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AGI setzt ungewöhnliche Maßnahme zur „Rettung“ aktiver Fonds

Allianz Global Investors will das aktive Fondsmanagement wiederbeleben und setzt im Kampf gegen die Benchmark auf weiße Turnschuhe. Hinter dieser aufsehenerregenden Maßnahme steht aber eine durchdachte Strategie der Allianz-Vermögenstochter.

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Andreas Utermann, CEO von Allianz Global Investors
 
© AGI

Aktive Fondsmanager, die mit ihrer Performance temporär hinter ihrer Benchmark liegen, sollten vielleicht darauf hoffen, dass hochrangige Führungskräfte ihres Unternehmens vorbei kommen und ihnen Sneakers schenken. Damit läuft es bekanntlich besser…

Auf diese Maßnahme setzt derzeit Allianz Global Investors (AGI) im Rahmen einer Marketing- und Marken-Initiative, berichtet Bloomberg. AGI-Führungskräfte besuchen die 14 Büros des Unternehmens weltweit und verteilen weiße Laufschuhe. Diese Kampagne ist Teil der genannten Marketing- und Marken-Initiative der 513 Milliarden Euro starken Gesellschaft, um ihre Rolle als aktiver Vermögensverwalter zu unterstreichen - in einer Zeit, in der nur wenige Anleger glauben, dass Stock Picker die zusätzlichen Gebühren gegenüber kostengünstigen Indexfonds wert sind.

Änderung der Gebührenstruktur
AGI ist so zuversichtlich, dass sie zusätzlichen Wert bieten kann, dass das Unternehmen kürzlich die Managementgebühr für einige Fonds gesenkt hat, und stattdessen eine Performancegebühr erhebt, die nur dann anfällt, wenn der Fonds seine Benchmark schlägt.

"Sneakers sind nur ein Teil von diesem Marken-Relaunch", sagt Andreas Utermann, CEO von AGI. "Es ist nicht nur der Investmentprozess, der aktiv ist, sondern die gesamten geistigen Werte des Unternehmens und die Art und Weise, wie wir beraten - hoffentlich ein wenig mehr antizyklisch als in der Vergangenheit."

Eine Benchmark zu schlagen ist nach Gebühren extrem schwer
Aktive Manager haben im Allgemeinen gegenüber passiven Index-Trackern - insbesondere bei Aktien - Marktanteile verloren, weil sie nicht in der Lage waren zu zeigen, dass sie den Markt nach Berücksichtigung der Auswirkungen von Gebühren schlagen können, erinnert Bloomberg. Bei AGI entwickelten sich laut dem Nachrichtendienst 70 Prozent der Vermögenswerte von Dritten - Geld, das für andere Kunden als Allianz verwaltet wurde - in den drei Jahren bis März besser als ihre Benchmark. Diese Zahl sinke auf 37 Prozent, wenn die Gebühren berücksichtigt werden, die der Kunde bezahlen muss.

Wird die Anzahl der Fonds anstatt der Vermögenswerte betrachtet, so übertrafen 40 Prozent ihre Benchmark nach Gebühren, wie aus von Morningstar zusammengestellten Zahlen hervorgeht, schreibt Bloomberg.

Asset Manager und Investoren in einem Boot
Die Einführung von Performance-Gebühren bei gleichzeitiger Senkung der Verwaltungsgebühr, die Anleger unabhängig davon zahlen, wie gut oder schlecht ein Fonds abschneidet, verbindet die Gebühren, die eine Fondsgesellschaft verdient, enger mit dem, was sie für ihre Kunden erwirtschaftet. Hedgefonds haben üblicherweise Performancegebühren verlangt, obwohl die meisten auch eine ziemlich hohe Verwaltungsgebühr von rund zwei Prozent fordern.

Wenn nur für den erzielten Mehrwert gegenüber dem Markt eine Gebühr erhoben wird, ist das eine Möglichkeit, Kunden zurück zu locken, die versucht sein könnten, in günstigere ETFs zu investieren, sagt Utermann. Die Produkte des Unternehmens bieten eine niedrige feste Gebühr von 20 Basispunkten und eine zusätzliche Performancegebühr von 20 Prozent, wenn ein Fonds seine Benchmark schlägt.

Rationale Investoren zahlen Performance Fees
"Wir müssen noch einen natürlichen Widerstand überwinden, den die Leute gegen Performance-Gebühren haben", sagt Utermann. "Sie bekommen es so ziemlich für den Preis eines ETF und sie zahlen nur, wenn wir es schaffen. Warum sollte das nicht ein gutes Geschäft sein?"

Eine stärkere Abhängigkeit von Performance-Gebühren erhöht die Volatilität der Erträge eines Unternehmens, jedoch ist die Höhe des Anlagekapitals in diesen Fonds bisher sehr gering. AGI hat im letzten Jahr damit begonnen, die neue Gebührenstruktur in den USA anzubieten, und dieses Jahr wurde sie für fünf britische Fonds eingeführt. Zusammen haben die Long-only-Strategien, bei denen Kunden diese Option wählen können, ein Anlagevolumen von etwas mehr als 600 Millionen Dollar, obwohl dieser Betrag auch Anteilsklassen mit anderen Gebührenstrukturen umfasst

Muss die Fondsbranche ordentlich schrumpfen?
Laut Utermann zwingen die Performance-Gebühren die Fondsgesellschaften auch, sich darauf zu konzentrieren, wie gut sie ihre Arbeit machen, und halten sie davon ab, Fusionen allein wegen des Volumens zu verfolgen, da Masse eher der Feind von Performance ist. Peter Kraus, der ehemalige CEO der AllianceBernstein Holding, hat gesagt, dass die Fondsbranche möglicherweise um ein Drittel schrumpfen muss, um die Performance wiederherzustellen.

AGI hat in den vergangenen Jahren einige kleinere Akquisitionen getätigt und durch den Kauf von Rogge Global Partners, eines britischen Spezialisten für Festverzinsliche, im Jahr 2016 das verwaltete Kapital um rund 34 Milliarden Euro gesteigert. Im selben Jahr hat die Gesellschaft auch den US- Private-Credit-Manager Sound Harbour-Partner erworben.

Utermann sagt, er sei an Transaktionen in alternative Anlagen, aufstrebende Märkten oder den Aufbau des Vertriebsnetzes von AGI interessiert. Neue europäische Regeln, die als MiFID II bekannt sind, haben dazu geführt, dass eine wachsende Anzahl von Fondsmanagern plant, mehr Produkte direkt an Privatkunden zu vermarkten. Die Regeln zwingen die Vermögensverwalter auch, für jegliches von Banken zur Verfügung gestellte Research separat zu bezahlen, was wahrscheinlich zu einer geringeren Abdeckung führen wird. Das wiederum könne aktiven Managern einen Vorteil verschaffen, sagt Utermann.

"Es führt wahrscheinlich dazu, dass mehr Alpha zur Verfügung steht", sagt er. "Weniger Abdeckung bei den großen Aktien sowie bei Small Caps bis zu den Mid Caps bedeutet wahrscheinlich einen weniger effizienten Markt." (aa)

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