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Aktuare mit guten Argumenten für betriebliche und private Vorsorge

Altersvorsorge braucht Transparenz und flexible Rentenprodukte. Das forderte Roland Weber, scheidender Vorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung. Von der Politik forderte er, endlich eine säulenübergreifenden Renteninformation einzuführen.

Roland Weber, Ex-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV)
Roland Weber, Ex-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV)
© Deutschen Aktuarvereinigung (DAV)

"Die gesetzliche Rentenversicherung ist an ihrer Belastungsgrenze angekommen", betonte in seiner Abschiedsrede der scheidende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), Roland Weber, der den Stab an seinen Nachfolger, Guido Bader, übergab. Weber appellierte an die Politik, die dauerhafte Stabilität der umlagefinanzierten Rente in den Mittelpunkt der Rentenpolitik zu stellen und den Versicherungscharakter der wichtigsten Säule des Alterssicherungssystems unbedingt zu erhalten.

"Hierzu gehört vor allem, die Finanzierung der gesetzlichen Rente zu stabilisieren und das darf nicht nur über noch höhere Steuerzuschüsse geschehen, die bereits heute rund ein Viertel der Einnahmen der Rentenversicherung ausmachen", so Weber. Vielmehr müssten alle Stellschrauben nachjustiert und analysiert werden, wozu neben dem Beitragssatz, dem Rentenniveau oder dem Renteneintrittsalter auch die Anzahl von erwerbsfähigen Zuwanderern und das Lohnwachstum gehörten.

Mut entwickeln, auch über das Jahr 2030 hinauszublicken
Daneben sieht Weber den Bedarf, die gesetzliche Rente wie auch die betriebliche und private Altersvorsorge noch stärker als bisher an langfristigen Prognosen auszurichten. "Die Politik muss im Interesse der Versicherten den Mut entwickeln, auch über das Jahr 2030 hinauszublicken", so Weber. Diesbezüglich sieht die DAV auch die eingesetzte Rentenkommission in der Verantwortung, Vorschläge für die dauerhafte Finanzierbarkeit des deutschen Altersvorsorgesystems zu unterbreiten.

Weber betonte aber auch die Aufgabe jedes Einzelnen, zusätzlich für den Lebensabend vorzusorgen, um in Anbetracht der größer werdenden Rentenlücke den Lebensstandard im Alter halten zu können. "Viele unterschätzen nicht nur ihre eigene Lebenserwartung, sondern auch, wie lange ihre Ersparnisse reichen", erläuterte Weber. Laut Weber zeigen Berechnungen, dass selbst bei zwei Prozent Jahreszins ein Kapitalstock von 100.000 Euro bereits nach neun Jahren und einem Monat komplett verbraucht ist, wenn daraus eine monatliche Rente von 1.000 Euro entnommen wird.

"Atmende" Altersvorsorgekonzepte gefragt
"Die Zahlen belegen, dass die Menschen Transparenz brauchen, um qualifizierte Entscheidungen für die Altersvorsorge treffen zu können", so Weber. Von daher unterstütze die DAV auch den Vorstoß der Bundesregierung zur Einführung einer säulenübergreifenden Renteninformation. Die Aktuare Deutschlands würden ihr Fachwissen und ihre langjährige Expertise im Umgang mit großen, sensiblen Datenmengen in den Aufbau der Renteninformation einbringen, um praktikable Lösungsansätze zu entwickeln und dem Wunsch der Deutschen nach Planbarkeit Rechnung zu tragen.

Da das Bedürfnis nach Planungssicherheit aber bei jedem Bürger unterschiedlich ausgeprägt sei, bedürfe es in Zeiten der anhaltenden Tiefzinsphase und volatiler Aktienmärkte auch "atmender" Altersvorsorgekonzepte. "Absolute Zinsgarantien werden im Niedrigzinsumfeld immer schwieriger umsetzbar", warnte Weber. "Deshalb haben sich die Aktuare bereits vor Jahren für die Einführung flexibler Produkte eingesetzt." Diese beinhalteten neben Garantiekomponenten auch chancenorientierte Bestandteile, die auf der einen Seite höhere Renditen ermöglichten, auf der anderen Seite aber auch risikobehafteter seien. "Letztlich muss jeder Bürger für sich selbst entscheiden, in welche Richtung das persönliche Anlagependel zwischen kompletter Sicherheit und hoher Renditechance ausschlägt", skizzierte Weber die Herausforderung.

Reine Beitragszusage als Beispiel für ein moderner Vorsorgekonzept
Ein zuletzt vielfach diskutiertes Beispiel für moderne Vorsorgekonzepte sei die im Zuge des Betriebsrentenstärkungsgesetzes 2018 eingeführte reine Beitragszusage. "Bei dieser wird aus der Garantierente eine Zielrente", erklärte Weber. "Dieser kleine, aber feine Unterschied eröffnet Gestaltungsspielräume." Dadurch werde eine kollektiv gesteuerte und auf langfristige Sparprozesse angelegte Kapitalanlage ermöglicht, die von Puffer- und Anpassungsmechanismen flankiert werde. Diese ermöglichten, auch mittelfristige Verwerfungen an den Kapitalmärkten auszugleichen und erhöhten damit die Renditechancen.

Die Aussicht auf ein höheres Rentenniveau hat nach Analyse der DAV-Aktuare allerdings auch ihren Preis: "Eine einmal gezahlte Rente kann im weiteren Zeitverlauf auch wieder sinken", so Weber. Die Sozialpartner seien gefordert, für die Arbeitnehmer den bestmöglichen Mittelweg zwischen ausreichender Sicherheit und angemessenem Rentenniveau zu finden. Weber: "Die Aktuare werden diesen Entwicklungsprozess wenn gewünscht aktiv begleiten. (hh)

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