und Unterlassungen der BVK hierzu wesentlich beigetragen hätten.

Unzutreffende Bildvermittlung
Statt diese Verantwortung zu übernehmen, habe die BVK gegenüber einflussreichen deutschen Medien, deutschen Aufsichtsbehörden, dem Bayerischen Landtag und den eigenen Versicherten ein unzutreffendes Bild vermittelt. Danach habe die Deutsche Finance Group und nicht die BVK die betreffenden Investments ausgewählt und sei für die entstandenen Verluste verantwortlich.

Vorwurf: Unfair behandelt
Die Klageschrift beschreibt zudem, wie die BVK ihre wirtschaftliche Position gegenüber der Deutsche Finance Group einsetzte. Im Dezember 2025 habe sie verlangt, dass die Deutsche Finance Group ihre Managementrolle bei der Transamerica Pyramid in San Francisco „mit sofortiger Wirkung und ohne jede Ausgleichszahlung“ aufgibt. Anschließend habe sie nach Darstellung der Klage die Zahlung von mehr als 31 Millionen US-Dollar an vertraglich garantierten Gebühren verweigert, während an einen Co-Manager desselben Projekts auf Grundlage einer identischen Vertragsklausel mehr als 45 Millionen US-Dollar an vergleichbaren Gebühren gezahlt worden seien.

Verhandlung vor einem US-Geschworenengericht droht
Die Deutsche Finance Group verlangt Schadensersatz (Compensatory Damages), dessen Höhe in einem Geschworenenverfahren (Jury Trial) festzustellen ist. Sie wird in dem Verfahren von der US-Kanzlei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan, vertreten. (aa)

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