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Allianz Asset Management: Das hat der neue Chef vor

Andreas Wimmer, der neue Chef des Asset Managements bei der Allianz SE, hat sich zum aktiven Investment-Ansatz der Konzern-Töchter Pimco und AllianzGI bekannt und sich damit gegen den Trend zu passiven Angeboten gestellt. An Bedeutung gewinnen sollen darüber hinaus Alternative Anlagen.

Andreas Wimmer, Allianz SE
Andreas Wimmer, Allianz SE
© Allilanz

Die Allianz ist einer der größten aktiven Asset-Manager der Welt und verwaltet insgesamt 2,5 Billionen Euro für sich selbst und externe Kunden. Dabei hatten gerade passive, billigere Angebote zuletzt viel Geld auf sich gezogen. Andreas Wimmer, der neue Chef des Asset Managements bei der Allianz, argumentiert im Gespäch mit Bloomberg, dass aktive Manager bei alternativen Anlagen, bei denen er großes Wachstumspotenzial sieht, mit ihrem Ansatz im Vorteil sind.

Aktive Strategien bevorzugt
“Ein Flirt mit passiven Strategien wäre nicht das erste, was ich mir anschauen würde”, erklärte Wimmer gegenüber Bloomberg in seinem ersten Interview in seiner neuen Rolle, ließ jedoch eine Hintertür offen: “Man muss aber auch nichts für die Zukunft kategorisch ausschließen.”

Wimmer ist seit Oktober im Allianz-Vorstand für das Asset Management und das US-Lebensversicherungsgeschäft zuständig. Er übernahm den Posten von Jackie Hunt, die nach der Implosion einiger US-Hedgefonds von AllianzGI zu Beginn der Coronakrise abgetreten war. Es laufen zahlreiche Klagen und Untersuchungen zu dem Sachverhalt. Wimmer sagte, er könne derzeit keine Angaben zum Stand der Dinge machen.

Bei Amtsantritt bekam Wimmer Vorschusslorbeeren. Analysten von Jefferies attestierten ihm eine Erfolgsbilanz bei Innovationen und beschrieben ihn als “eine sichere Karte, um das US-Geschäft durch seine aktuellen Schwierigkeiten zu führen”. Angerechnet wird ihm unter anderen, die garantierten Auszahlungen in der deutschen Lebensversicherung gesenkt und so die Margen geschützt zu haben.

Komplexe Transaktionen, Wette auf Erholung bei Büroimmobilien
Innerhalb alternativer Anlagen sieht Wimmer die größten Wachstumschancen bei Immobilien, Private Debt und Infrastrukturprojekten.

Bei Immobilien will er stärker als bisher von opportunistischen Investments profitieren. Der erfolgte Zusammenschluss von Allianz Real Estate, einem eher traditionellen Investor in diesem Bereich, mit Pimco helfe bei der Durchführung komplexerer Immobilientransaktionen, so Wimmer. “Die Akquisition von Columbia Property Trust ist dafür ein gutes Beispiel”, sagte Wimmer. 

Pimco hatte im September die Übernahme von Columbia für 3,9 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) einschließlich Schulden bekanntgegeben. Dahinter steht die Wette, dass die Nachfrage nach Büros trotz des Trends zum Homeoffice anhalten wird. Wimmer zufolge wird die Allianz wahrscheinlich auch mehr Investments in Logistikimmobilien und Wohngebäude ins Visier nehmen. 

Private Debt gewinnt an Gewicht
Ein weiterer Bereich, in dem Wimmer Investitionen ausbauen will, ist Private Debt. “Es geht um Bereiche, in denen sich Banken zurückgezogen haben und Asset Manager als Finanzierer eine größere Rolle spielen. Das ist für uns ein sehr interessantes Geschäftssegment”, erklärte er. Allein Allianz Real Estate vergab im vergangenen Jahr rund 2,2 Milliarden Euro an neuen Krediten in Europa, ein neuer Rekord für die Region.

Wimmer zufolge wird die Transformation der Wirtschaft noch mehr Bedarf an Kapital erzeugen, zum Beispiel bei erneuerbaren Energien. “Wir haben da große Investitionen als Volkswirtschaft vor uns. Auf der anderen Seite gibt es die starke Nachfrage nach solchen alternativen Anlagemöglichkeiten, weil es eine tolle Beimischung ist – sei es für institutionelle Kunden oder für private Kunden in der Altersvorsorge”, sagte er.

Von den rund 320 Milliarden Euro im Sicherungsvermögen der deutschen Allianz-Lebensversicherung stecken bereits 100 Milliarden Euro in alternativen Assetklassen. Dazu zählt die Allianz im Wesentlichen all das, was nicht an der Börse gehandelt wird. “Lebensversicherer haben ein extrem langfristiges Geschäftsmodell, das es ihnen ermöglicht, in illiquide Vermögensanlagen reinzugehen”, sagte Wimmer.

Zugleich seien Rückversicherungsdeals wie jüngst bei Allianz Life in den USA auch in anderen Ländern möglich. Sie würden helfen, die Kapitalintensität von Portfolien zu senken, und Mittel für neue Geschäftsfelder, Produkte und Technologien freisetzen. Zugleich bleibe die Allianz aber für alle Policen verantwortlich und Ansprechpartner für Kunden. Der Deal in den USA sei Teil der Capital-Light-Strategie der Allianz.

Portfoliobereinung bei AGI
Während die Allianz einige Angebote erweitert, hat sie andere reduziert, insbesondere bei AGI - also der Einheit, zu der auch die implodierten US-Hedgefonds gehören. Die Tochter hat von den rund 450 aktiven Strategien, die es Ende 2019 noch gab, rund 140 eingestellt oder mit anderen Strategien fusioniert, sagte Wimmer.

“Vieles war dabei, was relativ klein war. Und wir waren in der Lage teure Optionalität und Komplexität zu reduzieren und unsere Produktpalette an den Bedürfnissen unserer Kunden auszurichten”, sagte Wimmer. 

Auch der Performance von AGI hat der Portfolio-Umbau geholfen. Rund 69 Prozent der gewichteten Strategien hat sich mit Stand Ende September über einen Drei-Jahres-Zeitraum besser als ihre jeweiligen Benchmarks entwickelt, bezogen auf das gesamte verwaltete Vermögen für Drittkunden und vor Kosten. Zum Ende des ersten Quartals 2020 lag dieser Wert bei nur 45 Prozent.

Für Wimmer hat organisches Wachstum im Asset Management Priorität. Zukäufe seien zwar nicht ausgeschlossen, aber: “Sie kennen die Konstellation, die wir momentan auf den Märkten sehen, was die Preise anbelangt”, so Wimmer. “Die Strategie der Allianz ist aber durchaus, mit einem gewissen Augenmaß auf die Dinge zu gucken.” (aa)

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