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Analyse: Warum Christian Sewing zu den wichtigsten Merz-Beratern zählt

Christian Sewing hat die Deutsche Bank nach Jahren der Krise zurück ins Zentrum der politischen Debatte geführt. Laut einem "Bloomberg"-Bericht zählt der Vorstandschef inzwischen zu den wichtigsten Gesprächspartnern der Bundesregierung in wirtschaftspolitischen Fragen.

Christian Sewing, Deutsche Bank: "Uns alle verbindet das Ziel, dieses Land voranzubringen. Das ist nicht allein Aufgabe der Bundesregierung, sondern ebenso die Verantwortung der Wirtschaft."
Christian Sewing, Deutsche Bank: "Uns alle verbindet das Ziel, dieses Land voranzubringen. Das ist nicht allein Aufgabe der Bundesregierung, sondern ebenso die Verantwortung der Wirtschaft."© Krisztian Bocsi / Bloomberg

Eckpunkte:

  • Die Meinung von Christian Sewing hat in der hohen Politik Gewicht
  • Damit besinnt sich die Deutsche Bank wieder stärker ihrer historischen Wurzeln

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat den Einfluss seines Instituts in Berlin in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Er zählt inzwischen zu den wenigen Topmanagern, die regelmäßig mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Austausch stehen, berichtet "Bloomberg". Auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sucht demnach den Dialog mit dem Vorstandschef der größten deutschen Bank.

Die Bundesregierung holte Sewing unter anderem bei der Übernahmeofferte der italienischen Unicredit für die Commerzbank sowie bei Überlegungen zur Nachfolge von EZB-Präsidentin Christine Lagarde als externen Berater hinzu. Mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen bestätigten dies der Nachrichtenagentur.

Vom Saulus zum Paulus
Noch vor weniger als zehn Jahren galt die Deutsche Bank wegen milliardenschwerer Rechtsstreitigkeiten, hoher Verluste und Managementproblemen als politisch weitgehend isoliert. Mit Sewing habe sich das Verhältnis zu Berlin jedoch grundlegend verändert.

Normen Fritz, Fondsmanager bei Union Investment, sieht darin eine bewusste Strategie: "Christian Sewing möchte die Deutsche Bank wieder stärker an ihren deutschen Wurzeln ausrichten. Er weiß, dass die Deutsche Bank in Zeiten geopolitischer Konflikte und zunehmenden Protektionismus auf ihrem Heimatmarkt Wettbewerbsvorteile hat."

Sewing selbst wollte sich nicht zu einzelnen Gesprächen mit Regierungsvertretern äußern. Er betonte jedoch die Verantwortung der Wirtschaft für den Standort Deutschland. "In einer geopolitisch so komplexen Welt ist es wichtig, fest im eigenen Heimatland und Heimatmarkt verwurzelt zu sein", sagte er. "Uns alle verbindet das Ziel, dieses Land voranzubringen. Das ist nicht allein Aufgabe der Bundesregierung, sondern ebenso die Verantwortung der Wirtschaft."

Umbau stärkte Vertrauen
Nach seinem Amtsantritt wollte Sewing die Beziehungen zur Bundesregierung gezielt verbessern. Gleichzeitig stellte er die Deutsche Bank strategisch neu auf. Das Institut konzentrierte sich wieder stärker auf die Finanzierung der deutschen Wirtschaft, verkleinerte das Investmentbanking und integrierte die Postbank vollständig.

Während der Corona-Pandemie spielte die Bank zudem eine wichtige Rolle bei der Vergabe staatlich garantierter Unternehmenskredite. Später beriet Sewing die Bundesregierung auch bei der Ausgestaltung der Russland-Sanktionen nach dem Angriff auf die Ukraine.

Engagement für Reformen
In den vergangenen Jahren äußerte sich Sewing zunehmend zu wirtschaftspolitischen Themen wie Wettbewerbsfähigkeit, Bürokratieabbau, Energieversorgung und Rentenreformen. Gemeinsam mit Siemens-Chef Roland Busch und weiteren Spitzenmanagern gründete er zudem die Initiative "Made for Germany". Deren Mitglieder haben Investitionen von mehr als 800 Milliarden Euro in Deutschland zugesagt.

Zudem setzte sich Sewing für einen Abbau bürokratischer Hürden in der EU, eine stärkere Integration der europäischen Kapital- und Bankenmärkte sowie eine Lockerung der Schuldenbremse ein. Die geplante Rentenreform der Bundesregierung könnte nach Einschätzung von Bundeskanzler Merz künftig jährlich mindestens 30 Milliarden Euro zusätzlich an die Kapitalmärkte lenken. Davon dürfte auch die Deutsche-Bank-Tochter DWS profitieren.

Vorsicht bei Übernahmen
Trotz der erfolgreichen Sanierung verfolge Sewing weiterhin einen zurückhaltenden Expansionskurs. Die Übernahme des britischen Brokers Numis im Jahr 2023 sei bislang die einzige größere Akquisition unter seiner Führung geblieben. Auch bei der Commerzbank habe die Deutsche Bank trotz zwischenzeitlicher Überlegungen letztlich auf ein Gegenangebot verzichtet.

Als Gründe nennt "Bloomberg" die im Branchenvergleich weiterhin geringere Profitabilität der Deutschen Bank sowie Sewings vorsichtige Haltung gegenüber großen Integrationen. Statt umfangreicher Übernahmen setze der Vorstandschef auf organisches Wachstum und den weiteren Ausbau des Heimatmarkts.

"Deutsche Bank als Teil der Mitte der Gesellschaft wahrgenommen"
Auch Aufsichtsratschef Alexander Wynaendts sieht den Wandel des Instituts. "Heute wird die Deutsche Bank als Teil der Mitte der Gesellschaft wahrgenommen", sagte er. "Es ist wichtig, dass wir auch zu Themen Stellung beziehen, die unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft betreffen. Wir sind überzeugt, dass die Politik der extremen Parteien weder der Wirtschaft förderlich ist noch sie unterstützt." (mb/Bloomberg)

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